23. Juli 2018, 19:00 Uhr

Neues Café

»Shepherds Coffee« im Neuenweg in Gießen: Fair und familiär

Im Neuenweg eröffnet am Samstag »Shepherds Coffee«. Der Fokus liegt auf besonderem Kaffee aus wilden Bohnen.
23. Juli 2018, 19:00 Uhr
Dirk Schäfer (Mitte) ist nach dem ersten Testlauf seines neuen Cafés im Neuenweg zufrieden. (Foto: chh)

Schweißperlen glänzen auf Dirk Schäfers Stirn. Und das liegt nicht nur an der Hitze. Der 54-Jährige steht hinter dem Tresen des neuen Cafés »Shepherds« im Neuenweg. Seine Augen verfolgen, wie Tasse um Tasse über die Ladentheke wandert. Es ist ein Probelauf, quasi ein Pre-Opening für Freunde und Familie. »Am kommenden Samstag wird es ernst«, sagt Schäfer. Denn dann wird das »Shepherds« seine Türen erstmals für alle Gießener öffnen. Ob er aufgeregt ist? Schäfer muss nicht lange überlegen: »Und wie.«

Für den Familienvater ist die Gastronomie neues Terrain. Denn sein eigentliches Metier ist nicht die Kaffeebohne, sondern der Schreibtisch. »Ich arbeite als Banker in Frankfurt«, sagt der gebürtige Heuchelheimer. Auf die Idee, ein eigenes Café zu eröffnen, sei er in der Mittagspause gekommen. »Wir sind mit Kollegen häufig in einen Coffeeshop in der Kirchnerstraße gegangen. Und obwohl dort an der Straße alle großen Kaffeeketten eine Filialen haben, war die Schlange vor diesem kleinen unabhängigen Laden immer am längsten.«

Schäfer erkundigte sich beim Besitzer über das Erfolgsrezept – und war nach der Antwort endgültig begeistert. Denn der Frankfurter Laden stellt den Kaffeegeschmack in den Mittelpunkt. »Es geht um Kaffee, nicht um Schnickschnack«, sagt Schäfer.

Vermarktung ohne Zwischenhändler

Der Banker begann mit der Recherche und stieß dabei auf den Wetterauer Florian Muck. Dem Gambacher gehören in Äthiopien 900 Hektar Regenwald. Und auf diesem Gebiet wächst der Kaffee wild. Die Bohnen werden von etwa 200 Familien aus zwei Dörfern gepflückt. Muck vermarktet sie direkt, ohne Zwischenhändler. »Es gibt keine Plantagen, für den Kaffee wird kein Regenwald abgeholzt«, sagt Schäfer. Neben der Natur würden aber auch die Menschen profitieren.

»Die Kaffeebauern können ihren Lebensunterhalt bestreiten. Außerdem wird sichergestellt, dass Infrastruktur und Schulen aufgebaut werden. Der Kaffee ist also mehr als fair.« Das sei ihm auch für die anderen Bohnen, die im »Shepherds« angeboten werden, wichtig.

Vom Konzept war Schäfer schnell derart überzeugt, dass er es zusammen mit den wild gepflückten Bohnen nach Gießen holte – und das mit viel familiärer Unterstützung. Denn während sich er sich eher im Hintergrund halten will, wird seine Tochter Laura, eine gelernte Hotelfachfrau, die Geschäftsleitung übernehmen. Sohn Nicolas wird an den Wochenenden aushelfen. Zu den angesagten Kaffeespezialitäten wie Flat White, Latte Macchiato, Americano und Cappuccino gesellt sich hausgemachter Kuchen aus Heuchelheim.

Fokus auf das Wesentliche

Die Rezepte stammen von Schäfers Mutter Rosemarie. Waffeln und Banana Bread soll es ebenfalls geben, zudem Müsli mit Milch und Joghurt vom Selgenhof. Im Zentrum des Shepherds soll aber der Kaffee stehen. Auf Zimtpulver, Sirups, Schokosoße und anderen Zusatz verzichten die Schäfers daher. »Wir werden eine Zuckerdose aufstellen. Aber mehr nicht. Der Geschmack des Kaffees soll im Vordergrund stehen.«

 

Dieser Fokus auf das Wesentliche spiegelt sich auch im Aussehen des Ladens wider. Die Backsteinwände sind nicht verputzt, die Rohre liegen frei, die kleinen Tische im Außenbereich sind aus Kabeltrommeln gefertigt. Auch die Fabrikleuchten über der mattschwarzen Espressomaschine  tragen zu diesem hellen Industrielook bei.

Den Freunden von Familie Schäfer scheint das Ambiente am Samstag gut zu gefallen. Und der Kaffee zu schmecken. Die Stimmung beim Pre-Opening ist ausgelassen, viele lächelnde Gesichter sind zu sehen. Am breitesten grinst jedoch Dirk Schäfer. »Alles hat wunderbar geklappt.« Wenn er an die Eröffnung am Samstag denkt, ist er zwar noch immer aufgeregt. Aber die Anspannung ist weg. Stattdessen macht sich Vorfreude breit.

Zusatzinfo

Espressomaschine als Herzstück

Die Espressomaschine ist das Herzstück des Ladens. Es handelt sich um die »Spirit Triplette« von Kees van der Westen. Der Niederländer ist einer der führenden Hersteller von Espressomaschinen. Er begann vor vielen Jahren als junger Industriedesignstudent. Nachdem sein erster Prototyp in den 80er Jahren mehrfach explodiert war, verkaufte er seinen optimierten Erstling an eine Discothek. Von da an ging es steil bergauf. Van der Westen setzt auf Eigenkreationen. Die Maschine im »Shepherds« ist eine faszinierende Mischung aus High-Tech und Retro-Design.

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