08. Januar 2013, 13:13 Uhr

OKB-Ausstellung zu Georg Büchner im KiZ

Es ist die erste große Veranstaltung im Büchner-Jubiläumsjahr 2013 und eine höchst inspirierende dazu. Der Oberhessische Künstlerbund (OKB) präsentiert sich ab 10. Januar mit der Themenausstellung »Liebe! Tod! Revolution! Georg Büchner und kein Ende«, die von Kunsthistorikerin Dr. Jutta Failing kuratiert wurde, im KiZ.
08. Januar 2013, 13:13 Uhr
»Nature morte« von Dieter Hoffmeister: Der Oberhessische Künstlerbund (OKB) präsentiert sich mit der Themenausstellung »Liebe! Tod! Revolution! Georg Büchner und kein Ende« bis 24. März im KiZ.

Sie hat das Thema formuliert, die Werkauswahl getroffen und die Hängung bestimmt. Herausgekommen ist eine stimmige, die Raumsituation im KiZ geschickt nutzende, technisch wie inhaltlich faszinierende Ausstellung. Elf Kunstschaffende haben sich dem Phänomen Büchner auf verschiedene Weise und mit unterschiedlichem Fokus genähert. Zu erleben sind diverse künstlerische Ausdrucksformen: vom traditionellen Aquarell und Gemälde, über Fotografie und Video, Keramik und mehrteiligen Rauminstallationen, bis zu einem fast dokumentarischen Teil und einer facebook-Mitmachaktion.

Die besondere Raumsituation des KiZ (ehemalige Stadtbibliothek) – zwei Ebenen mit freiem Blick nach unten in der Mitte des Raumes – nutzt die Kuratorin als Sinnbild gesellschaftlicher Hierarchie, deren Folgen in Büchners Dramen intensiv bearbeitet werden. Oben sind künstlerische Annäherungen zum Werk Büchners versammelt, also zu seinen Dramen und zur Revolution, aber auch das Nachwirken bis heute mit dem Büchner-Preis; unten sind die Arbeiten zur Person Büchner, seiner Familie und seinem Leben als Naturwissenschaftler, und zu allgemein Themen wie Liebe und Tod zu sehen.

Bis heute fragt sich die Nachwelt, wie ein so junger Mann ein derart faszinierendes und ausgereiftes Werk erschaffen konnte. Und was wäre aus ihm geworden, wenn er nicht so jung gestorben wäre: ein gescheiterter Revoluzzer, ein Politiker, ein Wissenschaftler oder tatsächlich ein Berufsschriftsteller? Alles war in ihm angelegt, noch unbestimmt und auf der Suche nach Ausdruck. Diesen Aspekt hat Werner Braun aufgenommen und eine Porträtserie geschaffen, in der er die Fotos von drei jungen Männern übereinander legte und variierende Ergebnisse zeigt. Er hat die Facebook-Seite »Georg Büchner 2. 0 – Alles klar mit Dir in Gießen?« erstellt, in der er junge Menschen und Neubürger in Gießen zum Mitmachen aufruft, Beiträge daraus sollen im Laufe der dreimonatigen Ausstellung als Zitate auf die Wand darüber aufgebracht werden. (on.fb.me/YpovIU).

Davor aufgebaut ist die Installation von Rose-Marie Koch mit dokumentarischem Bezug; hier hat die Keramikerin einmal abseits ihres künstlerischen Mediums gearbeitet und präsentiert ein Rednerpult, in dem Kladden mit den Reden diverser Büchnerpreisträger und anderes nachzulesen sind.

Den Eingangsbereich dominiert Ria Gerths Rauminstallation zu Revolution und Gewalt. An den Seitenwänden folgen eher beruhigende Bildsequenzen: kleinformatige kristalline Farbstrukturen von Renate Donecker als Ölpastelle und Collagen, die Büchners Heroik in ihrer Zeitlosigkeit erscheinen lassen; mittelformatige Gemälde in Mischtechnik von Marion Fischer, die »als Seelenlandschaften lesbar sind«, so die Kuratorin. Fischer ließ sich von der Erzählung »Lenz« inspieren, auf deren Spuren sie durch die Vogesen wanderte. Und zwei Gemälde von dem 2006 verstorbenen OKB-Mitglied Renate Schüler-Lamert, die sie für die Büchner-Jubiläumsausstellung 1998 schuf.

