Scarabée

Neue Ära in Kultkneipe Scarabée

Nach 25 Jahren bekommt das Scarabée eine neue Chefin. Inge Menges übergibt den Studentenkeller im nächsten Jahr an ihre Nachfolgerin. Sie ist dort nicht unbekannt.
11. Juli 2018, 06:00 Uhr
Spitzenbesatzung in Gießens berüchtigstem Studentenkeller Scarabée: Die derzeitige Chefin Inge Menges (r.) und die zukünftige Chefin Isabell Bojonga (l.). (Foto: edg)

Wie vertraut sich die beiden Frauen sind, spürt man sofort. Als Inge Menges und Isabell Bojonga sich zum Fototermin im Scarabée treffen, lachen sie immer wieder über gemeinsame Anekdoten. Kein Wunder. Mehr als ein Jahrzehnt haben sie so manche Nacht im Riegelpfad verbracht und gemeinsam den Studentenkeller am Laufen gehalten – die eine als Chefin, die andere als Thekenkraft. Nun ist aber eine Entscheidung gefallen, die das alles verändern wird: Nach rund 25 Jahren an der Spitze des Scarabée wird Menges ihren Posten räumen. Wann, ist noch nicht ganz klar, wahrscheinlich im nächsten Jahr. Wer jedoch ihre Nachfolge antritt, daran gibt es keinen Zweifel: Isabell Bojonga.

»Bei ihr ist das Scarabée in guten Händen. Sie hat viele Jahre hier gearbeitet und kennt den Laden. «, sagt Menges strahlend. »Vor allen Dingen liebt sie das Scara.« Die aktuelle Chefin mit den roten Locken wird in diesen Tagen 65 Jahre alt und will in absehbarer Zeit ihren Ruhestand antreten. Die zukünftige Chefin Bojonga ist 44 Jahre alt und arbeitet derzeit im Restaurant Kloster Schiffenberg. »Ich bin sehr gespannt und freue mich auf die neue Aufgabe«, sagt sie.

Im Bahndamm gearbeitet

Während sie im eleganten Ambiente des Klosters derzeit Speisen serviert, hat sie früher bei Metal, Rock und anderen alternativen Klängen Bier, Cola, Jägermeister und Co. im Scara ausgeschenkt. Insgesamt 16 Jahre hat sie in dem Laden am Bahndamm gearbeitet. Neben dem Studium putze sie zuerst nur und kümmerte sich um die Garderobe, doch ihre Aufgaben wuchsen schnell. »Es wurde immer mehr, irgendwann arbeitete ich nur noch an der Theke«, erinnert sie sich. Nun hat sie bald das Sagen im Scarabée. Ihr Aufstieg erinnert schwer an die Laufbahn der jetzigen Chefin – und ein bisschen an den Traum vom Tellerwäscher zum Millionär.

Menges startete 1980 als Reinigungskraft im Scarabée. Mit dem Job wollte sich die Licherin etwas fürs Studium dazu verdienen. Schon ein Jahr darauf stand sie an der Theke und wurde bald zur rechten Hand des damaligen Chefs. Seinen Posten übernahm sie nach 14 Jahren zusammen mit einer Kollegin. Seit April 2016 ist sie alleinige Inhaberin.

Frauen fühlen sich hier auch alleine wohl

Während Menges 1994 als Chefin im Scarabée anfing, zog Bojonga zum Studieren nach Gießen und betrat den Laden zum ersten Mal. »Ich habe mich dort immer sehr wohl gefühlt«, erinnert sie sich. Es sei einer der wenigen Lokalitäten gewesen, die sie als Frau auch gerne alleine besucht habe, auch wenn ihre Freundinnen nicht konnten.

Neben ihrem Job an der Theke studierte Bojonga Heil- und Sonderpädagogik an der Justus-Liebig-Universität. »Ich habe mich dann aber entschieden, in der Gastronomie zu bleiben«, erzählt sie. Als ihr das Geld als Aushilfe im Scara nicht mehr reichte, heuerte sie im Kloster Schiffenberg an. In dem Restaurant arbeitet sie seit vier Jahren im Service. Voraussichtlich kehrt sie im nächsten Jahr nun zurück in den Studentenkeller.

Ihre neuen Aufgaben als Chefin beinhaltet auch die Betriebsführung. Darauf will sie sich mit einem Existenzgründer-Kurs vorbereiten. Aber auch sonst hat sie viele Ideen für die neue Ära, zum Beispiel das Programm erweitern, einen weiteren Tag öffnen oder Lesungen anbieten. »Ich überlege schon jetzt die ganze Zeit, was ich alles machen könnte«, sagt sie. Dazu blickt sie auch in andere Städte und schaut, was in den Clubs dort gut funktioniert. Bislang sind das aber alles nur Überlegungen, denn auch steht für sie fest: »Komplett verändern werde ich das Scara erstmal nicht.«

Ruhestand vor Augen

Wehmütig blickt Menges nicht auf den kommenden Ruhestand. Wenn sie geht, nimmt sie neben vielen Geschichten und Bekanntschaften auch etwas ganz besonderes mit. Vor vielen Jahren hat sie während einer Thekenschicht im Scarabée ihren Mann kennengelernt, mit dem sie bis heute verheiratet ist. Wer weiß, vielleicht wird sich ja auch diese Parallele in den Lebensläufen der beiden Frauen noch ziehen. Darauf angesprochen lacht die künftige Inhaberin nur und sagt: »Das wäre ja fast schon gruselig.«

Zusatzinfo

Über 55 Jahre Studentenkeller

Das Scarabée im Gießener Riegelpfad gibt es seit 1962. Damals pachtete ein Ägypter die Räume und machte daraus eine Kneipe. Der Skarabäus ist ein Käfer, der schwarze Pillendreher und gilt in Ägypten als Glücks- und Fruchtbarkeitssymbol. Ein Teil des Ladens, der heute die Tanzfläche beherbergt, gehörte damals noch nicht zum Scarabée, sondern beherbergte ein Abfüllanlage für Limonade. Früher wurde im dem Studetenkeller vor allem Rock gespielt. Es folgte Heavy Metal, eine kurze Phase Neue Deutsche Welle und natürlich Gothic. Heute ist es auch für Elektro bekannt.

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