27. Februar 2011, 20:50 Uhr

Neue Entwicklungen in der Augenheilkunde

Bei einem Symposium unter Leitung von Prof. Birgit Lorenz mit mehr als 100 Gästen zu Ehren von Prof. Herbert Kaufmann, der kürzlich sein 70. Lebensjahr vollendete, gaben Experten auf Schloss Rauischholzhausen einen spannenden Überblick über neue Entwicklungen in der Augenheilkunde.
27. Februar 2011, 20:50 Uhr
»Nicht nur Schielbehandlungen« lautete das Thema des Festvortrages, den Professor Wolfgang Rüßmann (Köln) beim Symposium für Professor Herbert Kaufmann (r.) hielt. (Foto: if)

Gießen/Rauischholzhausen (if). Neun Jahre habe es gedauert, bis man schließlich wusste, worauf die zunehmende Sehschwäche ihrer mittlerweile erblindeten Tochter zurückzuführen ist, berichtete am späten Samstagabend Eva Luise Köhler, Frau des früheren Bundespräsidenten, im Gespräch mit einem Fernsehmoderator. Inzwischen habe man die Bestätigung, dass es sich um eine relativ seltene degenerative Erkrankung des Augenhintergrundes handele.

Hoffnungen, dass solche und ähnliche schicksalhaften Diagnosen rascher gestellt und auf der Basis in Gießen gewonnener molekularbiologischer Forschungsergebnisse zugleich damit neue, effektive Behandlungsmöglichkeiten erschlossen werden können, hatten - reiner Zufall - nur wenige Stunden zuvor im Tagungszentrum Rauischholzhausen vor über hundert Gästen Prof. Birgit Lorenz, die Direktorin der Universitäts-Augenklinik, und ihr Team bestärkt. Bei einem wissenschaftlichen Symposium »Strabologie und Neuroophtalmologie«, organisiert zu Ehren ihres Vorgängers, Prof. Herbert Kaufmann, der vor kurzem das 70. Lebensjahr vollendete, stellten sie Perspektiven und Weiterentwicklungen des Faches vor.

Einleitend hatte Medizin-Studiendekan Prof. Joachim Kreuder vor namhaften in- und ausländischen Strabologen - Schielspezialisten - Grüße und Glückwünsche von Universität und Fachbereich übermittelt. Dabei skizzierte er den Werdegang des 1976 aus Köln nach Gießen berufenen langjährigen Leiters der früheren »Augenklinik für Schielbehandlung« und der Gießener Lehranstalt für Orthopistinnen. Er würdigte sein Engagement im Fachbereichsrat, als Prodekan und wertvoller Berater. Einen ehrenvollen Ruf nach München ablehnend, habe er namentlich zwischen 1997 und 2007 als Direktor das Zentrums für Augenheilkunde der Justus-Liebig-Universität Gießen dessen wissenschaftliche Reputation auf höchstem Niveau gestärkt.

Im Festvortrag hob Prof. Wolfgang Rüssmann (Bonn), ehemals Direktor der Klinik für Strabologie der Universität Köln und erster Präsident der Bielschowsky-Gesellschaft - der Gesellschaft zur Erforschung der Schielkrankheit, die Prof. Kaufmann mit der Verleihung der Ehrenpräsidentschaft würdigte - dessen Pionierarbeit in der »Transpositionschirurgie« der Augenmuskulatur hervor und verwies auf sein erstmals 1985 erschienenes, inzwischen mehrfach aufgelegtes Standardwerk über den »Strabismus«.

»Gießen hat nicht aufgehört, sich mit dem Schwerpunkt Strabologie und Neuroophtalmologie zu beschäftigen«, versicherte zum Auftakt des wissenschaftlichen Programms Professor Birgit Lorenz. Zunächst stellten Dr. Christoph Friedburg, Dr. Melanie Jäger und Dr. Yaroslawa Wenner die neuesten, in der Gießener Klinik verfügbaren Methoden zur elektrophysiologischen Testung der Netzhautfunktion vor - beispielsweise zur Abklärung von Augenzittern und Nachtblindheit, aber auch von unklaren Gesichtsfeldausfällen. Danach belegte die Direktorin der Neuroradiologie, Prof. Elke Gisewski, die Leistungsfähigkeit der Kernspintomographie mit spektakulären Aufnahmen.

»Diese neuen Einblicke in die Bildgebung der Sehbahnen und der Hirnnerven lassen hoffen, dass wir in Zukunft das Zustandekommen auch bisher als idiopathisch klassifizierter Erkrankungen besser verstehen werden«, unterstrich Prof. Lorenz, bevor Mitarbeiter der Klinik neue Erkenntnisse aus der molekularbiologischen Forschung vortrugen. Die räumlichen Verhältnisse der Gießener Augenklinik erweisen sich dafür günstig: Unter dem selben Dach angesiedelt, bestehe hier die Chance, den gewünschten schnellen Wissenstransfer »from bench to bed« - aus der Forschung in die Klinik - durch eine beschleunigte Rückmeldung zu optimieren, betonte die Klinikchefin.

Mit einem Resümee von Prof. Michael Gräf über die Entwicklung der »Transpositionschirurgie nach Kaufmann« und dem Dank an deren Pionier klang der wissenschaftliche Teil der Veranstaltung aus.

Die »Gießener Exzellenz« fortzuführen, hatte, aus Regensburg nach Gießen berufen, Prof. Lorenz vor drei Jahren als ihren wichtigsten Vorsatz bezeichnet. Als sich am Samstag spontan einer der prominenten auswärtigen Experten erhob und vor dem Auditorium nachdrücklich dafür plädierte, das hier Gehörte auch »hinauszutragen«, zeigte sich Vorsatz gelungen.

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