06. Juni 2018, 14:00 Uhr

»Stadt ohne Meer«

OK Kid-Festival: Das sind die Stars der zweiten Reihe

Neben etablierten Künstlern, wie OK Kid, Trettmann oder Faber stehen im Line-Up des »Stadt ohne Meer«-Festivals zwei kleine Acts, die in Gießen ihre musikalische Heimat haben. Wer sind sie?
06. Juni 2018, 14:00 Uhr
Sless Praismo hat die anderen Musiker, darunter auch Klartexter, im Jugendtreff in der Gießener Weststadt kennengelernt. (Foto: pm)

"Gießen ist so etwas wie mein persönliches Hip-Hop-Mekka«, sagt Klartexter, wenn er an seinen musikalischen Werdegang zurückdenkt. Als Teil der Rap-Crew ZwoHandBreit ist er noch heute bekannt als Urgestein der hessischen Hip-Hop-Szene. Die Gruppe zeichnet sich aus durch einen Sound, der anknüpft an die »Golden Era« genannten 90er-Jahre, geprägt von Boom-Bap-Beats, funkig bis souligen Samples und authentischen Texten.

Klartexter, bürgerlicher Name Kai, fand seine Crewkollegen Anfang der 2000er Jahre im »Holzpalast« genannten Jugendtreff in der Gießener Weststadt. »Ich kam nach dem Abi aus der hessischen Provinz nach Gießen und für mich war es das Größte, hier auf Gleichgesinnte zu treffen, die sich ebenso für Hip-Hop begeisterten.« Einer dieser Gleichgesinnten war Sless Praismo. Johannes, so sein bürgerlicher Name, wuchs in Gießen auf und stieß ebenfalls schnell auf den Jugendtreff in der Paul-Schneider-Straße. »Wir waren einfach ein paar junge Menschen, die sich vollständig mit dieser Subkultur identifiziert haben«, erinnert er sich.

 

Die Jungs vom Jugendtreff

 

Aus ersten musikalischen Gehversuchen entstanden bald erste EPs und Alben. Während Klartexter vor allem mit seiner Crew Musik machte, versuchte sich Sless Praismo, damals noch als DopeJo bekannt, als Solokünstler. Für die Jungs vom Holzpalast damals unverzichtbar: Die vier Elemente des klassischen Hip Hop: Rappen, DJ-ing, Graffiti sprayen und Breakdancen. »Heute interessiere ich mich für viele verschiedene Genres, benutze auch gerne die Gitarre oder nehme Gesangsunterricht. Aber damals gab es nur Hip Hop und der Rest wurde gehatet«, lacht Klartexter.

Auch Sless Praismo entwickelte sich abseits des reinen Hip Hop weiter: »Ich war in Gießen in der Freien Evangelischen Gemeinde und im CVJM aktiv, dadurch habe ich letztlich erkannt, dass der Glaube an Gott mich mein ganzes Leben schon trägt.« Seine Lieder mit Titeln wie »Jesus« oder »Gnade«, spiegeln diesen Glauben in den Texten wider. Musikalisch greift er gerne Elemente aus dem Neo-Soul oder Pop auf.

»Diese Zeit zwischen Studentenleben und Hip-Hop-Szene hat uns musikalisch und menschlich geprägt«, sind sich beide einig. Berufliche Ambitionen und private Umstände trieben die Clique mit der Zeit auseinander: Klartexter lebt in Berlin, Sless Praismo in Mainz. Auch das Projekt ZwoHandBreit ruhe fürs Erste, schildert Klartexter. Sowohl er als auch Sless Praismo konnten sich jedoch einen Bezug zur Musik in ihrem Beruf bewahren: Während Klartexter Software für digitale Musikinstrumente entwickelt, bringt Sless Praismo als Förderschullehrer Kindern im schuleigenen Studio den Hip Hop näher.

Neben den beiden haben auch OK Kid-Sänger Jonas und Schlagzeuger Raffi ihre ersten Songs im Holzpalast aufgenommen. »Wir standen noch immer im Kontakt mit den Jungs, so ist der Gig zustande gekommen. Wir freuen uns riesig!«, so Sless Praismo und Klartexter, die mit ZwoHandbreit-DJ Wax das Festival eröffnen.

 

»Stadt-an-Autobahn«-Atmosphäre

 

Als zweite Band der von OK Kid ausgewählten Lokal-Helden tritt Fusel auf. Die Band hat im Vergleich eine noch eher junge Geschichte: Gemeinsam Musik zu machen beschlossen Maike (Gitarre/Gesang), Juliane (Bass/DJ) und Klauke (Schlagzeug) im Sommer 2016, als sie einem Freund beim Umzug halfen. So entstand Fusel.

Der Stil der Band lässt sich schwer einordnen, jedoch ziehen sich treibende Schlagzeug-Rhythmen, verzerrte Gitarren und Vocals (wenn vorhanden) mit starkem Hall-Effekt durch die Songs. Der experimentelle Klang der Band spiegelt sich auch in den Texten wider, die mal auf Deutsch, mal auf Englisch, mal gesäuselt französisch sind. In Gießen traten die drei bisher unter anderem im MUK oder beim JAM-Festival auf, diesen Sommer tourte die Band jedoch auf eigene Faust durch ganz Deutschland Sogar ein Tourstop im polnischen Szczecin (Stettin) war dabei. Laut eigenen Angaben inspiriert die Band vor allem die »leicht düstere »Stadt-an-Autobahn«-Atmosphäre Gießens. Sie treten ab 14.30 Uhr auf der Elefantenklo-Stage des Festivals auf und wollen auf der Bühne auch einen Fernseher benutzen.

Zusatzinfo

Am Samstag »Stadt ohne Meer«

Jonas Schubert, Raffael Kühle und Moritz Rech alias OK KID schenken ihrer Heimatstadt das Festival »Stadt ohne Meer« und haben dazu befreundete Musiker eingeladen. Auf dem Open-air-Gelände im Schiffenberger Tal werden sie am Samstag, 9. Juni, ab 12 Uhr alle gemeinsam auftreten.

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