09. September 2018, 09:00 Uhr

Kleinlinden

Raue Schale, feiner Kerl

Nach 19 Jahren im Freibad Kleinlinden geht Schwimmmeister Heinrich Link in den Ruhestand – und wird überrascht.
09. September 2018, 09:00 Uhr
Schwimmmeister Heinrich Link (links) wird von mehreren treuen Stammgästen des Kleinlindener Freibades mit Geschenken in den Ruhestand verabschiedet. (Foto: jri)

»Das ist ja der Wahnsinn, ich bin ganz gerührt.« Völlig überrascht nimmt Schwimmmeister Heinrich Link in seiner letzten Arbeitswoche im Kleinlindener Freibad einen Korb mit mehreren Sorten Hausmacher Wurst sowie ein Geldgeschenk entgegen. Überbringer dieser Gaben sind mehrere Familien aus Kleinlinden, die regelmäßig ins Freibad gehen, die »ihren« Heinrich schon lange als Bademeister kennen und ihn jetzt – nach 19 Jahren als Schwimmmeister in Kleinlinden – in den Ruhestand verabschieden. »Danke für die schöne Zeit und für die schönen Jahre«, sagt Gabriele Werner zu Heinrich Link, als sie dem 65-Jährigen die Geschenke übergibt.

Die an der Überraschungs-Aktion beteiligten Familien kommen in den Sommermonaten fast täglich ins Kleinlindener Freibad. Sie sind in einer Whatts-App-Gruppe vereint, die den Namen »Sommer-Domizil« trägt, weil das Freibad in der warmen Jahreszeit ihr zweites Zuhause ist. »Wir sind mit Heinrich immer gut klargekommen und werden ihn als Schwimmmeister sehr vermissen. Er hat zwar manchmal eine raue Schale, ist aber insgesamt ein sehr feiner Kerl«, meinen Jeanette Lubbadeh und Manuela Drexler-Krklec. Drexler-Krklec hatte die Idee zu dem Abschieds-Geschenk.

Der angehende Ruheständler Link gibt das Kompliment artig zurück: »Zu meinem Stammgästen habe ich immer ein inniges und gutes Verhältnis gehabt.« Natürlich habe er auch mal übermütige Jugendliche in die Schranken weisen müssen, wenn diese andere Badegäste störten oder ein bisschen zu heftig rund um das Ein-Meter-Brett herumtobten. Aber insgesamt sei es eine schöne Zeit gewesen. Link hatte bei den Stadtwerken im Jahr 1991 zunächst als Bedienaufsicht begonnen, und sich dann 1995 zum Fachangestellten für Bäderbetriebe sowie 1999 zum Geprüften Schwimmmeister weitergebildet. Seitdem war das Kleinlindener Freibad in den Sommermonaten sein Arbeitsplatz, während er in der restlichen Jahreszeit im Westbad die Aufsicht führte. In Kleinlinden teilte er sich den Job zuletzt mit seinem Kollegen Norbert Müllenbrock.

Das Linneser Freibad hat zwar schon seit Anfang September geschlossen, doch derzeit machen Link und Müllenbrock die Anlage noch winterfest. Sie warten die Technik, montieren die Duschen auseinander, lassen das Wasser aus den Leitungen abfließen, bauen Sitzbänke ab und lagern sie in der Garage ein. Anschließend wird Link – der glühender Fan der Gießen 46ers ist – noch rund vier Wochen im Westbad arbeiten, bevor er Mitte Oktober in den verdienten Ruhestand geht. Dann will er sich verstärkt seinen Hobbys Radfahren, Tennis und Golfspielen widmen und mit seiner Ehefrau Rosemarie Tanzkurse besuchen.

Doch ins Kleinlindener Freibad wird Heinrich Link, der in Alten-Buseck wohnt, im nächsten Sommer auf jeden Fall zurückkehren – dann aber als ganz normaler Badegast. Ein bisschen vermissen wird er »seine« Kleinlindener Familien nämlich schon. Genauso wie die Eiskugeln vom Eiswagen Silano, die sich Link regelmäßig gönnte, wenn die mobile Eisdiele vor dem Freibad Kleinlinden Station machte.

Übrigens: Unangenehmen Chlorgeruch in der Nase nimmt Link nicht mit in den Ruhestand: »Wenn die Wasserqualität stimmt, riecht es nicht nach Chlor. Und die Wasserqualität hat in Kleinlinden eigentlich immer gestimmt«, sagt Heinrich Link.

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