12. April 2011, 18:45 Uhr

Prof. Hamm leitet Uni-Kardiologie

Gießen (if). Eigentlich hätte man ihn am Freitag im Flieger auf dem Rückflug von New Orleans erwartet. Statt dessen konnte man ihm zwischen der alten »Medizinischen Klinik« und dem Kliniksneubau begegnen, wo er sich um den Umzug der Kardiologie-Abteilung kümmerte: Prof. Christian W. Hamm hatte erstmals seit zwei Jahrzehnten auf die Teilnahme beim Kongress der amerikanischen Herzspezialisten verzichtet. »Die Verlegung der Patienten hat reibungslos geklappt«, berichtete er, »und auch zwei Katheterlabors sind schon wieder im Betrieb.«
12. April 2011, 18:45 Uhr
Christian Hamm

Kurz danach stellten der Dekan des Fachbereichs Medizin der Justus-Liebig-Universität, Prof. Trinad Chakraborty, und Prof. Werner Seeger, Ärztlicher Geschäftsführer des Universitätsklinikums, zusammen mit dem Kaufmännische Geschäftsführer des UKGM am Standort Gießen, Dr. Christian Höftberger, Hamm offiziell vor.

Zum 1. dieses Monats hat er nach dem offiziellen Ausscheiden von Prof. Harald Tillmanns die zwei Jahre lang verwaiste Professur für Innere Medizin mit Schwerpunkt Kardiologie sowie die Leitung der Medizinischen Klinik und Poliklinik I am Universitätsklinikum Gießen und Marburg - Standort Gießen - zunächst kommissarisch- übernommen. Aus Hamburg berufen, war Hamm 1999 mit der Leitung der Abteilung Kardiologie der Kerckhoff-Klinik in Bad Nauheim betraut und später zu deren Direktor berufen worden. Diese Funktionen wird er neben seiner neuen Tätigkeit in Gießen weiter behalten.

Ganz entscheidend für seinen Entschluss, diese »tolle Aufgabe« zu übernehmen, so unterstrich Hamm, sind die sich durch diese personelle Vernetzung eröffnenden Perspektiven: Es ist vom Entstehen eines universitären Kompetenzzentrums auszugehen, wie es in der deutschen Kardiologie in puncto Größe, Leistungsdichte und gebündelter klinischer und wissenschaftlicher Expertise bisher nicht existiert.

Für die Patientenversorgung halten die Einrichtungen an den beiden Standorten Gießen und Bad Nauheim zusammen 220 Kardiologie-Betten vor. 80 Ärzte - darunter viele bereits Fachärzte für Kardiologie - sind an beiden Standorten tätig. Acht Herzkatheterlabors - darunter drei speziell für Elektrophysiologische Maßnahmen - stehen zur Verfügung. Mit jährlich 2000 solcher namentlich bei Herzrhythmusstörungen angezeigten Eingriffen, rund 10 000 Herzkatheter-Untersuchungen und der Implantation von 2000 Herzschrittmachern und Defibrillatoren werden Leistungszahlen erreicht, die keine deutsche Universitätsklinik vorweisen dürfte. »Patienten müssen nicht mehr an andere Kliniken überwiesen werden. Durch Personalaustausch zwischen beiden Kliniken und apparative Synergien können alle Spezialaufgaben der modernen Kardiologie in hoher Qualität und Quantität abgedeckt werden«, sagte Hamm, der davon überzeugt ist, dass dieses »Kompetenzkonzept« eine Ausstrahlung weit über das Rhein-Main-Gebiet hinweg entwickeln wird. Davon werde auch die Herzchirurgie an beiden Standorten profitieren.

Auch unter dem Aspekt der klinischen Forschung werden Gießen und Bad Nauheim an Bedeutung gewinnen, zeigte sich Dekan Chakraborty überzeugt, der zugleich Harald Tillmanns würdigte. Er erinnerte daran, dass er als erster Lehrstuhlinhaber die Gießener Kardiologie nicht nur aufgebaut, zu hohen Ansehen geführt und ihr großes Renommee verschafft habe, sondern ihr noch nach seinem offiziellen Ausscheiden über weitere zwei Jahr hinweg kommissarisch verbunden blieb.

Hamms wissenschaftlicher Schwerpunkt liegt auf den Gebiet der Durchblutungsstörungen des Herzens und des Myokardinfarktes. Weltweite Anerkennung erlangte er durch die Entdeckung des Troponins als Biomarker bei der frühzeitigen Erkennung des Herzinfarktes. Beim eben zuende gegangenen Kongress der amerikanischen Herzspezialisten - den er des Gießener Umzugs wegen ausließ - stand das Verfahren einer »unblutigen« Herzklappen-Implantation im Mittelpunkt. Die neue Technik ermöglicht es, auch Hochrisiko-Patienten mit einer verkalkten Aortenklappe, die als inoperabel gelten, zu einer »neuen« Herzklappe zu verhelfen.

Hamm hat in der Bad Nauheim Klinik das Verfahren - die »kathetergesteuerte perkutane Herzklappenimplantation« - vor kurzem bereits eingeführt. (Foto: if)

Schlagworte in diesem Artikel

  • Justus-Liebig-Universität Gießen
  • Kardiologie
  • Kerckhoff-Klinik Bad Nauheim
  • Universitätsklinikum Gießen und Marburg
  • Lädt

    Schlagwort zu
    Meine Themen

    Sie haben bereits 15 Themen gewählt

    Sie folgen diesem
    Thema bereits

Klicken Sie auf ein Schlagwort, um es zu „Meine Themen” hinzuzufügen oder weitere Inhalte dazu zu sehen.


0
Kommentare | Kommentieren

Bilder und Videos

Kommentare

Kommentar hinzufügen

Kommentar schreiben - Ihre Meinung zum Thema ist gefragt


Kommentare werden erst nach einer Prüfung durch die Redaktion veröffentlicht. Bitte beachten Sie die Netiquette sowie die Hinweise nach dem Absenden Ihres Beitrags.


Überschrift
Meine Meinung





Sie haben noch kein Login? Jetzt kostenlos registrieren.

Registrieren Sie sich kostenlos um Ihren Kommentar abzuschließen:

Wir garantieren Ihnen, dass alle persönlichen Daten nur beim Verlag intern verwendet werden und nicht ohne Zustimmung an Dritte weitergegeben werden.


Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:
Wieviel ist 5 + 1: 




Sie sind bereits registriert? Zurück zum Login.