02. Februar 2011, 16:15 Uhr

»Normal« ist nicht »Nagels« Ding

Thorsten Nagelschmidt liest im MuK aus seinem Roman »Was kostet die Welt«
02. Februar 2011, 16:15 Uhr
Thorsten Nagelschmidt

Als Thorsten »Nagel« Nagelschmidt die Bühne betrat, schien es noch eine ganz normale Lesung zu werden. Doch dass normal nicht so sein Ding ist und er zudem mit schwierigen Bedingungen zu kämpfen hatte, das war sofort klar. Schwierig war, dass er seinen Laptop im Taxi in Wien vergessen hatte und der jetzt weg ist. Und so kam er im Musik- und Kunstverein zu seiner ersten Powerpoint-Präsentation. Er sang, unkte und schrie. Nach der Auflösung seiner Indie-Punkrockband Muff Potter, benannt nach dem Trunkenbold aus »Tom Sayer«, tourt Nagel zwar ohne Instrumente, aber eben mit Musik, Action, Spaß und seinem im Oktober 2010 erschienenen Roman »Was kostet die Welt« durch die Lande. Und für Tobias »Meise« Meisner, seinen Protagonisten aus Berlin, kostet die Welt plötzlich gar nicht mehr so viel. Nach dem Tod seines Vaters erbt dieser 15 000 Euro und beschließt, das Geld so auszugeben, wie es sein bodenständiger alter Herr nie getan hätte: nämlich mit ausgedehnten Reisen.

Zurück in Berlin kämpft Meise mit unzähligen Jetlags, Erinnerungen an die weite Welt und eventuellem Dopaminmangel. Die letzten 1000 Euro im Gepäck, tritt er seine letzte Reise in die tiefste westdeutsche Provinz an. Auf einem Weingut im Moseltal findet er Familienleben zur Genüge, Alkohol ohne Ende und viele, viele Phrasen. Bevor im Roman der Horrortrip seinen absoluten Höhepunkt erreicht, kommt im MuK immer mal wieder die Powerpoint-Präsentation ins Spiel. Ob mit martialischen Saufsprüchen, oder Szenen aus dem Wildschweingehege: Nagel brachte die vielen Zuschauer zum Lachen, zum ausdrücklich exzessiven Klatschen und einen sogar zum gemeinschaftlichen Lesen. Und dann ging es noch darum, als Gelegenheitsraucher bei jeder Gelegenheit zu rauchen, um einen neuen Haarschnitt im »Kaiserschnitt« und Fehler im Roman, die er zu korrigieren gerne bereit war.

Das im Moseltal am Ende des Buches stattfindende Weinfest fördert neben Blut und Alkohol auch die Wahrheit zutage. Und die ist: Das vermeintlich provinzielle Idyll wird beängstigend deutlich beschrieben, ist unterhaltsam, komisch, tragisch und so herrlich ehrlich.

Und wo wir schon bei der Wahrheit sind: Dass Meise das Phrasendrescher-Diplom nicht bekommt, steht fest. Und dass Nagel nach »Wo die wilden Maden graben« einen weiteren tollen Roman geschrieben hat auch. Und gekostet hat ihn seine Lesereise bisher seinen Laptop und ein paar Bücher. Doch eines sicherlich nicht: seinen Humor. deh

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