06. Juli 2012, 21:43 Uhr

Partyreihe »Under the Ground« wird 15

Gießen (fd). Maximilian Schüller hat mit »Under the Ground« und »Under the Bridge« die Gießener Partyszene revolutioniert. In diesem Sommer feiert die Partyreihe ihren 15. Geburtstag.
06. Juli 2012, 21:43 Uhr
»Subkulturell« feiern: Das kann man auch in Gießen. Die Einladungen zu den Brückenpartys gibt es per SMS direkt in die Hosentaschen der Gäste. (Foto: pv)

Quer durch den fettigen China-Imbiss, hinter der Küchentür zwischen den brutzelnden Woks und dem Personal hindurch, über den Hinterhof und hinab in den Keller. Den Bass hört man hier schon dumpf wummern. Nur noch an dem breiten Türsteher vorbei und ab in Londons illegale Partyszene. Aus den Boxen dröhnt der wüste Sound von Prodigy, Christal Method und The Chemical Brothers. Dann stoppt abrupt die Musik, und die Menge flippt völlig aus. Der DJ schreit etwas in den Raum, und die Musik setzt wieder ein. Es ist das Jahr 1995 und Maximilian Schüller, heute in Gießen bekannt als DJ Scumdog, kommt erstmals mit elektronischer Musik in Kontakt. Für das Jurastudium an der renommierten University of London bleibt kaum noch Zeit. Seine Gitarre legt er beiseite und beschließt, selbst Platten aufzulegen. Unsd dann kam »Under the Ground« und »Under the Bridge«.

Den Anfang macht 1997 eine Feier mit 250 Freunden in einem geräumigen Wohnhauskeller unter dem Seltersweg. Daher auch der spätere Name der Partyreihe. »Keine Toiletten, keine Lüftung, viel zu laute Musik und ungekühltes Büchsenbier für eine Mark«, erinnert sich der Gießener heute. Nach einem Jahr tanzen bereits 400 Leute unter dem Seltersweg. Es wird zu eng – und die Hausverwaltung ist von »Under the Ground« im Wohnhauskeller auch nicht unbedingt begeistert.

In den folgenden Jahren macht Maximilian Schüller seine Partyreihe zum Wanderzirkus. In der Südanlage 20, einem damals von Linksautonomen besetzten Haus, gibt man sich zunächst regelmäßig die Ehre. »Das war Gießens Kreuzberg«, sagt Schüller heute und ergänzt: »Das war genau unser Stil: Mitten in der Stadt, dreckig und trotzdem subkulturell ganz vorne.« Der Gießener und seine Freunde drehen dort 1998 an den Plattentellern, die Punks kümmern sich um die Tür – bis der 29. März kommt und während einer Party eine Reizgaskartusche explodiert. Die Ermittlungen der Polizei führen später zur Festnahme eines US-Soldaten.

»Under the Ground« zieht es weiter, etwa in den Ausweg oder ins AK44, man sucht gezielt nach skurrilen Locations wie dem Bonaparte und dem Belle Epoque. »Lokale mit städtischer Kneipenhistorie mit viel dunklem Holz und goldener Samttapete. Das war absolut untypisch für Partys mit elektronischer Musik.« Bei Downtown Records, damals noch ein ganz klassischer Schallplattenladen, arbeitet Maximilian Schüller seinerzeit als DJ – zusammen mit heute teils weltbekannten Kollegen wie Chris Liebing. »So war für die Partys immer der Nachschub an ambitionierten Plattenlegern gewährleistet«, erinnert sich Schüller. Auch der gute Kontakt zum Gießener Elektrolabel Snork Enterprises von Christian Schachta, das heute in ganz Europa angesehen ist, sorgt dafür, dass DJs aus aller Welt wie Cristian Vogel oder Jens Zimmermann bei »Under the Ground« an den Plattentellern drehen. Heute ist die Partyreihe etwa aus dem MuK nicht mehr wegzudenken.

Unter dem Titel »Under the Bridge« feiert man zudem jeden Sommer regelmäßig unter den Autobahnbrücken vor den Toren der Stadt. Die Einladungen zu den spontanen Veranstaltungen werden nur über den internen SMS-Verteiler verschickt. »Auf diese Weise können wir allen Leuten innerhalb von drei Minuten dieselbe Einladung samt Wegbeschreibung zukommen lassen. Und zwar direkt in ihre Hosentasche«, sagt Schüller.

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