Streik

So trifft der Streik das Uniklinikum

Montag und Dienstag wird am Uniklinikum gestreikt. Die Geschäftsführung hatte ordentlich Zeit, um sich auf die Arbeitsniederlegungen vorzubereiten.
23. März 2017, 18:05 Uhr
(Foto: Schepp)
Ein wenig paradox ist die Situation schon: Einerseits will die Gewerkschaft Verdi das Rhön-Klinikum AG durch einen Streik im Zuge der aktuellen Lohnverhandlungen unter Druck setzen. Andererseits hat der Betriebsrat der Geschäftsführung des Universistätsklinikums Gießen-Marburg schon vor zwei Wochen eine Notdienstvereinbarung zukommen lassen, in der für den Ausstand eine Personalbesetzung wie an Wochenenden angekündigt wird. Das bedeutet, dass es an den Streiktagen – am Montag und Dienstag in Gießen, am Dienstag in Marburg – nur zu Einschränkungen in der planbaren Patientenversorgung kommen wird. Die Notfallversorgung ist gesichert.

Knapp 8000 betroffene Mitarbeiter

Zum Streik aufgerufen sind die Beschäftigten einzelner Kliniken. Erstmals in einem Arbeitskampf werden dabei auch Betten in Stationen »geschlossen«: Sie können dann mangels Pflegepersonal nicht belegt werden. Wo genau das geschieht, weiß die UKGM-Leitung. Vermutlich werden deshalb viele Patienten, die am Montag und Dienstag einen Termin für eine Routineuntersuchung oder eine nicht dringliche Operation haben, kurzfristig eine Absage bekommen. Oder sie kommen erst nach langer Wartezeite dran. Wie am Mittwoch bereits gemeldet, fordert Verdi für die knapp 8000 nicht-ärztlichen Beschäftigen (Pflegekräfte, Techniker, Mitarbeiter in Verwaltung und Dienstleistungen) eine Lohnsteigerung von 7,5 Prozent, mindestens aber 120 Euro. Der Arbeitgeber habe für eine Laufzeit von 27 Monaten aber nur eine Erhöhung angeboten, die zu einer Reallohnsenkung führe: »Das ist nicht akzeptabel« unterstreicht Verdi-Verhandlungsführer Stefan Röhrhoff.

UKGM-Geschäftsführer Dr. Gunther K. Weiß kritisierte in einer Pressemitteilung: »Zum jetzigen Zeitpunkt einen solch massiven Streik anzudrohen, ist völlig überzogen und ungerechtfertigt«. In der zweiten Verhandlungsrunde habe die Geschäftsführung ein erstes Angebot über insgesamt drei Prozent mehr Lohn und Gehalt vorgelegt, das die Gewerkschaftsvertreter abgelehnt hätten. Man habe sich darauf verständigt, dass die Geschäftsführung beim nächsten Treffen am 3.April ein zweites Tarifangebot vorlegen wird. »Solange man noch gemeinsam am Verhandlungstisch sitzt und zu einer für beide Seiten akzeptablen Lösung kommen kann, muss man aus Sicht des UKGM nicht zu derartigen Kampfmitteln greifen«, betont Weiß. Es sei für den Fortgang der Verhandlungen nicht förderlich. »Daher fordern wir alle unsere Beschäftigten auf: Nehmen Sie an diesen Streiks nicht teil!«, erklärt der Geschäftsführer.
    
Viele Überlastungsanzeigen
    
Betriebsratsvorsitzender Klaus Handschur glaubt hingegen, dass »die Streikbereitschaft hoch« ist. »Die Arbeitsbelastung wird immer höher, viele Kollegen haben innerlich schon gekündigt«, hat er beobachtet. Auch die hohe Zahl an Überlastungsanzeigen, in denen es mitunter um Gefährdungen gehe, dokumentier den Unmut in der Belegschaft, bestätigt seine Kollegin Kerstin Gruschetzki. Verdi verlangt deshalb auch mehr Personal: An beiden Standorten fehlen laut Fachsekretär Fabian Rehm insgesamt 800 Stellen. »Die Warnsignale werden schlichtweg übergangen«, ärgert sich Handschur. Die Rhön-Zentrale tendiere derzeit eher noch in Richtung Stellenabbau. So könne das Klinikum »an die Wand gefahren werden«, warnt er.

Der frühe Zeitpunkt des Streiks sei »in der Tat nicht üblich«, räumt Verhandlungsführer Röhrhoff ein. Aber um schnell zu einem guten Verhandlungsergebnis zu kommen, »muss frühzeitig Druck gemacht werden«. Wenn die Geschäftsführung beklage, dass sie kaum neues Personal finde, dann liege das vor allem an der schlechten Entlohnung. In öffentlich-rechtlichen Krankenhäusern werde nach der neuen Entgeltordnung deutlich mehr gezahlt als derzeit im Klinikum.

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