18. August 2008, 22:02 Uhr

Philosophenwald »wie nach Flugzeugabsturz«

Gießen (mö). Eine Woche nach dem Tornado, der am vergangenen Dienstag das Gießener Stadtgebiet von Westen nach Osten durchquert hatte, sind die Aufräumarbeiten noch immer in vollem Gang.
18. August 2008, 22:02 Uhr
Hier standen bis vor einer Woche noch lauter Bäume, die den Blick auf die Hochhäuser am Trieb versperrten. An der Jefferson Street fetzte der Tornado eine ganze Waldecke weg. Im Innern des gesperrten Philosophenwalds sieht’s an vielen Stellen nicht minder dramatisch aus. (Foto: Schepp)

Von den öffentlichen Grünanlagen hat es den altehrwürdigen Philosophenwald am schlimmsten erwischt. »Das sieht aus wie nach einem Flugzeugabsturz«, berichtete der AZ gestern Stadtförster Ernst-Ludwig Krieb. Die Windhose habe zunächst den Südrand des kleinen Waldgebiets entlang der Jefferson Street verheert, sich am Trieb gedreht und sei dann diagonal durch den Wald zur Eichgärtenallee gezogen. Dadurch seien regelrechte Schneisen der Verwüstung entstanden. »Für den Philosophenwald ist das schon schlimm«, sagte Krieb. Der Wald bleibt für Spaziergänger mindestens noch zwei Wochen gesperrt.

Der für die städtischen Liegenschaften zuständige Stadtrat Thomas Rausch warnte gestern eindringlich davor, den Philosophenwald zu betreten. Dort bestehe »die massive Gefahr« von Astbruch. Ein Auto, das am eigentlich gesperrten Rand der Jefferson Street nach dem Tornado abgestellt worden war, sei durch einen herabfallenden Ast stark beschädigt worden, berichtete Rausch. Da reiche »ein Windstoß«. Im Vordergrund steht nach Rauschs Worten das Aufräumen, um Gefahren zu beseitigen. Zweitrangig sei der Verkauf des noch brauchbaren Holzes aus dem eigentlich schon lange nicht mehr bewirtschafteten Waldgebiet.

Für die Öffentlichkeit noch nicht wieder freigegeben worden ist auch der Alte Friedhof sowie der kleine Park unterhalb des Hotels Steinsgarten. »Das ist dort im Moment noch zu gefährlich«, sagte Bürgermeisterin Gerda Weigel-Greilich. Nach der Beseitigung des Windwurfs müssten auf dem Alten Friedhof nämlich auch noch Grabsteine auf ihre Standfestigkeit hin untersucht werden. Friedhofs- und Gartenamt seien auf absehbare Zeit vollauf mit solchen Arbeiten ausgelastet, die der Herstellung der Verkehrssicherheitspflicht dienten, warb die Bürgermeisterin für Verständnis, das normale Pflegearbeiten noch drei bis vier Wochen lang zurückstehen müssen. Wie im Philosophenwald, wo das Liegenschaftsamt von Holzrückern aus Nordhessen unterstützt wird, hätten auch Friedhofs- und Gartenamt auf Fremdfirmen zurückgreifen müssen, um zügig aufräumen zu können.

Rückmeldungen über Schäden auf den anderen Friedhöfen hat Weigel-Greilich nicht. Nach ihren Informationen sollen in ihrem Heimatdorf Allendorf übrigens mehrerer Schafe bei dem Tornado von umfallenden Bäumen erschlagen worden sein.

Stadtförster Krieb erläuterte, dass Sommerstürme insbesondere für die ansonsten recht standsicheren Laubbäume eine große Gefahr darstellten. Der Wind fange sich dann richtig in den großen, vollbelaubten Kronen und setze die Bäume gewaltigen Lasten aus. So seien im Philosophenwald »stabilste Eichen oben einfach auseinandergebrochen«. Entwurzelungen habe es dagegen relativ wenige gegeben.

Zu besichtigen ist das - mindestens für Gießen - außergewöhnliche Wetterereignis übrigens auch in Filmform auf You Tube im Internet. Über 28 000 Surfer haben sich - mit Stand von gestern Mittag - die von Gießener Augenzeugen gefilmten Wolkenbewegungen bereits angeschaut. Auf einem Video ist auch eine Art Windhose zu sehen.

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