07. Juli 2011, 14:25 Uhr

Rassismus in Gießen: »Wir stehen heute nicht auf Braun«

Es sind sehr bürgerliche, 18- und 19-jährige junge Leute, die am Mittwoch letzter Woche die Admiral Music Lounge im Oberlachweg besuchen wollen. Alle fünf sind gut gekleidet, niemand ist betrunken. Vier dürfen rein, einer nicht. »Wir stehen heute nicht auf Braun«, sagt der Türsteher. Damit ist der Abend gelaufen.
07. Juli 2011, 14:25 Uhr
Die Admiral Music Lounge im Oberlachweg. (Fotos: Schepp)

Einen Tag später, vor dem Alpenmax im Schiffenberger Weg. Fast die gleichen Leute, diesmal kommt die Gruppe zu viert. Drei dürfen rein, einer muss seinen Pass vorlegen. Der Türsteher fragt Daten ab, wie ein Herrenmensch. Dass die jungen Männer und Frauen miteinander befreundet sind, reicht ihm nicht. Als ein Mädchen beim zweiten Vornamen ihres Begleiters passen muss, ist das Thema erledigt. »Der bleibt draußen«, entscheidet der Wächter. Er meint den gleichen 19-Jährigen, der schon am Vortrag durch die Gesichtskontrolle gefallen ist.

In der Redaktion meldet sich der Vater eines der Mädels. Er ist wütend, empört. Er schämt sich, »dass «so etwas» in Deutschland möglich ist«. Die Tochter sei im vergangenen Jahr als Austauschschülerin in den USA gewesen und dort herzlich aufgenommen worden. Nirgendwo habe man sie abgewiesen. Bei den beiden jungen Männern, mit denen sie jetzt in Gießen unterwegs ist, handelt es sich um zwei US-Bürger, die sie damals kennengelernt hat. Der eine hat mexikanische Wurzeln. Bei ihm sah der Gießener Türsteher braun.

Was sagen die Besitzer der beiden Lokale? Sie bedauern den Vorfall. Es gebe klare Anweisungen, keine Betrunkenen hereinzulassen. Auch wer pöbele, werde abgewiesen. Außerdem müsse die Kleidung stimmen. Aber allein die Hautfarbe? »Das kann eigentlich nicht sein«, heißt es im Alpenmax. Eigentlich.

Der Inhaber der Admiral Music Lounge ist richtig empört. Es selbst sei türkischer Herkunft, habe »demütigende Kontrollen« in Discotheken am eigenen Leibe erlebt. Es sei völlig klar, dass keiner seiner Türsteher einen Besucher nach dessen Nationalität beurteilen dürfe. »Wer dagegen auch nur einmal verstößt, fliegt raus. Ohne Vorwarnung«. Er bietet den beiden Amerikanern und seinen deutschen Freunden freien Eintritt und seine Handynummer an. Wenn es wieder Probleme gebe, könnten die ihn anrufen.

Die kleine Gruppe hat das Angebot dankend abgelehnt. Sie besucht jetzt Lokale, in denen niemand die Luft anhalten muss, wenn er einen Türsteher sieht. (si)

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