Plüschtiger in Teddyklinik erfolgreich operiert

Gießen (cg). Die Teddyklinik der Humanmedizinstudenten machte vor dem Zeughaus Station. Verletzte Kuscheltiere wurden erfolgreich operiert.
04. Juni 2014, 23:08 Uhr
Was ist mit dem Bären los? Teddydoktor Dr. Thomas und der kleine Danino gehen der Ursche für die Beschwerden auf den Grund. (Foto: Schepp)

»Wir zählen zusammen bis fünf, und dann schläft Leo ein.« Los geht es. Die Anästhesistin legt sanft die Narkosemaske auf das Plüschtier, die kleine Tigermama in grünem OP-Kittel drückt ihrem Liebling noch mal kurz die Pfote, und dann sinkt Leo ins Reich der Träume. Nun kann die Chirurgin die gebrochene Hüfte richten. Dank der kompetenten Teddydoktoren wird der Tiger am Mittag schon wieder genesen sein. – Mittlerweile ist die Teddyklinik eine feste Einrichtung in der Stadt. Einmal im Jahr strömen Mädchen und Jungen aus Kindertagesstätten der Stadt und des Kreises auf den Platz vor dem Zeughaus, um ihre verletzten Kuscheltiere behandeln zu lassen. Rund 100 Medizinstudenten der Justus-Liebig-Universität kümmern sich um Miezes Bauchweh, Teddys zerrissenes Ohr oder Bellos gebrochenes Bein.

Wie funktioniert ein Stethoskop?

Ziel ist es, den Kindern spielerisch den Ablauf in einer Arztpraxis oder einer Klinik nahe zu bringen. Ohne dass sie selbst krank sind, können die Kleinen sich mit Stethoskop, Spritzen und Röntgenbildern vertraut machen. »Wir machen das gerne und mit großem Spaß«, sagt Carola Nafz, die im zehnten Semester und in diesem Jahr wohl zum letzten Mal eine der Organisatorinnen ist. Inklusive Vorbereitung in den Kindertagesstätten, Planung der »Therapieabläufe« sowie dem Auf- und Abbau der Behandlungszelte (plus Nachtwache) sei die Aktion sehr aufwendig, aber auf jeden Fall lohnenswert. »Wir kommen auf diese Weise sehr gut an die Kinder heran«, sagt die junge Frau.

Dass Dr. Tini, Dr. Julia, Dr. Martin und all den anderen angehenden Ärzten dieser Tag Spaß macht, ist nicht zu übersehen. Freundlich nehmen sie die Kleinen an die Hand, untersuchen vorsichtig das kranke Kuscheltier, erkundigen sich genau nach den Beschwerden und erklären geduldig, was sie tun. Im ersten Zelt erfolgt die Untersuchung, danach geht es zum Röntgen. An richtigen Bildern erkennen die Kinder, wo ein Bruch sein könnte. »Schau, der Knochen ist nicht in Ordnung«, sagt Dr. Timo. Bei der anschließenden Operation können die Mädchen und Jungen assistieren, und auch beim Anlegen der Verbände sind sie behilflich.

Zum Schluss gibt es Erste-Hilfe-Tipps, ein Rezept und eine Tüte mit Spritzen, Tabletten und einigen Süßigkeiten. Die haben sich die besorgten Kuscheltierbesitzer nach der Aufregung auch redlich verdient. Während die Kinder am Anfang noch schüchtern sind und sich kaum trauen, ihre Namen zu nennen, tauen sie im Laufe der Behandlung sichtlich auf. Emre tätschelt seinem Teddy beruhigend das Beinchen, Maria klettert sogar mit auf den Röntgentisch und Aman schildert lebhaft, wie es dazu kommen konnte, dass sein Teddy von einer Katze attackiert und gebissen wurde.

Doch nicht nur die Kinder werden durch die Teddyklinik gelassener, auch für die künftigen Ärzte ist der Tag eine gute Übung. Der Umgang mit jungen Patienten ist ungewohnt, und es erfordert eine Menge Einfühlungsvermögen, das Vertrauen der Kinder zu gewinnen. »Das klappt am besten, wenn man sie von Station zu Station begleitet«, weiß Carola Nafz.

Mit von der Partie waren auch das Deutsche Rote Kreuz und die Johanniter. Sie standen mit Rettungswagen bereit, die von den Kindern mit großer Neugier erkundet wurden. Während am Vormittag die Kindertagesstätten zu Besuch in der Teddyklinik waren, kamen am Nachmittag viele Eltern mit ihrem Nachwuchs.

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