11. November 2016, 18:03 Uhr

Schauspieler Isaak Dentler: Im »Tatort« etabliert

Gießen (fd). Er war einer der Bösen. Nun ist er einer der Guten: Isaak Dentler, der über Jahre am Stadttheater Gießen auf der Bühne stand, hat sich im »Tatort« etabliert. Zum Krimi-Jubiläum, dem 1000. Fall am Sonntag, spricht er im Interview über seine Wurzeln, seine Verbundenheit zu Gießen und die »Kommissariatsratte« Jonas.
11. November 2016, 18:03 Uhr
Im Frankfurter »Tatort« hat sich Isaak Dentler (M.) als Assistent der Ermittler etabliert. Seine Rolle, Polizist Jonas, wird immer wichtiger im Team. (Foto: HR/Bettina Müller)

Welche Rolle spielte der »Tatort« in Ihrer Familie, als Sie noch ein Kind waren?

Isaak Dentler: Ich komme aus einer Schauspielerfamilie und stand selbst schon früh auf der Bühne. Meine Eltern haben 1984 ein kleines Theater gegründet. Entsprechend war der Sonntagabend meistens verplant: Wir waren also nicht die typische Familie, die um 20.15 Uhr gemeinsam vor dem Fernseher sitzt. Trotzdem war der »Tatort« auch bei uns ein Thema. Vor allem von Götz George als Horst Schimanski hab ich als Kind immer wieder etwas gehört.

Sie haben im »Tatort« inzwischen ganz unterschiedliche Rollen gespielt. Können Sie sich an die erste erinnern?

Dentler: Ja, das war in Stuttgart. Ich bin ganz klassisch dazugekommen: Regisseur Till Endemann hat Darsteller gesucht, ein spezielles Ensemble, es gibt da diverse Plattformen. Es ging damals um linke Hausbesetzer, ich war einer von ihnen. Wir haben Supermärkte überfallen, ich wurde sogar festgenommen und verhört.

Nun sind Sie als Assistent Teil des Frankfurter Ermittlerteams. Inwiefern passt der »Tatort« in die Stadt?

Dentler: Frankfurt ist die perfekte Stadt für den »Tatort«, weil ganz unterschiedliche Bevölkerungsschichten dicht aufeinanderleben. Das ist eine spannende Gemengelage, bietet viel Stoff für Geschichten. Und Frankfurt ist eine reale Stadt. In anderen Städten – ich habe auch mal in Berlin gelebt – kann man relativ lange in Luftschlössern leben. Frankfurt ist echt.

Waren Sie von Beginn an als feste Rolle eingeplant?

Dentler: Ein Assistent war eingeplant, inwiefern aber direkt klar war, dass er immer wieder auftauchen würde, kann ich nicht sagen. Die Figuren müssen sich, wenn ein Ermittlerteam neu geschaffen wird, erst einmal finden. Es ist schön, wenn sich Figuren kennenlernen dürfen. Eigentlich war und bin ich eine Art Kommissariatsratte (lacht). Allerdings durfte ich dann auch recht schnell auch mal zum tatsächlichen Ort des Geschehens. Das erste Mal in »Die Geschichte vom bösen Friederich« mit Nicholas Ofczarek. Nun sind sechs Filme abgedreht, meine Rolle hat sich insofern etabliert, als dass sie stets einen Hinweis findet, der den Fall weiterbringt.

Was macht den »Tatort« des Hessischen Rundfunk zu etwas besonderem?

Dentler: Es werden sowohl in Wiesbaden als auch in Frankfurt großartige Regisseure zusammengebracht. Die Auswahl der Drehbücher und die Entstehung scheint mir beim HR ein besonderer Prozess zu sein. Bei uns kommt noch dazu, dass wir alle vom Theater kommen. Das ist wahnsinnig toll. Man kennt die selben Leute, hat direkt einen gemeinsamen Nenner.

Sie haben fünf Jahre am Stadttheater Gießen gearbeitet. An was erinnern Sie sich noch?

