10. September 2018, 21:53 Uhr

Organisiertes Gewusel

Die szenische Aufführung von Heiner Goebbels’ »Surrogate Cities« in der Osthalle soll für die Stadt Gießen und das Stadttheater ein einmaliges Ereignis werden. Aktuell wird täglich in der Sporthalle geprobt. Ballettdirektor Tarek Assam hat es dabei auch mit für ihn ungewohnten Akteuren zu tun – fast 300 Schülern der Ostschule.
10. September 2018, 21:53 Uhr
Ostschullehrerin Rebekka Schuldes (r.) ist nicht nur kürzlich Vizeweltmeisterin bei der Aqua-Bike WM in Dänemark geworden. Sie koordiniert auch die Probentermine für fast 300 Ostschüler mit Tanzcompagniechef Tarek Assam (l.) in der Osthalle. (Foto: dkl)

Bereits vor den Schulferien hatten Mitglieder der Tanzcompagnie Gießen begonnen, mit mehr als 250 Schülern der Ostschule gruppenweise zu trainieren. Seit Montag wird nun täglich in der großen Sporthalle geprobt. Choreografen und Breakdancer schmieden die Schüler zu einem Performance-Ensemble der besonderen Art zusammen. Und schon jetzt steht fest: Die Orchestersuite »Surrogate Cities« von Heiner Goebbels wird ein großes Ereignis für Gießen – und das nicht allein von der Menge der Mitwirkenden her gesehen.

»Surrogate Cities« ist eine Komposition von Heiner Goebbels, in der Großstadtgeräusche auf live gespielte Musik treffen. Diesen Part übernimmt das Philharmonische Orchester am Stadttheater unter der Leitung von Martin Spahr, der zugleich Initiator des Projekts ist.

Zu dem szenischen Konzert gehört auch eine tänzerisch-visuelle Umsetzung. Für die gibt es vom Komponisten keine Vorgaben. Sie wird jeweils unterschiedlich interpretiert und umgesetzt. Das Konzept für Gießen hat Ballettdirektor Tarek Assam geschrieben, der auch die choreografische Gesamtleitung übernommen hat.

In Gießen ist für das mit Bundesmitteln geförderte Education-Projekt die Gesamtschule Gießen-Ost Partnerin des Stadttheaters. Auf diese Weise bekommt die Schule im Jahr ihres 50-jährigen Bestehens noch ein weiteres Highlight hinzu. Die fast 300 Akteure kommen aus zehn Klassen der Ostschule, und zwar die kompletten Jahrgangsstufen 7 und 9. Diese studieren unter professioneller Anleitung unterschiedliche Kurzchoreografien ein. Dazu gehört nicht nur Bühnentanz, sondern auch Streetdance und Ballroomdance, berichtet Assam.

Die Kooperation zwischen dem Stadttheater und der Ostschule benötigt unzählige Gespräche und Terminabstimmungen. Aufseiten der Schule hat Rebekka Schuldes diese Aufgabe übernommen. Sie ist Lehrerin für Mathematik und Sport, besitzt außerdem großes Organisationstalent. Das erste, das geklärt werden musste, waren die Probenzeiten. »Der Tagesablauf an einer Schule und am Theater passen ja nicht ohne Weiteres zusammen«, erklärt sie. Man einigte sich auf die Mitte des Tages, was für alle Seiten allerdings eine Kürzung der Mittagspause bedeutet.

Auch führen die Klassenlehrer jeweils Aufsicht, leisten damit Mehrarbeit. Und ihre Unterrichtsstunden in anderen Klassen müssen Ersatzlehrer übernehmen. Auch das will gut vorbereitet sein. »Aber für drei Wochen geht das. Und die letzte Probenwoche fällt eh in die Projekt- und Wanderwoche. Da ist es organisatorisch kein Problem mehr«, erläutert Schuldes. Was für Sportlehrer normal sei, das Gewusel in der Sporthalle eben, werde für die anderen Lehrer zur neuen Erfahrung, so ihre Beobachtung. »Die Kollegen lernen ihre Schüler dadurch von einer anderen Seite kennen. Das wirkt sich positiv aus.«

Auch Schulleiter Dr. Frank Reuber zieht ein positives Fazit: »Für die Schüler ist es eine einmalige Chance daran teilzunehmen.« Der Zusammenhalt im gesamten Jahrgang werde gestärkt und Schule sei ohnehin nicht ausschließlich dazu da, Fachwissen zu vermitteln, sondern auch Sozialkompetenz. Alle Eltern hätten zuvor ihr Einverständnis zur Teilnahme ihrer Kinder gegeben und seien in Elternabenden ausführlich informiert worden. Probentermine seien möglichst mit Sportunterrichtszeiten kombiniert und in die Mittagszeiten verlegt worden.

Es proben jeweils zwei Gruppen parallel, die Osthalle ist dafür durch eine große, mobile Zwischenwand getrennt. Doch gilt die Trennung nicht für den akustischen Bereich. Wenn zu den Musikstücken getanzt wird, dann ist auch der Sound von der anderen Seite zu hören. Abgesehen von allem anderen Drumherum. Aber darum geht es in »Surrogate Cities« ja auch: die vielen Menschen einer Stadt, die neben- und miteinander leben, mit all ihren unterschiedlichen Aktivitäten, die auch typische Geräusche produzieren.

»Die Schüler erleben die Probenarbeit unterschiedlich. Einige sind begeistert, dass sie mitmachen dürfen, und fiebern auf den Termin hin. Andere fragen sich, was sie eigentlich dabei sollen«, sagt Schuldes. Verständlich, denn derzeit erleben sie nur Einzelproben und das Gesamtergebnis mit Bühnenaufbau und Orchester in der Raummitte ist schwer vorstellbar. Aber die Freude am Mitmachen wächst. Da ist sich die leidenschaftliche Lehrerin sicher.

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