14. März 2008, 20:14 Uhr

Mut machen für das Leben mit behindertem Kind

Gießen (kw). Unter dem Dach der Lebenshilfe-Kreisvereinigung haben sich soeben einige junge Mütter zur Gruppe »Junge Lebenshilfe« (JuLe) zusammengeschlossen um ein Angebot zu machen, das sie einst selbst vermisst haben: Sie wollen mitfühlende und kompetente Ansprechpartnerinnen sein für Eltern von Kindern mit unterschiedlichsten Beeinträchtigungen - ob diese noch nicht geboren oder schon im Grundschulalter sind.
14. März 2008, 20:14 Uhr
Die heimische Lebenshilfe- Aufsichtsratsvorsitzende Maren Müller-Erichsen (4. v. l.) freut sich über das Engagement der »JuLe«-Mütter (v. l.) Angela Nolte, Ulrike Puvogel, Andrea Pohl, Tanja Balser und Bettina Knorre. Beim Fototermin fehlte Daniela Kannwischer. (Foto: Schepp)

»Der Kontakt mit anderen betroffenen Eltern ist für mich wichtiger als der mit Pädagogen oder anderen Experten.« »Wenn schon in der Schwangerschaft ein Verdacht auf Behinderung besteht, möchten wir da sein und berichten, wie schön und fröhlich das Leben in unserer Familie ist.« »Mir hat in dieser Situation jemand gefehlt, der mit Mut macht.« Die jungen Mütter, die sich in der Gruppe »Junge Lebenshilfe« (JuLe) zusammengeschlossen haben, machen jetzt ein Angebot, das sie einst selbst vermisst haben: Sie wollen mitfühlende und kompetente Ansprechpartnerinnen sein für Eltern von Kindern mit unterschiedlichsten Beeinträchtigungen - ob diese noch nicht geboren oder schon im Grundschulalter sind.

Die Mütter behinderter Kleinkinder sind in der Regel über die Frühförderstelle in der Grünberger Straße zur Lebenshilfe gekommen. Sie treffen sich etwa alle vier Wochen und wollen nun andere Eltern unterstützen, die zum Beispiel gerade erfahren haben, dass sie ein behindertes Baby erwarten; die feststellen, dass sich ihr Kind nicht so entwickelt wie Gleichaltrige; die sich fragen, welche Unterstützung ihnen zusteht. Ihre Überzeugung: Es ist manchmal hilfreicher, ganz normale Familien kennen zu lernen, die das Gleiche erlebt haben, als sich an eine Institution zu wenden. »Ich hätte mir vor 30 Jahren auch so eine Möglichkeit gewünscht«, sagte beim Pressegespräch die Aufsichtsratsvorsitzende der Kreisvereinigung, Maren Müller-Erichsen.

Heute stünden manche Eltern vor einem Problem, das es damals so noch nicht gab, berichteten die »JuLe«-Mitglieder: Wenn schon früh gemutmaßt wird, dass das Kind beeinträchtigt sein könnte, vermittelten viele Menschen in der Umgebung, dass man es ja nicht bekommen müsse. So gebe es viele Abtreibungen nach der Diagnose Down-Syndrom. Die Gruppe wolle zeigen, »dass es geht«. »Unsere Kinder sind tolle Kinder.« »Wir sind eine normale glückliche Familie.«

Die »JuLe« hat ein Faltblatt zusammengestellt, das jetzt an Frauenarztpraxen und andere Kontaktstellen verteilt werden soll. Interessenten können sich montags bis freitags von 8 bis 16 Uhr unter Tel. 0160/94417603 an die »JuLe« wenden und einen Termin vereinbaren. Besuche gleich nach der Geburt im Krankenhaus sind möglich, wo die noch unerfahrenen Mütter und Väter Tipps bekommen können. Später treffen sich Eltern und Kinder zu Hause oder in der Frühförderstelle -wie häufig und mit welchen Themen, bestimmen die Teilnehmer selbst. Oft können Familien vermittelt werden, die mit einer ganz speziellen Beeinträchtigung Erfahrungen haben. In der Gruppe vertreten sind zum Beispiel Kinder mit Spina Bifida, Westsyndrom, Halbseitenlähmung mit Wahrnehmungsstörung, Williams-Beuren-Syndrom oder Down-Syndrom. Auch Kontakte zu anderen Betroffenen sind möglich.

Entstanden sei die Initiative eigentlich vor allem mit dem Ziel, mehr junge Eltern als Mitglieder der Lebenshilfe-Kreisvereinigung Gießen zu gewinnen, berichtete Müller-Erichsen. Früher sei es für die meisten Nutzer der Einrichtungen selbstverständlich gewesen, auch dem Trägerverein beizutreten, der im nächsten Jahr sein 50-jähriges Jubiläum feiern kann. Heute sei diese Möglichkeit den meisten gar nicht bewusst. Eine Werbeaktion brachte nicht nur 42 neue Mitglieder in die rund 700 Mitglieder starke Kreisvereinigung, sondern auch den Arbeitskreis »JuLe«. Sie wollten die wertvolle Arbeit unterstützen und eigene Akzente setzen, erzählen die Frauen. So ist die Gruppe dabei, dem vor 15 Jahren gegründeten integrativen Sportverein »Ohne Norm in Form« (ONIF) neuen Schwung zu verleihen.

Außerdem haben die Mütter eine Vortragsreihe organisiert. Der erste Termin im Februar zu Versicherungsfragen war gut besucht, weiter geht es am Donnerstag, 27. März, mit dem Thema »Das persönliche Budget«. Beginn ist um 20 Uhr in der Sophie-Scholl-Schule (Grünberger Straße 222). Dieser Vortrag soll wegen des Osterferien-Termins im Herbst wiederholt werden. Weitere Abende widmen sich dem »besonderen Testament« (24. April) und der »Verhinderungspflege« oder »ambulanten Pflege« (29. Mai).

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