31. Januar 2018, 06:00 Uhr

Untreue

Schormann wegen Untreue angeklagt

Der frühere Vorsteher des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels und Chef der »Ferber`schen« Buchhandlung Gießen, Dieter Schormann, muss sich vor Gericht verantworten.
31. Januar 2018, 06:00 Uhr
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Von Steffen Hanak , 2 Kommentare
Mit Buch, Fliege und Schal: So kennt man Dieter Schormann. (Archivbild: Schepp)

Bis vor zehn Jahren war der Mann mit dem Seidenschal und der Fliege ein wortmächtiger Vertreter des Gießener Einzelhandels und als Vorsteher des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels einer der wenigen Gießener mit bundesweiter Prominenz. Nun sorgt Dieter Schormann wieder für Schlagzeilen, auf die er aber wohl liebend gerne verzichtet hätte. Denn am kommenden Dienstag steht der frühere Inhaber der Ferber’schen Universitätsbuchhandlung vor dem Amtsgericht – als Angeklagter. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm Untreue vor.

Es geht um insgesamt 50 Fälle. In seiner Zeit als geschäftsführender Gesellschafter einer GbR (Gesellschaft bürgerlichen Rechts), die die Universitätsbuchhandlung Holderer trug, soll Schormann wiederholt in die Kasse gegriffen haben, sagte Rouven Spieler, stellvertretender Pressesprecher der Gießener Staatsanwaltschaft am Dienstag gegenüber dieser Zeitung.

 

»Höhere fünfstellige Summe«

Zwischen September 2010 und August 2015 hat der 72-Jährige aus Sicht der Ermittler 44-mal Geld der Buchhandlung für sich abgezweigt. Es handelt sich um eine »höhere fünfstellige Summe«, berichtete ein weiterer Sprecher der Staatsanwaltschaft. Er geht von 50 000 bis 100 000 Euro aus. Mit diesem Geld habe der Angeklagte »andere Verbindlichkeiten getilgt«. Trotz der Vielzahl der Fälle nehmen die Ermittler aber keine Gewerbsmäßigkeit an.

Außerdem hat Schormann zur Überzeugung der Staatsanwaltschaft in dem genannten Zeitraum auch sechsmal für Angestellte der Buchhandlung keine Abgaben zur Sozialversicherung entrichtet. Hier soll es sich um eine Summe von 1200 Euro handeln.

Der Beschuldigte bestreitet die Vorwürfe. Zwar wollte er am Dienstag mit Verweis auf das laufende Verfahren keine Stellungnahme abgeben, kündigte aber an, beim Prozess vor einem Schöffengericht des Gießener Amtsgerichts Angaben zu machen. »Ich werde natürlich aussagen.« Als Verteidiger hat der Staufenberger Rechtsanwalt Marcel Maassen benannt. Für den Prozess ist bislang nur ein Verhandlungstag vorgesehen.

 

Chef der »Ferber’schen«

Über Jahrzehnte war Schormann als Chef der »Ferber’schen« einer der wichtigsten Protagonisten des Gießener Einzelhandels. Die Geschäftsführung der Buchhandlung hatte er 1969 übernommen, 1975 wurde er Inhaber des traditionsreichen Unternehmens im Seltersweg. In dieser Funktion schaltete er sich auch immer wieder in wichtige Standortdebatten ein, als es zum Beispiel um die Ansiedlung eines Einkaufszentrums in der Gießener Innenstadt ging. Höhepunkt seines beruflichen und gesellschaftlichen Lebens war 2001 die Wahl zum Vorsteher des Börsenvereins; ein Amt, das er 2005 aufgab, nachdem er seine Buchhandlung an die Thalia-Gruppe verkauft hatte. Einem Intermezzo bei Thalia folgte 2009 der Einstieg bei der mittlerweile geschlossenen Universitätsbuchhandlung Holderer.

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