10. Oktober 2018, 12:02 Uhr

Energiewende

So will TH Mittelhessen »Meilenstein in Geschichte der deutschen Energietechnik« setzen

Die TH Mittelhessen und die Stadtwerke Gießen haben eine Technologie vorgestellt, die zum Schlüssel bei der Umsetzung der Energiewende werden könnte. In Gießen soll sie bald zum Einsatz kommen.
10. Oktober 2018, 12:02 Uhr
Hier ist das Ding: THM-Mitarbeiter Sergej Herzog erklärt, wie der Hochtemperaturspeicher funktioniert. (Foto: Schepp)

Zukunft jetzt machen«, lautet ein Slogan auf den Wahlplakaten, die überall in der Stadt hängen. Nicht erst jetzt, sondern seit gut einem Jahr wird im Niemandsland unterhalb des Leihgesterner Wegs an einem der wichtigsten Zukunftsprojekte nicht nur der deutschen Politik gearbeitet. Kleine grün-weiße Schilder weisen am Montagnachmittag den Weg zum Richtfest für den »High-T-Stor«.

Die englische Abkürzung steht für Hochtemperaturspeicher, an dem ein Team der Technischen Hochschule Mittelhessen um Prof. Stefan Lechner seit geraumer Zeit tüftelt. In der Halle am Rande des Gail-Geländes, wo die Stadtwerke auf zwei Hektar so etwas wie ein Versuchsgelände für Recycling- und Energietechnik entwickelt haben, steht die halbfertige Demonstrationsanlage, deren Kernstück aus einem etwa fünf Meter hohen, mit hitzebeständigen Schamottsteinen gemauerten Turm besteht. In den Löchern zwischen den Steinen stecken lange elektrische Heizelemente.

 

Anwendungsorientierte Forschung

Wärmeisoliert könnte der Klotz zum Schlüssel bei der Umsetzung der Energiewende werden, denn hier soll überschüssiger Wind- und Solarstrom quasi geparkt werden, bis der Strombedarf wieder ansteigt und die gespeicherte Wärme rückverstromt wird. Aus Sicht von THM-Vizepräsident Prof. Olaf Berger ist die Aufgabe wie maßgeschneidert für die anwendungsorientierten Ingenieure aus dem Zentrum für Energietechnik und Energiemanagement. »Die Universitäten erklären die Welt, die technischen Hochschulen bringen sie ans Laufen«, sagt Berger im Beisein von Präsidenten Prof. Matthias Willems und dessen Vorgängers Prof. Günther Grabatin sowie Wissenschafts-Staatssekretär Patrick Burghardt.

Berger hofft, dass das Team um seinen Kollegen Lechner »einen Meilenstein in der Geschichte der deutschen Energietechnik setzt«. Auch Staatssekretär Burghardt spricht von einem »sehr bedeutenden Projekt«, dessen Potential man auch in Berlin erkannt hat. Knapp 1,6 Millionen Euro stellte das Bundesforschungsministrium zur Verfügung. Projektleiter Lechner hofft, den Förderzeitraum bis Ende kommenden Jahres verlängern zu können. Bei den Stadtwerken bedankt er sich für die Überlassung der »maßgeschneiderten Halle«.

 

Start Anfang 2019

Matthias Funk, technischer Vorstand der SWG, macht deutlich, in welchem Ausmaß das Gelingen der Energiewende vom Ausbau der Netze und der Möglichkeit abhängt, überschüssigen Ökostrom zu speichern, um ihn in Zeiten höheren Bedarfs zu nutzen. »Mir hat ein Kollege aus Oldenburg erzählt – die haben eine kleine Offshore-Anlage auf der Nordsee -, dass sie gezwungen sind, Windstrom in Mengen abzuregeln, die für die Versorgung einer großen Stadt reichen würden«, erklärt Funk. Zum Üben und Testen sei das Gelände jedenfalls »ideal«.

THM-Mitarbeiter Sergej Herzog kündigt an, dass die Testanlage bis Ende des Jahres fertig sein und dann im ersten Quartal 2019 in Betrieb genommen werden soll.

Zusatzinfo

Einsatz in neuem Wohngebiet

Nicht nur in ihrer Funktion als SWG-Aufsichtsratsvorsitzende verfolgte Stadträtin Astrid Eibelshäuser am Montag die Vorstellung der Stromspeicher-Testanlage mit großem Interesse. Denn ein Hochtemperaturspeicher soll auch Bestandteil der Energiezentrale werden, die die THM für das Wohngebiet auf dem Motorpool-Gelände an der Grünberger Straße konzipiert haben. 4,7 Millionen Euro Fördergeld erhalten die Tüftler der Technischen Hochschule Mittelhessen, um das »Projekt FlexQuartier Gießen« umzusetzen.

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