20. April 2009, 20:02 Uhr

Pionier der Ionentriebwerk-Entwicklung

Gießen (si). Für seine herausragenden Verdienste bei der Entwicklung der Ionentriebwerke, die im Weltraum eingesetzt werden und die in nicht allzuferner Zukunft auch interplanetare Flüge möglich machen sollen, ist der Gießener Physiker Prof. Horst Löb mit dem Bundesverdienstkreuz 1. Klasse des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland ausgezeichnet worden.
20. April 2009, 20:02 Uhr
Prof. Horst Löb (l.) mit Dr. Davar Feili, der als sein Nachfolger die Arbeitsgruppe »Elektrische Triebwerke« leitet. In der Hand hält der 76-Jährige ein »RIT 2,5«, das jüngste und bisher kleinste Ionentriebwerk, an dessen Entwicklung er maßgeblich mitgewirkt hat. (Foto: Schepp)

Gießen (si). Für seine herausragenden Verdienste bei der Entwicklung der Ionentriebwerke, die im Weltraum eingesetzt werden und die in nicht allzuferner Zukunft auch interplanetare Flüge möglich machen sollen, ist der Gießener Physiker Prof. Horst Löb mit dem Bundesverdienstkreuz 1. Klasse des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland ausgezeichnet worden. Die Urkunde hat er bereits erhalten, Wissenschaftsministerin Eva Kühne-Hörmann wird ihm das Verdienstkreuz noch persönlich überreichen. Der äußerst bescheiden auftretende 76-Jährige ist schon seit über elf Jahren pensioniert, arbeitet aber noch fast täglich (»auch am Wochenende«) am I. Physikalischen Institut der Justus-Liebig-Universität, dem er schon seit über 50 Jahren verbunden ist.

Der in Komotau (Sudetenland/Tschechien) geborene Löb kam noch während seiner Schulzeit nach Gießen, wo er sein Abitur (1952) ablegte. Hier begann er dann auch das Physik-Studium, das er mit dem Diplom abschloss (1957). Promotion (1960), Habilitation (1967) und die Berufung zum Professor (1970) folgten. Dass er an der Liebig-Universität - obwohl »nur« auf einer C 3-Professur tätig - bahnbrechende Forschung betrieb und lieber »seinem« Institut und der Gießener Heimat treu blieb, als verlockende Arbeitsangebote anderer Universitäten anzunehmen, sagt viel über den Menschen Löb aus.

Noch als junger Wissenschaftler begann er sich für den Rückstoß von Ionenstrahlen zu interessieren. Eine von ihm begründete und bis zu Pensionierung geleitete Arbeitsgruppe entwickelte zunächst das Ionentriebwerk »RIT-10«. Obwohl Löb und Mitarbeiter schon 1970 einen industriellen Partner fanden (MBB, später DASA), dauerte es bis 1992 zum großen Durchbruch. In diesem Jahr wurde »RIT-10« auf der ESA-Plattform »Eureka« erstmals weltraumgetestet. Seinen spektakulärsten Erfolg feierte das Löb-Projekt 2002, als ein »RIT-10« den ESA-Nachrichtensatelliten »Artemis« rettete, der in einer zu niedrigen Umlaufbahn gestrandet war - ohne diese Hilfe wäre der 700 Millionen Euro teure Satellit unwiderruflich verloren gewesen.

Löb ist schon vielfach ausgezeichnet worden, zuletzt (2005) in Princeton. Sein Fachbereich ehrte hin gestern mit einem Vortrag, den der Leiter der Gruppe Elektrische Antriebe des ESA-Laboratoriums für Antriebstechnik in Noordwijk, Dr. J. Gonzalez del Amo, im Physikalischen Kolloquium hielt.

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