08. November 2018, 13:18 Uhr

Raubtäter verurteilt

Nach Überfällen in Gießen und Staufenberg: 21-jähriger Somalier muss in Haft

Weil er Märkte in Gießen und Staufenberg sowie einen Pizzaboten überfallen hat, muss ein 21-jähriger Somalier lange hinter Gitter. Auch zwei Mittäter wurden verurteilt.
08. November 2018, 13:18 Uhr
(Symbolfoto: Silas Stein/dpa)

Die Quittung für mehrere Straftaten, bei denen mit Waffengewalt Geld erbeutet worden war, erhielt am Mittwoch ein 21-jähriger Somalier vor dem Landgericht: Drei Jahre und drei Monate Jugendstrafe für schwere räuberische Erpressung, schweren Raub und Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte, bei der zwei Beamte außerdem verletzt wurden, lautete das Urteil.

Der Vorsitzende Richter Andreas Wellenkötter und die beiden Schöffen sahen es als erwiesen an, dass der Angeklagte am 21. Januar 2016 einen Markt in Staufenberg überfallen und dabei unter Vorhalten einer Waffe 500 Euro erbeutet hatte. Nach Auskunft des Opfers habe eine weitere Person den Laden ausgekundschaftet, doch sah das Gericht dafür keine weiteren Anhaltspunkte.

Am 27. Juni 2016 war der Somalier Mittäter bei einem Überfall auf einen Pizzaboten in Mainzlar, der in einen Hinterhalt gelockt worden war und dabei seinen Geldbeutel mit 80 Euro Inhalt einbüßte. Mit einem weiteren Täter, der ebenfalls in dem Prozess auf der Anklagebank saß, hatte der Somalier am 16. Mai 2017 am Lahnufer in Gießen zwei weiteren Jugendlichen die Geldbörsen geraubt. Beute bei dieser Aktion: fünf Euro. Sein Kumpan, der ein Messer zur Bedrohung eingesetzt hatte, war wegen dieser Tat bereits vom Amtsgericht Gießen verurteilt worden.

Doch damit nicht genug, am 28. Februar 2018 unternahm das Duo einen bewaffneten Überfall auf den Rewe-Getränkemarkt in der Grünberger Straße in Gießen. Der Mittäter, ein 22-Jähriger Deutscher, hatte ausgekundschaftet, ob sich noch Kunden im Laden befinden. Dann ging der Somalier mit einer Gaspistole in der Hand in den Markt, bedrohte den Kassierer und nahm 800 Euro aus der Kasse. Sein Kumpan, der vor dem Raub noch ein Taxi in die Nähe des Tatortes bestellt hatte, verzichtete auf seinen Anteil der Beute und wurde wenig später festgenommen. Der Somalier wurde erst Ende März dingfest gemacht und leistete bei seiner Festnahme Widerstand, für den er sich auch vor Gericht verantworten musste.

 

Umfassendes Geständnis

Für den Angeklagten sprach wenig. Immerhin sein umfassendes Geständnis, das der Kammer die Beweisführung erleichterte. Dagegen sah das Gericht eine Schwere der Schuld und auch schädliche Neigungen. Die Jugendstrafe bezeichnete der Verteidiger des Somaliers als »ultima ratio« für den Angeklagten, der allerdings schon vorher das eine oder andere Warnzeichen erhalten hatte. »Draußen hat es für ihn keine Perspektiven gegeben«, stellte der Anwalt fest. »Vielleicht hat er jetzt die Chance zu einer Berufsausbildung.« Die Aussage des Somaliers, an den Tattagen große Mengen an Drogen und Alkohol konsumiert zu haben, decken sich nicht mit den Beobachtungen der Zeugen, die »keine Ausfallserscheinungen erkannt« hatten. Es liegt demnach keine verminderte Schuldfähigkeit vor.

Zu einer Jugendstrafe in Höhe von einem Jahr und sechs Monaten wurde der 22-jähriger Deutsche verurteilt, der bei dem Überfall auf den Pizzaboten diesen zu Boden gerissen, beim Raub am Lahnufer in Gießen (hierfür wurde er bereits vom Amtsgericht verurteilt) mit dem Messer gedroht und vor dem Überfall auf den Getränkemarkt in der Grünberger Straße diesen ausgekundschaftet hatte. Bei dem geständigen Mann wurde eine Reifeverzögerung festgestellt. Die Jugendstrafe wurde zur Bewährung ausgesetzt. Außerdem hat der Angeklagte 300 Euro an die Gießener Hilfe zu zahlen.

Vor Gericht stand auch ein 18-Jähriger Türke, der vor dem Überfall auf den Pizzaboten die Pizza bestellt hatte. Der junge Mann hatte sich nach der Tat bei dem Geschädigten entschuldigt und war ebenfalls geständig. Bei ihm sah das Gericht keine schädlichen Neigungen. Der Gießener muss das Anti-Gewalt-Training, an dem er zurzeit teilnimmt, erfolgreich fortsetzen, 150 Euro an die Gießener Hilfe zahlen und an drei Wochenenden einen Freizeitarrest verbüßen. Die drei Angeklagten haften für den entstanden Schaden in Höhe von knapp 1400 Euro. Allerdings werden sie nicht für die Kosten und Auflagen des Verfahrens herangezogen. Das übernimmt die Staatskasse.

Schlagworte in diesem Artikel

  • Amtsgericht Gießen
  • Gießen
  • Gitter
  • Haftstrafen
  • Jugendstrafen
  • Raub
  • Staufenberg
  • Wirtschaftlicher Markt
  • Überfälle
  • Gießen
  • Harold Sekatsch
  • Lädt

    Schlagwort zu
    Meine Themen

    Sie haben bereits 15 Themen gewählt

    Sie folgen diesem
    Thema bereits

Klicken Sie auf ein Schlagwort, um es zu „Meine Themen” hinzuzufügen oder weitere Inhalte dazu zu sehen.


0
Kommentare | Kommentieren

Bilder und Videos

Kommentare

Kommentar hinzufügen

Kommentar schreiben - Ihre Meinung zum Thema ist gefragt


Kommentare werden erst nach einer Prüfung durch die Redaktion veröffentlicht. Bitte beachten Sie die Netiquette sowie die Hinweise nach dem Absenden Ihres Beitrags.


Überschrift
Meine Meinung





Sie haben noch kein Login? Jetzt kostenlos registrieren.

Registrieren Sie sich kostenlos um Ihren Kommentar abzuschließen:

Wir garantieren Ihnen, dass alle persönlichen Daten nur beim Verlag intern verwendet werden und nicht ohne Zustimmung an Dritte weitergegeben werden.


Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:
Wieviel ist 20 + 2: 




Sie sind bereits registriert? Zurück zum Login.