22. Juni 2018, 22:10 Uhr

Reine Männersache

Die CDU hat als letzte Partei am Wochenende die Liste der Kandidaten für die Landtagswahl im Oktober verabschiedet. Die beiden Gießener Wahlkreise werden vier oder fünf Abgeordnete nach Wiesbaden entsenden. Eines steht schon fest: Es werden nur Männer sein.
22. Juni 2018, 22:10 Uhr
Viele Kandidaten wollen in den Hessischen Landtag nach Wiesbaden, aber Plätze gibt es nur für 110 von ihnen. (Foto: dpa)

Nichts getwittert, auch auf einen Post bei Facebook hat Klaus Peter Möller verzichtet. Dabei hat der Gießener CDU-Chef ein erfolgreiches Wochenende hinter sich. Denn sein Platz 28 auf der Liste der CDU zur Landtagswahl, die am vergangenen Samstag in Wiesbaden gewählt wurde, scheint mit Blick auf den Urnengang am 28. Oktober trotz mäßiger Umfragewerte für die Hessen-CDU sicher zu sein. Aber der Schein trügt, sagt der Landtagsabgeordnete selbst. Der Platz sei fraglos ein Erfolg für ihn, aber da die Union die Masse der Wahlkreise wohl gewinnen wird, wird die Liste »kaum ziehen«. Sicher sei nur das Direktmandat.

SPD hofft auf Direktmandat

Das gilt auch für SPD-Seiteneinsteiger Frank-Tilo Becher. Auf Platz 33 wurde der Noch-Dekan der evangelischen Kirche in Gießen vor zwei Wochen beim Landesparteitag gewählt. Ein Einzug über die Landesliste ist angesichts von Umfragewerten für die SPD, die sich zuletzt bei nur noch 22 Prozent bewegten, unwahrscheinlich. Bei den Sozialdemokraten herrscht aber Zuversicht, dass Becher Gerhard Merz, der das Direktmandat im Wahlkreis Gießen I (18) dreimal in Folge gewann, beerben wird. Sogar bei der Wahl 2009 nach dem Wortbruch von Andrea Ypsilanti, als die SPD abstürzte, konnte Merz den Wahlkreis gegen Möller verteidigen. Bei der Wahl vor fünf Jahren indes rettete der Genosse das Direktmandat nur mit einem knappen Vorsprung vor Möller ins Ziel.

Dagegen herrschen im Wahlkreis Gießen II (19) klare Verhältnisse. Mit Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) und SPD-Chef Thorsten Schäfer-Gümbel (Lich) streiten sich die beiden Spitzenkandidaten um das Wahlkreismandat. Bislang ging es stets an den Gießener Bouffier. Aus dem Wahlkreis 19 wird zudem ein Neuling sicher im nächsten Landtag vertreten sein. Die Rede ist vom AfD-Kreistagsabgeordneten Nikolaus Pethö, der auf Platz vier der Landesliste rangiert. Dem Polizeibeamten aus Lich würde auch ein Ergebnis von fünf Prozent reichen, momentan liegt die AfD in den Umfragen deutlich über zehn Prozent. Das macht es sehr wahrscheinlich, dass mit dem Gießener Stadtverordneten Arno Enners (Listenplatz 8), der im Wahlkreis 18 kandidiert, ein zweiter AfD-Mann in den Landtag kommt.

Dagegen werden die Gießener Grünen, die FDP und die Linke wohl in beiden Wahlkreisen leer ausgehen und keine Landtagsmandate ergattern. Bei den Grünen bräuchte die Heuchelheimerin Katrin Schleenbecker (Wahlkreis 18) angesichts von Listenplatz 21 schon ein Baden-Württemberg-Ergebnis, um einzuziehen; Christian Zuckermann (WK 19/Listenplatz 60) hatte von vornherein keine Ambitionen.

Bei FDP endet Ära Greilich

Bei der FDP endet mit dem Rückzug des Landtagsabgeordneten Wolfgang Greilich (WK 18) eine Ära. Manuela Giorgis (WK 18) und Prof. Klaus Doll (WK 19) sind angesichts der Listenplätze 23 und 29 chancenlos. Das gilt auch für Matthias Riedl (WK 19) bei den Linken. Der Vorsitzende der Gießener Stadtverordnetenfraktion nimmt zwar den respektablen Platz 16 auf der Landesliste ein, aber reichen wird der mit Sicherheit nicht. Im Wahlkreis 18 kandidiert der Gießener Stadtrat Francesco Arman, der nicht auf der Landesliste steht.

Fazit und Prognose rund vier Monate vor der Wahl: Mit Bouffier, Schäfer-Gümbel, Möller oder Becher sowie Pethö werden vier Gießener Kandidaten ganz sicher im nächsten Landtag vertreten sein, wahrscheinlich ist auch ein Einzug von Enners. Fünf Männer, aber keine Frau.

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