Auf dem Weg nach unten fällt das (mit Klebstreifen!) auf die Wand aufgebrachte Porträt von Georg Büchner ins Auge. Eine weitere Arbeit von Werner Braun, in der er sich mit der Werbemarke Büchner auseinandersetzt, bei der die Augen zum Signet geworden sind. Erlebbar beim Trepperuntergehen, da das Porträt auf verschiedene Wandzonen aufgebracht ist und auseinander bricht. Daneben ein Videoinstallation von Dieter Hoffmeister, in der er sich wie auch in seinen Großfotografien mit Tod und Natur (Nature morte) auseinandersetzt. Seine andere Arbeit zeigt Tier-Präparate und Fischhäute, die dank der historischen Möbel an eine historische Laborsituation erinnern. Damit nimmt der Künstler Bezug auf Büchners letzte Lebensphase als Privatdozent an der Universität Zürich, wo er über die Zootomie der Fische und Amphibien lehrte.

Dem privaten Büchner haben sich drei Künstlerinnen zu nähern versucht. Angelika Nette versammelt in einer Vitrine ein Nadelbüchlein, einen goldenen Ring mit echtem Haar und den Hessischen Landboten liebevoll in ein Leinentäschchen mit GB-Monogramm gesteckt. Sie lässt damit die Grenzen zwischen historischem Artefakt, Freundschaftskult der Romantik und künstlerischer Auslotung verschwimmen, so Failing. Dazu kommt ein »Gedanken-Meer«, bei dem papierene Kinderschiffchen auf Stäben filigran dahintreiben. Maggie Thieme beschäftigte sich mit seiner starken Bindung an die Familie. Auf eine blauweiße »Tischdecke«, Symbol für das Zentrum einer Familie, hat sie mit rotem Faden gestickt: »Worauf wartest Du noch?« oder anders: Nimm deinen Weg in die Welt. Den Weg nach draußen in die Freiheit der Natur sucht auf andere Weise Dr. Erika Schönbrunn mit ihren flammend orangefarbenen Aquarellen.

Das jüngste OKB-Mitglied ist der Keramiker Berthold-Josef Zavaczki; er versammelt ungewöhnliche Plastiken auf einem Schiffskorpus: merkwürdige anthropomorphe Formen, die Organisches zitieren wie Irrationales vermitteln. Ein bisschen »Narrenschiff«, eine Prise Arche Noah und doch fährt das Boot des Lebens letztlich über den Styx ins Totenreich.

Vernissage ist am Donnerstag, 10. Januar, um 18 Uhr. Die Ausstellung ist bis 24. März zu besichtigen (Dienstag bis Sonntag von 10 bis 18 Uhr, Donnerstag bis 20 Uhr). Ein Informationsblatt mit Statements der Künstler liegt im KiZ aus. Kuratorenführungen sind möglich (Kontakt über www.glueckshaut.de). Dagmar Klein

Schlagworte in diesem Artikel

  • Gemälde
  • Georg Büchner
  • Marion Fischer
  • Lädt

    Schlagwort zu
    Meine Themen

    Sie haben bereits 15 Themen gewählt

    Sie folgen diesem
    Thema bereits

Klicken Sie auf ein Schlagwort, um es zu „Meine Themen” hinzuzufügen oder weitere Inhalte dazu zu sehen.


0
Kommentare | Kommentieren

Bilder und Videos

Kommentare

Kommentar hinzufügen

Kommentar schreiben - Ihre Meinung zum Thema ist gefragt


Kommentare werden erst nach einer Prüfung durch die Redaktion veröffentlicht. Bitte beachten Sie die Netiquette sowie die Hinweise nach dem Absenden Ihres Beitrags.


Überschrift
Meine Meinung





Sie haben noch kein Login? Jetzt kostenlos registrieren.

Registrieren Sie sich kostenlos um Ihren Kommentar abzuschließen:

Wir garantieren Ihnen, dass alle persönlichen Daten nur beim Verlag intern verwendet werden und nicht ohne Zustimmung an Dritte weitergegeben werden.


Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:
Wieviel ist 5 + 1: 




Sie sind bereits registriert? Zurück zum Login.