23. Januar 2019, 22:07 Uhr

Schiller-Freund und Comic-Fan

Friedrich Schiller hat nicht nur Dramen und Balladen geschrieben, sondern auch gezeichnet. OHB-Mitglied Prof. Dietrich Grünewald hat eine Bildgeschichte des Dichters in den USA entdeckt.
23. Januar 2019, 22:07 Uhr
Dietrich Grünewald präsentiert die neue, vollständige Edition von Schillers Handzeichnungen, umgeben von bisherigen Bildpublikationen zu Schiller. (Foto: dkl)

Das Phänomen Bildgeschichte hat ihn schon immer interessiert. Seit seiner Pensionierung 2013 kann er sich darauf konzentrieren, forscht, publiziert und hält Vorträge. Durch Internetrecherche gelang Prof. Dietrich Grünewald das Auffinden der Originalzeichnungen zu einer Bildgeschichte von Friedrich Schiller, die als verschollen galten. Sie liegen in einer Sammlung im Archiv der Yale-Universität, New Haven/Connecticut. Nun ist die sorgfältig gestaltete Faksimile-Edition erschienen.

Grünewald strahlt, seine jahrelangen Recherchen haben sich gelohnt. Er kannte die Bilderfolge schon lange, die Friedrich Schiller zum 30. Geburtstag seines Freundes und Gönners Gottfried Körner einst zeichnete. Ende des 18. Jahrhunderts gehörte es zum Bildungskanon, dass jeder sich im Zeichnen übte. Von Goethe ist bekannt, dass er in jungen Jahren überlegte, ob er sich dem Zeichnen oder dem Dichten widmen sollte. Von Schiller ist das weniger bekannt. Und der hat es auch nur im privaten Kreis getan. Dass die 14 Zeichnungen später doch veröffentlicht wurden, mit Zustimmung der Nachfahren, verdankt sich einem Autographen-Sammler, der seine Begeisterung mit anderen teilen wollte.

Szenen aus einer Fünfer-WG

Die Bildgeschichte wurde mehrmals veröffentlicht, allerdings mit Auslassungen und einer grafischen Überarbeitung der Zeichnungen, die den Zeichnungsprozess komplett tilgte. Jetzt sind die Vorzeichnungen mit Bleistift zu erkennen, das Verlaufen der Tinte, Flecken auf dem Papier, als habe man ein Original vor sich. Neu zu entdecken ist dadurch die lockere Strichführung und die freche, teils naive Zeichnung von Schiller.

Dargestellt sind Begebenheiten aus dem Alltag der Wohngemeinschaft in Dresden, in der Schiller als Fünfter aufgenommen worden war. Die WG bestand aus Körner und seiner Frau Minna, deren Schwester Doro und ihrem Verlobten Ferdinand Huber. Die Schwestern kamen aus dem Handwerkerstand, während die Männer aus Gelehrtenkreisen stammten. Das war nach damaligen Maßstäben eine Mesalliance. Und es war ein drängendes Thema für die Jugend dieser Zeit, das Schiller in »Kabale und Liebe« aufgegriffen hatte. Die Begeisterung über das Stück hatte die vier veranlasst mit Schiller Kontakt aufzunehmen.

Auch damals erschloss sich die Bildgeschichte nur mit Erklärungen, die zum einen den Bildungskanon der damaligen Zeit voraussetzen, aber auch das Wissen um persönliche Beziehungen der Beteiligten erläutern. Einen Teil hatte der Freund Huber in handschriftlichen Notizen ergänzt, die nun erstmals abgebildet sind. In seinem Einführungstext schlägt Herausgeber Grünewald einen weiten Bogen, um den gesellschaftlich-politischen sowie bildnerisch-literarischen Kontext zu erläutern. Ein im besten Sinne lehrreiches und unterhaltsames Buch, das Schiller-Freunde und Comic-Fans gleichermaßen faszinieren dürfte.

Friedrich Schiller, Avanturen des neuen Telemachs. Eine Bildgeschichte von 1786, mit einer Einführung von Dietrich Grünewald, deutsch-englisch, Ch. A. Bachmann Verlag, Berlin 2018, 25 Euro, ISBN 978-3-941030-46-6

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