14. Februar 2019, 22:04 Uhr

Museumsbau statt Parkraum

Die Parkplätze auf dem Brandplatz sind überflüssig. Auch vom Botanischen Garten könnte man getrost Fläche wegnehmen. Und das Alte Schloss an sich kann, weil kaum noch im Original erhalten, in den Hintergrund treten. Diese Schlüsse lassen sich aus den Entwürfen von THM-Studierenden für das Alte Schloss auf dem Weg zu einem zeitgemäßen Museum ziehen. Reichlich Stoff für Diskussionen in der Stadtgesellschaft.
14. Februar 2019, 22:04 Uhr

Es herrschte drangvolle Enge, als im neuen Laborraum des Alten Schlosses die 14 architektonischen Visionen von THM-Studierenden für das Haupthaus des Oberhessischen Museums erstmals vorgestellt wurden. Der große Besucherandrang zeigte nicht nur, dass die Entwürfe der Studierenden des Fachbereichs Bauwesen von Prof. Nikolaus Zieske auf reges Interesse stießen, sondern auch, dass für das Museum nun endgültig »die Zeit des Aufbruchs« angefangen hat, wie die neue Museumsleiterin Dr. Katharina Weick-Joch betonte. Die »mutigen, teils raumgreifenden Visionen« der studentischen Abschlussarbeiten seien zum Glück keine »utopischen Visionen«, sondern lieferten einen beeindruckenden Anstoß zur Diskussion.

Modern statt historisch

Acht Stufen am Eingang, eine nicht adäquate Raumhöhe, ein Lift auf der falschen Seite, zu wenig Platz, kein Museumsshop, kein Café – die Liste der Mängel des Alten Schlosses war lang, die Prof. Zieske in seiner kurzen Ansprache aufzählte. Er hatte darum seinen Studenten bei der Entwicklung von architektonischen Visionen für das Alte Schloss, das ohnehin zum allergrößten Teil seit dem Bombardement von 1944 kein historisches Gebäude mehr ist, jede Menge Freiraum gelassen. Unter anderem habe die historische Recherche ergeben, dass das frühere Kollegiengebäude, »das erste Bibliothekengebäude der Stadt« und lange als Uni-Hauptgebäude genutzt, ursprünglich auf dem heute hinteren Teil des Brandplatzes gestanden habe, links vom Alten Schloss. »Ein Pfund, Wert darüber nachzudenken«, folgerte Zieske.

Und tatsächlich beziehen fast alle Entwürfe große Teile des heute als Parkplatz genutzten Brandplatzes als Fläche für einen wie auch immer gearteten Anbau ein – Parkraum würde so wegfallen, der Platz würde als öffentlicher Raum wie auch immer bespielbar. »Mittwochs und samstags funktioniert das auch, wenn hier Markt ist«, betonte Zieske und da verzichte man ja schon auf die Parkplätze. Warum also nicht gleich an jedem Tag?

Auch Teile des Botanischen Gartens könnten einbezogen werden, hatte Zieske den Studierenden mit auf den Weg gegeben und war nach seiner Aussage bei den Zuständigen – dem wissenschaftlichen Leiter Prof. Volker Wissemann und dem technischen Leiter Holger Laake – zumindest nicht komplett auf Ablehnung gestoßen.

Die Studierenden haben diese Optionen jedenfalls in ihre Entwürfe miteinbezogen. Gleich mehrere Zeichnungen sehen meist riesige, expressive Anbauten links vom Alten Schloss vor, die das Alte Schloss selbst größtenteils in den Hintergrund treten lassen. Auch die Eingangssituation haben manche verändert. Statt über die alte Treppe könnte der barrierefreie Zugang, auch in den Botanischen Garten, demnach über den Neubau geregelt werden. Ein anderer Entwurf sieht eine Art Marktlauben im Neubau-Erdgeschoss vor. Was von diesen Visionen tatsächlich einmal Realität werden kann, gilt es nun in der Stadtgesellschaft zu diskutieren.

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