Stadt will Krematorium am Rodtberg loswerden

Gießen (mö). Die Stadt Gießen will sich von ihrem Krematorium am Rodtberg trennen. Der Magistrat beschloss am Montag, dass ein Interessenbekundungsverfahren durchgeführt werden soll, um die Chancen eines Verkaufs, einer Verpachtung oder einer Überführung in eine andere Betriebsform auszuloten.
03. April 2012, 21:08 Uhr
Die Stadt will ihr Krematorium am Neuen Friedhof loswerden. (Foto: mö)

Grund: Der Betrieb der 1975 gebauten und mehrfach mit hohem Kostenaufwand modernisierten Anlage gestaltet sich – trotz des Trends zur Einäscherung – zunehmend unwirtschaftlich. Der jährliche Zuschuss habe sich zuletzt auf rund 265 000 Euro belaufen, teilte Bürgermeisterin Gerda Weigel-Greilich am Dienstag mit.

Das Krematorium zählt zu einem Dutzend »Betrieben gewerblicher Art« (BgA), die wegen der Haushaltsprobleme seit einigen Jahren auf dem Prüfstand stehen. Zu den BgA zählen zum Beispiel die neue Tiefgarage unterm Rathaus, der Forstbetrieb, der Wochenmarkt oder kleine Einheiten wie die Gaststätte im Waldstadion.

Im Fall des Krematoriums ist der Magistrat nun zum Ergebnis gekommen, dass sich eine Trennung lohnen könnte. »So kann es nicht weitergehen«, verwies die für das Friedhofsamt zuständige Bürgermeisterin auf die zunehmende Diskrepanz zwischen den einerseits sinkenden Einäscherungszahlen und andererseits den steigenden Kosten.

Zwar wird die Zahl der Einäscherungen seit Jahren mit 2000 angegeben, aber seit dem Jahr 2009 schreibt die am Ostende des Neuen Friedhofs stehende Anlage rote Zahlen. Dafür verantwortlich macht der Magistrat die wachsende Konkurrenz. In einem Umkreis von 130 Kilometern gebe es mittlerweile 13 Krematorien, darunter sechs privat betriebene. Weigel-Greilich hatte zwar keinen Gebühren- und Preisvergleich parat, geht aber davon aus, dass die in Gießen gültige Gebühr von 305 Euro nur für die Verbrennung andernorts unterboten werde.

Die Führung von Betrieben gewerblicher Art sei keine Pflicht der Stadt, zudem würden diese Betriebe wie Privatunternehmen besteuert, erläuterte Weigel-Greilich. Gleichzeitig bekräftigte sie die Absicht der Stadt, dass es in Gießen weiterhin ein Krematorium geben soll, aber eben nicht mehr unter diesen wirtschaftlichen Bedingungen.

In einem nächsten Schritt wird die Stadt das Interessenbekundungsverfahren in Form einer Ausschreibung veröffentlichen. Interessenten können sich bis Mitte Juli bei der Stadt melden. Nach deren Angaben entspricht die Anlage dem »Stand der Technik«. Was die Einhaltung von Schadstoffrichtlinien betrifft, war dem Gießener Krematorium vor zwei Jahren ein Gütesiegel verliehen worden. Die Federführung des Verfahrens liegt bei der Stadtkämmerei.

Schlagworte in diesem Artikel

  • Commerzbank Arena
  • Gerda Weigel-Greilich
  • Lädt

    Schlagwort zu
    Meine Themen

    Sie haben bereits 15 Themen gewählt

    Sie folgen diesem
    Thema bereits

Klicken Sie auf ein Schlagwort, um es zu „Meine Themen” hinzuzufügen oder weitere Inhalte dazu zu sehen.


0
Kommentare | Kommentieren

Bilder und Videos

Kommentare

Kommentar hinzufügen

Kommentar schreiben - Ihre Meinung zum Thema ist gefragt


Kommentare werden erst nach einer Prüfung durch die Redaktion veröffentlicht. Bitte beachten Sie die Netiquette sowie die Hinweise nach dem Absenden Ihres Beitrags.


Überschrift
Meine Meinung





Sie haben noch kein Login? Jetzt kostenlos registrieren.

Registrieren Sie sich kostenlos um Ihren Kommentar abzuschließen:

Wir garantieren Ihnen, dass alle persönlichen Daten nur beim Verlag intern verwendet werden und nicht ohne Zustimmung an Dritte weitergegeben werden.


Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:
Wieviel ist 43 - 10: 




Sie sind bereits registriert? Zurück zum Login.