18. Mai 2009, 20:38 Uhr

Neuer Regierungspräsident für das »Land an Lahn und Vulkan«

Gießen (mö). Mittelhessen hat nach zehn Jahren einen neuen Regierungspräsidenten. Seit gestern ist der erst 35-jährige Dr. Lars Witteck der Präfekt im »Land an Lahn und Vulkan«, wie der aus dem Amt geschiedene Wilfried Schmied die Region Mittelhessen beim Festakt in der Kongresshalle bezeichnete.
18. Mai 2009, 20:38 Uhr
Die Hauptdarsteller (v.r.): Der neue Regierungspräsident Dr. Lars Witteck, seine Ehefrau Lusaper, Amtsvorgänger Wilfried Schmied und Innenminister Volker Bouffier. (Fotos: mö)

Gießen (mö). Mittelhessen hat nach zehn Jahren einen neuen Regierungspräsidenten. Seit gestern ist der erst 35-jährige Dr. Lars Witteck der Präfekt im »Land an Lahn und Vulkan«, wie der aus dem Amt geschiedene Wilfried Schmied die Region Mittelhessen beim Festakt in der Kongresshalle bezeichnete. Sichtlich bewegt nahm Schmied nach einem Jahrzehnt Abschied von der Landesbehörde am Landgraf-Philipp-Platz, deren Leitung für ihn »die Aufgabe schlechthin« gewesen sei. Ein »herzliches Adieu und Aufwiedersehen« rief der frühere Erste Kreisbeigeordnete des Landkreises Gießen und Hungener Bürgermeister den rund 800 Gästen in der vollbesetzten Kongresshalle zu, die den Neu-Pensionär mit stehendem Beifall verabschiedeten. Es folgte eine durchaus selbstbewusste Antrittsrede seines Nachfolgers, der seinen Chef und Parteifreund, Innenminister Volker Bouffier (CDU), sogleich in die Pflicht nahm. Wenn die Landesregierung daran gehe, die im Polizei- und Schulbereich versprochene Aufstockungen beim Personal vorzunehmen, dürfe dies nicht zu Lasten der Regierungspräsidien gehen. Denn die seien »keine Resterampen«, sagte Witteck und erntete damit hörbar Zustimmung bei den vielen anwesenden RP-Beschäftigten.

Es war ein Treffen der Region im Großen Saal der Kongresshalle. Neben Staatsminister Bouffier waren einige der mittelhessischen Bundestags- und Landtagsabgeordneten zugegen, die Oberbürgermeister der Städte Gießen und Marburg, die Landräte und 86 von möglichen 98 Bürgermeistern aus den Städten und Gemeinden zwischen dem Limburger und Schlitzer Land. Hinzu kamen Staatssekretäre und Ministeriale aus der Landeshauptstadt Wiesbaden. Mit Gerold Dieke und Lutz Klein, den RPs aus Darmstadt und Kassel, waren Weggefährten von Schmied ebenso nach Gießen gekommen wie sein Vorgänger Hartmut Bäumer, der selbst acht Jahre lang das Regierungspräsidium Gießen geleitet hatte. Fast auf den Tag genau vor zehn Jahren war er durch Schmied abgelöst worden, wodurch der in Staufenberg lebende CDU-Politiker jetzt noch sein zehnjähriges Amtsjubiläum feiern durfte.

Den eigentlichen Akt der Amtsübergabe nahm Bouffier vor, der Schmied die Entlassung- und Witteck die Ernennungsurkunde überreichte. Der Minister aus Gießen hob hervor, dass Schmied ganz wesentlich dazu beigetragen habe, dass Regierungspräsidien schon lange nicht mehr als »Verhinderungsbehörden«, sondern als kompetente Dienstleister und Ratgeber für Kommunen und Wirtschaft wahrgenommen würden. Durch seine verbindliche Art sei es Schmied gelungen, die »heterogene Region« mehr zusammenzuführen. Schmied sei keiner, »der mit Feuer und Schwert durch die Gegend zieht.« Bouffier, RP-Vizepräsident Hans-Otto Kneip und andere Redner verwiesen immer wieder auf das von Schmied ins Leben gerufene »Regionalmanagement Mittelhessen«.

Auf seinen Nachfolger Witteck komme eine »außergewöhnliche Herausforderung« zu. »Wir hätten Sie nicht mit dieser Aufgabe betraut, wenn wir nicht von Ihren Fähigkeiten überzeugt wären«, sagte Bouffier, der auf die biographische Verbundenheit des neuen RP mit der Region verwies. Schließlich sei der in Fernwald lebende neue Regierungspräsident in Marburg geboren und habe in Gießen Schule und Universität besucht. »Wir gucken noch einmal genauer, ob wir im Lebenslauf nicht noch etwas für Wetzlar finden«, fügte Bouffier an die Adresse von Oberbürgermeister Wolfram Dette hinzu.

Schmied blickte in seiner Rede auf »zehn Jahre voller Tempo und Spannung« zurück. Er habe Chef einer Behörde mit einem »außerordentlichen Potential« sein dürfen, die auch den Personalabbau im Zuge der »Operation sichere Zukunft«, als von der Landesregierung 200 Stellen gestrichen worden seien, bewältigt habe. Persönliche Dankesworte richtete Schmied an die Mitarbeiter/innen seines Büros und seine Fahrer.

Sein Nachfolger stimmte die Anwesenden vor dem Hintergrund der Finanz- und Wirtschaftskrise auf schwierige Zeiten ein, in denen »sämtlichen staatlichen Ebenen deutlich weniger Geld zur Verfügung stehen wird«. Witteck stellt sich daher auf eine »völlig neue Debatte über die Leistungsfähigkeit des Staates« ein. Gerade deshalb müsse das RP seine Leistungen deutlicher machen und Mittelhessen insgesamt selbstbewusster auftreten. Als »Wissensregion« verfüge die Landesmitte zum Beispiel über das Potential, die Führung in der Zukunftsbranche Umweltsicherung zu übernehmen. Das RP müsse Wirtschaft und Wissenschaft diesbezüglich »Türen öffnen«. Den Mitarbeitern kündigte er einen kooperativen Führungsstil an und ermunterte sie zu Kritik, denn er müsse noch viel lernen. »Sie bekommen keinen fertigen RP«, so Witteck.

Der Vater von Zwillingen war zuletzt als Richter in Friedberg tätig. Nach seinem Abitur an der Gießener Liebigschule hat er als Jurist auf zahlreichen Feldern Erfahrungen gesammelt und war zwischenzeitlich zweimal für das Innenminsterium tätig. In seiner Freizeit mischte er bis vor kurzm ehrenamtlich in der Fernwalder Kommunalpolitik mit und zählt Sport sowie Jazzmusik zu seinen Hobbies. In die CDU trat er 1990 ein.

Weitere Grußworte zum Abschied von Wilfried Schmied und Amtsantritt von Lars Witteck, dem insgesamt sechsten Gießener RP, kamen von den Stadtoberhäuptern Heinz-Peter Haumann und Wolfram Dette sowie vom Vorsitzenden des RP-Personalrats, Klaus-Dieter Jung. Viele Gäste nahmen erstmals wahr, dass die Behörde ein eigenes Orchester und einen Chor hat, die auf die Namen »BürOton« und »AmtsCapella« hören und viel Beifall für ihre einfallsreiche Begleitung der Veranstaltung erhielten.

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