10. Februar 2014, 17:53 Uhr

Plädoyer für den Frieden: »War Requiem« in Bonifatiuskirche

In einer aufwendigen Gemeinschaftsproduktion widmet sich das Universitätsorchester unter der Leitung von Stefan Ottersbach dem Werk Benjamin Brittens.
10. Februar 2014, 17:53 Uhr
Großes Aufgebot: Die Chöre vereint mit dem Universitätsorchester unter der Leitung von Stefan Ottersbach in der Bonifatiuskirche. (Foto: Schepp)

Das Universitätsorchester unter Leitung von Stefan Ottersbach scheut nicht vor ambitionierten Projekten zurück, dies hatte es in den vergangenen Jahren mehrfach untermauert. In einer Gemeinschaftsproduktion mit der Petruskantorei, der Kantorei und dem Kinderchor der Johanneskirche sowie dem Chor der Katholischen Hochschulgemeinde widmete sich das Orchester in Erinnerung an den Ausbruch der beiden Weltkriege vor 75 beziehungsweise 100 Jahren am Wochenende in zwei Konzerten Benjamin Brittens »War Requiem« op. 66. Den passenden sakralen Rahmen bildete die weitläufige Bonifatiuskirche, die die Nah- und Fernwirkungen zwischen den vorn platzierten Tenor Michael Connaire und Bariton Gregor Finke einerseits, der im Hintergrund beim Chor positionierten Sopranistin Sybille Plocher andererseits plastisch zur Geltung brachte.

Die Komposition bildet eine recht spezielle Verbindung lateinischer Texte aus der römisch-katholischen Totenmesse mit englischen Gedichten von Wilfred Owen, eine »kaum kategorisierbare Mischform aus Messe, Oratorium, Kantate und Liederzyklus«, wie es Roman Hinke in seinem Werkkommentar auf den Punkt bringt. Dabei geben der Musik gerade Owens Antikriegslieder eine persönliche Note. Im Ganzen entsteht – dies führt Hinke weiter aus – eine eigentümliche Diskrepanz zwischen feierlicher Totenmesse und gegenwartsbezogener, wachrüttelnder Lieddichtung.

Der düstere Eingangschor im »Requiem aeternam« mit Totenglocken erfüllte den Saal von Beginn an mit bedrückender Stimmung. Überaus intensiv gelangen Chor und Orchester dramatische Steigerungen. Die politisch motivierte Komposition entwickelte starke Faszinationskraft, so etwa bei der »Hymne für die verlorene Jugend«, die Tenor Connaire sehr eindringlich sang. Klangmächtig unterstrichen Blechbläser und Schlagwerk im »Dies irae« die bedrohliche, angsteinflößende Atmosphäre.

Demgegenüber entlockte Bariton Finke der besinnlich-ruhigen Passage »Bugles sang, saddening the evening air« poetische Zwischentöne. Insgesamt orientiert sich Britten deutlich an der musikalischen Tradition, setzt nur moderat moderne Elemente ein, spitzt dadurch Schroffheiten zu. So ging etwa vom sarkastischen Duo für Tenor und Bariton »The next war« große Nachdrücklichkeit aus.

Universitätsmusikdirektor Ottersbach arbeitete die Spannungsbögen mit feinem Gespür heraus und achtete auf fließende Übergänge, zudem auf gute Durchhörbarkeit der komplexen Struktur. Da zeigte sich die ausgeklügelte Instrumentation in ihrer ganzen farblichen Bandbreite und blieb die klangliche Balance zwischen Chor, Solisten und Orchestergruppen stets ausgewogen. Vorzüglich harmonierte Sopranistin Plocher in den Soli mit dem Chor. Der Kinderchor gefiel im Offertorium mit klarer Gestaltung. In diesem Teil taten sich heftige Kontraste auf zwischen friedvollen und vehementen Momenten, bei denen Chor und Orchester über reichlich dynamische Reserven verfügten.

Bei allem kompromisslosen Einsatz der Musiker traten indes auch Schwächen des »War Requiems« in Erscheinung: Das 1961 entstandene, eineinhalbstündige Werk weist einige Längen auf, mutet zudem stilistisch zuweilen regressiv an, bleibt im Ausdrucksspektrum hinter fortschrittlicheren Kompositionen zurück. Gleichwohl gebührt den Ausführenden Lob für ihre beseelte Interpretation, die Differenziertheit, mit der sie das Plädoyer für den Frieden herüberbrachten. Beim zweiten Konzert am Sonntag spendeten die Hörer lang anhaltenden Beifall.

Sascha Jouini

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