09. Dezember 2018, 17:47 Uhr

Mittler zwischen Recht und Wirklichkeit

09. Dezember 2018, 17:47 Uhr
Prof. Arthur Kreuzer (r.) erhält die Festschrift von Mitherausgeber Prof. Thomas Görgen. (Foto: csk)

»Tief gerührt und auch einigermaßen verlegen« trat Prof. Arthur Kreuzer am Samstag im Alexander von Humboldt-Haus der Justus-Liebig-Universität ans Rednerpult. Akademische Schüler und Wegbegleiter hatten dem emeritierten Jura-Professor zuvor mit einer Feierstunde zum 80. Geburtstag gratuliert. Unter den Geschenken ragte eines dabei besonders heraus: Die Festschrift »Mittler zwischen Recht und Wirklichkeit«. Mit 25 Beiträgen von 31 Autoren dokumentiere das Werk auf besondere Weise, welche thematische Bandbreite der Geehrte in seinem wissenschaftlichen Schaffen bearbeite, erklärten die Herausgeber bei der Übergabe.

Den Reigen der Festreden eröffnete Prof. Marietta Auer, Dekanin des JLU-Fachbereichs Rechtswissenschaft. Sie würdigte vor allem die hohe Schaffenskraft Kreuzers. Mehr als 200 Buch- und Aufsatztitel, 100 Kurzpublikationen sowie gut 160 journalistische Beiträge sprächen eine deutliche Sprache, sagte sie: »Herr Kreuzer schreibt schneller als ich lesen kann.« Der Generalstaatsanwalt Prof. Helmut Fünfsinn hob indes in erster Linie auf Kreuzers Wirken in der juristischen Praxis ab. Sein Engagement für die »gesamtgesellschaftliche Kriminalprävention« sei beispielhaft, unterstrich der Vorsitzende des hessischen Landespräventionsrates. »Letztlich ist sie in Hessen ohne Arthur Kreuzer nicht denkbar.«

Die Professoren Klaus Hoffmann-Holland und Thomas Görgen sprachen im Namen der Festschrift-Herausgeber. Hoffmann-Holland verband auf launige Weise berufliche und private Eigenheiten des Geehrten, indem er erzählte, dessen »Sinn für das Praktische bei fester theoretischer Fundierung« sei in kundigen Kreisen mindestens so legendär wie sein Kräutersalat und seine Rosen. Stellvertretend für viele akademische Schüler bezeichnete er Kreuzer, der von 1976 bis zur Emeritierung 2006 an der JLU die Professur für Kriminologie, Jugendstrafrecht und Strafvollzug innehatte, zudem als »Wegweiser an den Scheidewegen des Lebens«. Görgen dankte Kreuzer für »das Bestreben, rechtliche und rechtspolitische Fragen nie nur als reine Rechtsfragen zu sehen«, sondern sie stets auf die Lebenswelt zu beziehen – und er präsentierte die Festschrift als einen Versuch, dieser Maxime gerecht zu werden.

Nach all den Ehrungen ergriff Arthur Kreuzer selbst das Wort. Mit den »Gedanken zu kriminologischer Einmischung«, die er vortrug, bot er einen Einblick in sein Verständnis von der Rolle eines Wissenschaftlers. Gewonnene Erkenntnisse »müssen vermittelt werden in die Öffentlichkeit«, betonte er. Dafür seien »Grenzüberschreitungen« notwendig: Inhaltlich hätten Wissenschaftler ihre Themen »in allgemein zugängliche Medien« einzubringen, statt sie nur in Fachorganen zu publizieren; und sprachlich müssten sie sich von der einen oder anderen akademischen Marotte lösen, um für ein breites Publikum verständlich zu bleiben.

Er selbst habe immer versucht, Wissenschaft und Praxis in dieser Weise zu verbinden. »Wir Wissenschaftler müssen zu einem rationalen Umgang mit Themen beitragen«, forderte er zum Abschluss, auch mit Blick auf aktuelle politische Entwicklungen. Dies ähnele zwar manchmal einer Sisyphusarbeit, sei aber »die ureigene Aufgabe« seiner Zunft. Gerade bei diversen Einmischungen in laufende Strafverfahren habe er erfahren, auf welche Widerstände man bei diesem Bemühen stoßen könne, so Kreuzer. Doch: »Mittler zu sein ist eben anstrengend.«

Musikalisch begleiteten Judith Wilhelmi (Violine) und Hermann Wilhelmi (E-Piano) die Feierstunde.

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