Dentler: An vieles. Ich wollte, als ich nach fünf Jahren ans Schauspiel Frankfurt gewechselt bin, eigentlich nicht wegziehen aus Gießen. Ich wollte pendeln. Das ging nicht so recht, aber es zeigt, wie wohl ich mich gefühlt habe. In der Stadt findet alles in einer etwas größeren Ruhe statt. Wir haben in der Liebigstraße gelebt. Vor allem erinnere ich mich an das Krankenhaus ganz um die Ecke unserer damaligen Wohnung: Hier wurde meine jüngste Tochter geboren. Auch meine Frau, die ja ebenfalls Schauspielerin ist, habe ich am Stadttheater Gießen kennengelernt. Mit Intendantin Cathérine Miville stehe ich noch heute immer mal wieder in Kontakt, schaue mir hin und wieder sogar eine Vorstellung an. Jedem mit einem Bezug zur Stadt schwärme ich noch heute vor, wie gut es sich in Gießen leben lässt. Auf das ganz große Verständnis treffe ich damit allerdings nicht so häufig (lacht).

Bleiben Sie in Frankfurt, obwohl ihr Intendant am Schauspiel, Oliver Reese, nach Berlin geht?

Dentler: Wir hatten eine große Familien-Diskussion, wo wir leben wollen. Es gibt ja für Schauspieler stets das Damoklesschwert des Umzugs. Aber wir fühlen uns sehr wohl, wir bleiben Frankfurt treu.

Zurück zum Thema: Inwiefern lastet Sie Ihre Rolle beim »Tatort« aus?

Dentler: Davon kann keine Rede sein. Ich weiß den Drehzeitraum, auch vom nächsten Jahr bereits, und versuche, mich in dieser Zeit nicht vollzuschaufeln mit Terminen. Es muss immer mal jemand weg vom Set, weil wir alle eben auch unsere Theaterengagements haben. Ausgelastet wäre ich mit dem »Tatort« noch nicht.

Bedeutet eine Rolle im »Tatort« einen großen Schub für die Karriere?

Dentler: So richtig messen kann ich das nicht, aber es schauen rund zehn Millionen Leute zu, wenn ein Film ausgestrahlt wird. Da wird man auch in kleineren Rollen gesehen. Zudem schaut der HR, dass die Filme auf Filmfesten vertreten sind. Ich stehe dann plötzlich bei einer Premiere auf einem roten Teppich. Darauf hatte ich es nie angelegt. Die Plattform »Tatort« ist nicht zu unterschätzen. Jetzt zum Beispiel wurde ich gerade, nun ja, ausgeliehen (lacht).

Ausgeliehen?

Dentler: Ja, ich spiele im »Tatort« mit Lena Odenthal in Ludwigshafen mit. Da allerdings in einer ganz anderen Rolle: In Stuttgart war ich einer der Bösen. In Frankfurt bin ich einer der Guten. In Ludwigshafen werde ich quasi parteienlos sein.

Das klingt alles sehr spannend. War Gießen eine Durchgangsstation für Sie?

Dentler: Als solche habe ich die Stadt damals zumindest nicht gesehen. Ich habe in Gießen mein erstes Engagement angetreten, hatte eine sehr gute Zeit am Stadttheater. Beim Vorsprechen habe ich die Intendantin vor allem gefragt, ob sie eine Drehbühne haben. Das war etwas Besonderes für mich, schon von Kindestagen. Nachdem das klar war, wollte ich unbedingt ans Stadttheater (lacht). Im Nachhinein war Gießen aber natürlich ein Sprungbrett.

Als Kind standen Sie oft auf der Bühne, wenn der »Tatort« gezeigt wurde. Das ist noch immer so. Ist er also auch heute kein ganz großes Thema für Sie?

Dentler: Ja, Sonntagabend bin ich weiterhin meistens gut beschäftigt. Aber der »Tatort« interessiert mich selbstverständlich. Schon allein, weil ich sehen will, was die anderen machen. Auch ein bisschen natürlich, um sich selbst absetzen zu können. Es gibt ja heute zum Glück die Mediathek: Man ist auf Sonntag, 20.15 Uhr, nicht mehr angewiesen.

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