Pedro Hafermann: »Ich male wie ein Taucher«

»Wir traten ein in verwunschene Räume und leuchten das Dunkel aus mit den Fingerspitzen.« Nach dem Zitat von Ingeborg Bachmann malt Pedro Hafermann seine Bilder von Frauen, die derzeit im Café de Paris zu sehen sind.
29. Dezember 2011, 17:33 Uhr
»Moonlight drive« von Pedro Hafermann.

Der Gießener hat mit Filzstiften und Textmarker angefangen, aus Gewohnheit ist er dabei geblieben. Hafermann versucht, bei der Entstehung seiner Gemälde nichts zu verändern, sondern sie so zu malen, wie sie im Kopf entstanden sind. »Ich male wie ein Taucher«, berichtet der Künstler über seine Arbeit. Nach seiner Beschreibung soll ein Taucher tauchen wie sein Schatten, der nicht imstande ist, Spuren auf dem Meeresboden zu hinterlassen.

Hafermann, der blaue Farbflecken auf seinem grauen Pullover hat – ein Hinweis darauf, dass er bis zum frühen Morgen gearbeitet hat – deutet auf ein Gemälde in einer Ecke des Cafés. Es zeigt sein Lieblingsbild: Eine nackte junge Frau, die auf dem Boden liegt, umringt von Teddybären und anderen Kuscheltieren. Ihre Augen sind geschlossen. Im Mundwinkel hängt eine Zigarette, deren Rauch den oberen Raum des Bildes völlig ausfüllt. Im Café ist es eng. Sabine Baum, die als Gast im Café zugegen ist, schaltet sich ein. Auch ihre Aufmerksamkeit gilt der Frau auf dem Bild. Hafermann gibt spontan eine Führung, der sich gleich noch zwei Gäste anschließen. Sabine Baum ist überzeugt, eine rauchende Mutter vor sich zu haben, während Katharina Steckenborn im Bild einen verlorenen Kindertraum zu erkennen glaubt.

Hafermanns Bilder wirken trotz der grellen Farben der Textmarker ein wenig morbide. Die Frauen lassen auf ihren Gesichtern und am Körper immer wieder Formationen erkennen, die den Bildern ein einheitliches Erkennungszeichen verleihen. Sommersprossen, gerade gezogene Linien oder Striche, die an die Strukturen einer Landkarte erinnern, ergeben ein unverkennbares Muster, mit dem der Künstler spielt. »Ich hasse es, wenn keine Aussagekraft hinter den Bildern steckt, aber auch, wenn die Anschauung zu deutlich ist«, so Hafermann. Tatsächlich strahlen seine Bilder Kraft sowie Ruhe aus und sind gleichermaßen voller Melancholie, die über die jeweiligen Blicke der dargestellten Frauen zum Ausdruck kommt. Der Künstler gibt offen zu, dass er Frauen als Motiv spannender findet. Für ihn sind sie das Gegenüber, mit dem er sich zwar nicht identifizieren kann, aber dennoch in seiner Gegensätzlichkeit selbst zu erkennen versteht.

Hafermann beschreibt seine Werke als eine Art verwunschene Räume, in die beim Schaffensprozess einen Teil von sich und seinen Gedanken verbannt. Während sich ein Maler oder ein Schriftsteller von seinem Gedanken trennt, wird dieser im Kunstraum zum Bild, zu einem Roman oder zu einer Dichtung. Hafermanns aktueller Gedanke, der Gestalt angenommen hat, ist noch bis Ende Januar im Café de Paris zu sehen. Es sind Bilder, die von einer Suche nach dem eigenen Ich erzählen. Weitere Informationen zum Künstler gibt es auf seiner Homepage www.pedro-hafermann.de dt

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