09. September 2018, 19:23 Uhr

Rendezvous mit Kandidaten

09. September 2018, 19:23 Uhr
Mittendrin statt nur frontal: SPD-Kandidat Frank-Tilo Becher (2.v.r.) spricht mit Wählern zum Thema »Zukunft der Mobilität«. (Foto: csk)

Vielleicht wird ja ein Abendessen draus. Oder eben ein Sitz im Landtag. Jetzt drängt auf jeden Fall erst einmal die Zeit. 15 Minuten hat Matthias Riedl (Die Linke), um acht Wähler von den Plänen seiner Partei zu »Vergabegesetz, Tariftreue und Gute Arbeit« zu überzeugen. Er versucht es, indem er den Gesetzentwurf erläutert, den sie vor einem halben Jahr im Parlament eingebracht hat. Und er nutzt dabei die Eigenheit des Formats am Samstag im Bürgerhaus Kleinlinden: Gewünscht ist ein Austausch auf Augenhöhe, der schnell auf den Punkt führt – und dann direkt weiter zum nächsten Tisch.

Neben Katrin Schleenbecker (Grüne), Frank-Tilo Becher (SPD) und Manuela Giorgis (FDP) ist Riedl einer von vier Direktkandidaten für die Landtagswahl, die sich dem »Politiker-Speed-Dating« des DGB stellen. Die CDU ist wegen ihres zeitgleich stattfindenden Landesparteitags nicht vertreten. Eine weitere Partei wurde indes gar nicht eingeladen, wie DGB-Regionalgeschäftsführer Matthias Körner erzählt: »Die AfD sehen wir nicht als Gesprächspartner der Gewerkschaften, sondern als ihren Gegner.«

Einer der insgesamt fünf »Thementische« hat also jeweils Pause. An den anderen vier wird für 15 Minuten munter gestritten. Die Gruppe »Mobilität« fühlt zunächst der Grünen-Kandidatin auf den Zahn. »Ihre Partei sagt immer nur, wir müssen weg vom Verbrennungsmotor«, klagt der Betriebsratsvorsitzende eines hessischen Automobilzulieferers. »Das ist Populismus von der anderen Seite.« Katrin Schleenbecker antwortet, dass »qualifizierte Arbeit auch in Zukunft immer gebraucht« werde, und versichert, bei allem Einsatz für Elektromobilität seien sich die Grünen der Bedeutung der klassischen Automobilindustrie bewusst.

75 intensive Minuten

Eine Viertelstunde später plädiert Manuela Giorgis für ein »ganzheitliches Konzept«, in dem »Benziner und Diesel ihren Platz haben«. Frank-Tilo Becher diskutiert hingegen gerade über das hessische Vergabegesetz. In der Entsorgungswirtschaft würden gesetzliche Vorgaben zu Tariftreue und Sozialstandards besonders häufig missachtet, berichtet ihm ein Mann und fordert: »Kein öffentliches Geld ohne soziale und tarifliche Rahmenbedingungen!«. Becher hört zu, macht sich Notizen und stimmt im Prinzip zu. Nicht zuletzt für diese Fragen werde eine SPD-Regierung ein »Zukunftsbündnis Wirtschaft Hessen« auflegen, verspricht er.

So entwickeln sich 75 intensive Minuten, in denen an jedem Tisch stets auch andere Politikfelder präsent sind. Um bei der »Mobilität« voranzukommen, müsse man zum Beispiel die Infrastruktur im ländlichen Raum verbessern und ein neues Kita-Gesetz verabschieden, erklärt Becher. Die Zukunft der Pflege hängt auch mit der Ausbildung von Fachkräften und tariflichen Regelungen zusammen. Und versteht man den »Umgang mit der extremen Rechten« im präventiven Sinne, dann spielen dort diverse andere Themen hinein.

Am Ende sind alle Teilnehmer erschöpft – und zufrieden. Riedl lobt das Format, Giorgis die Diskutanten: »Ihr seid ganz schön kritisch – und das finde ich richtig toll.« Und Becher zeigt sich beeindruckt von der »Fachlichkeit an den Tischen«, an denen er »Positionen formulieren und dann gucken konnte, ob sie standhalten«.

Wie viele Wähler hier politisch ihre große Liebe gefunden haben, bleibt unklar. Ganz so wie im echten Leben sei das erste Date allerdings gedacht, um »Kontakt herzustellen, den man hinterher vertieft«, hatte Körner eingangs betont. In diesem Sinne verabschiedet er Teilnehmer und Kandidaten schließlich auch: »Man darf sich gerne erneut zum Abendessen verabreden.«

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