Stadt erhöht die Pacht für Kleingärtner deutlich

Gießen (mö). Für Unruhe und Verärgerung bei vielen Gießener Kleingärtnern sorgt eine deutliche Pachterhöhung, mit der die Stadt die Vereine vor einigen Tagen konfrontiert hat.
15. Oktober 2014, 18:28 Uhr
Auch Kleingärtner Helmut Appel vom Verein Lahnknie muss ab 1. Januar eine höhere Pacht für seinen Garten zahlen. Nach Angaben des Verbands der Kleingärtner sind in Gießen zwischen 500 und 600 Pächter betroffen. (Foto: Schepp)

»Kaum sind die Tore der Landesgartenschau geschlossen, wird Geld eingesammelt«, äußerte Wilfried Korell, der Vorsitzende des Stadt- und Kreisverbands der Gießener Kleingärtner, gegenüber der GAZ Unmut über die Erhöhung. Er will die fast 25-prozentige Anhebung der Pacht nun rechtlich vom Landesverband prüfen lassen.

Betroffen von der Erhöhung zum 1. Januar sind die acht Gießener Vereine, deren Anlagen sich auf städtischem Grund und Boden befinden. Diese Anlagen, in denen laut Korell schätzungsweise 500 bis 600 Gießener ihre Gärten haben, befinden sich an der Lahn, in der Wieseckaue und am Fuß des Schiffenbergs. So müsse zum Beispiel der Verein Lahnknie künftig pro Jahr 3800 Euro statt wie bisher 3100 Euro an die Stadt zahlen und diese Mehrbelastung auf seine Mitglieder umlegen. Ein Lahnknie-Pächter schätzte die jährliche Mehrbelastung auf 15 bis 20 Euro pro Pächter. »Wenn man das auf den Monat runterrechnet, ist es nicht viel Geld, aber viele der Pächter verfügen auch nur über eine kleine Rente oder ein kleines Einkommen«, sagte der Laubenpieper.

Auch Kreisvorsitzender Korell hält die Pachterhöhung angesichts der Mitgliederstruktur für unsozial und spricht von einer »anrüchigen« Maßnahme. Denn aus Sicht von Korell verstößt die Stadt mit der Erhöhung gegen gesetzliche Vorgaben und Empfehlungen, wonach die Pacht bei gemeinnützigen Anlagen eine bestimmte Höhe nicht überschreiten dürfe, damit sich zum Beispiel auch Sozialmieter einen Garten leisten können. Mit nunmehr über 22 Cent für den Quadratmeter liege die Stadt Gießen weit über dieser Grenze. Nach Angaben Korells hat das städtische Liegenschaftsamt die Erhöhung damit begründet, dass die letzte bereits 14 Jahre zurückliege und nunmehr eine »Anpassung« an die allgemeinen Lebenshaltungskosten erfolgen müsse.

Stadtsprecherin Claudia Boje verwies darauf, dass es bei privatrechtlichen Verträgen dieser Art üblich sei, die Höhe von Pachten oder Mieten an die Lebenshaltungskosten anzupassen. Dies sei bei der Pacht für die Kleingärten über einen längeren Zeitraum unterblieben, sodass es jetzt zu der Erhöhung gekommen sei. Boje: »Es gibt ja auch keine Miete, die seit vierzehneinhalb Jahren gleich geblieben ist. « Auf Nachfrage erklärte Boje, dass die Pachterhöhung vom Magistrat nicht beschlossen wurde. Anders als bei Gebühren- und Steuererhöhungen, bedürfe es bei der Gestaltung von Mieten und Pachten keiner Gremienbeschlüsse.

Schlagworte in diesem Artikel

  • Kleingärtner
  • Lebenshaltungskosten
  • Mieten
  • Lädt

    Schlagwort zu
    Meine Themen

    Sie haben bereits 15 Themen gewählt

    Sie folgen diesem
    Thema bereits

Klicken Sie auf ein Schlagwort, um es zu „Meine Themen” hinzuzufügen oder weitere Inhalte dazu zu sehen.


0
Kommentare | Kommentieren

Bilder und Videos

Kommentare

Kommentar hinzufügen

Kommentar schreiben - Ihre Meinung zum Thema ist gefragt


Kommentare werden erst nach einer Prüfung durch die Redaktion veröffentlicht. Bitte beachten Sie die Netiquette sowie die Hinweise nach dem Absenden Ihres Beitrags.


Überschrift
Meine Meinung





Sie haben noch kein Login? Jetzt kostenlos registrieren.

Registrieren Sie sich kostenlos um Ihren Kommentar abzuschließen:

Wir garantieren Ihnen, dass alle persönlichen Daten nur beim Verlag intern verwendet werden und nicht ohne Zustimmung an Dritte weitergegeben werden.


Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:
Wieviel ist 3 + 2: 




Sie sind bereits registriert? Zurück zum Login.