Taschenbörse

Mit Handtaschen helfen

Rund 800 Taschen stehen am Samstag in der Johanneskirche zum Verkauf. Wer beim Flohmarkt von Zonta International shoppen geht, hilft damit Frauen und Mädchen in Not.
14. April 2018, 09:00 Uhr
Von fein bis praktisch: Second Hand Taschen aller Art gibt es bei der Taschenbörse im Johannessaal. (Foto: Schepp)

In meinen Keller hat keine einzige Tasche mehr gepasst«, sagt Dietlind Stürz vom Frauennetzwerk Zonta International. Wochenlang hatten sie und ihre Mitstreiterinnen von der Ortsgruppe Burg Staufenberg-Gießen gebrauchte, aber gut erhaltene Taschen, Rucksäcke und Tücher gesammelt. Nicht nur bei der Gießener Kunsthistorikerin stapeln sich im Vorfeld der Taschenbörse die abgegebenen Stücke. »Die Resonanz war riesig«, sagt Stürz. Der Club hatte im Freundeskreis, sowie öffentlich für das Event geworben, das am Samstag in der Johanneskirche Gießen steigt.

Ob Designerstück aus Krokodilleder-Imitat, rosa Shopper oder Outdoor-Rucksack – unter rund 800 Exemplaren dürfte für jeden Geschmack ein Teil dabei sein. Von elf bis 15 Uhr heißt es im Johannessaal shoppen für den guten Zweck. Unter dem Motto »Auch leere Taschen helfen« verkaufen die Zonta-Frauen die Second Hand Accessoires zugunsten von Hilfsprojekten für Frauen und Mädchen in Gießen und Madagaskar.

Unser Aktivismus dient letztlich einer ernsten Sache

Dietlind Stürz, Zonta International

Die Sahnestücke aus Gießens Kleiderschränken, von Flurgarderoben und Dachböden sind nun in der Innenstadt unweit des Selterswegs versammelt. Dazu gibt’s Kekse und Kaffee. Zwischen zwei und 50 Euro zahlt die Schnäppchenjägerin für eine Tasche. Welche Tasche zu welchem Preis ins Rennen geht, diskutieren die Frauen zuvor – mitunter mit großem Engagement, wie Stürz berichtet. Sie sagt aber auch: »Unser Aktionismus dient letztlich einer ernsten Sache.«

 

Geld geht nach Madagaskar und Gießen

Bei der ersten Taschenbörse 2015 kamen rund 4500 Euro zusammen. Ein Teil der diesjährigen Einnahmen geht nach Madagaskar, um Mädchen dort eine Schulbildung zu ermöglichen. Das Projekt »Let us learn Madagaskar« vom UN-Kinderhilfswerks unicef wird schon länger von Zonta International unterstützt. Der zweite Teil der Geldes geht an ein Integrations- und Bildungsprojekt der Gießener Johannesgemeinde. Die evangelische Kirche bringt Frauen unterschiedlicher Konfessionen zusammen und will Einwanderinnen den Neustart in Gießen erleichtern.

Warum sich die Frauen gerade für eine Taschenbörse entscheiden, um Spenden zu sammeln? »Es ist ein Format, das einfach funktioniert – und das in jeder Region«, sagt Stürz und verweist auf Börsen in Frankfurt und Darmstadt. Hängt der Erfolg auch mit der vielzitierten Vorliebe des weiblichen Geschlechts für diese Accessoires zusammen? »Klar spielt die Veranstaltung auch mit Klischees«, sagt sie. Als gestandene, emanzipierte Frau bringt sie eine solche Frage jedoch nicht aus der Ruhe.

Ärztinnen, Professorinnen, Juristinnen und Unternehmerinnen sind im örtlichen Zonta Club vereinigt. Doch nicht nur Akademikerinnen, auch Frauen aus anderen Berufszweigen, zum Beispiel dem Handwerk, können eintreten. In Gießen spenden die Zonta-Frauen regelmäßig an soziale Einrichtungen, wie die Frauenhäuser, die Lebenshilfe oder die Beratungsstelle Wildwasser. Zudem verleihen sie Preise und organisieren Treffen, um berufstätige Frauen zu vernetzen.

 

Kein Thema für die Mottenkiste?

Sich für Frauen und Mädchen stark zu machen, ist für Stürz keinesfalls ein Thema für die Mottenkiste der Geschichte. Es sei auch heute noch einiges zu tun, solange Frauen so spärlich in Führungsetagen vertreten sind, ohne Tarifverträge schlechter bezahlt werden und ihre Karriere häufiger der Familie opfern als Männer. »Wir haben heute zwar große Freiheiten, aber nur weil sie vor vielen Jahren erstritten wurden«, sagt sie. »Junge Frauen müssen erkennen, dass sie ihr Standing in der Gesellschaft einfordern dürfen.«

Nachdem am Freitagabend alle Taschen auf Tischen drapiert und mit farbigen Preiscodes versehen sind, haben die Zonta-Frauen den größten Teil ihrer wohltätigen Arbeit getan. »Nun brauchen wir nur noch Leute, die die Taschen kaufen«, sagt Stürz. Doch auch die Stücke, die keine Abnehmerin finden, landen nicht in der Tonne. Der Club will sie dem Deutschen Roten Kreuz und der Jugendwerkstatt Gießen übergeben. Ob dazu auch der extravagante petrolblaue Leder-Tenniskoffer aus dem Keller der Kunsthistorikerin gehören wird? Das wird sich im Laufe des Tages zeigen. Aber einem Klischee zufolge kann man als Frau ja nie genug Taschen haben.

Info

Zonta International

onta International ist ein weltweiter Zusammenschluss berufstätiger Frauen in verantwortungsvollen Positionen. Der Club ist überparteilich, überkonfessionell, weltanschaulich neutral und verfolgt das Ziel, die soziale, wirtschaftliche und rechtliche Stellung von Frauen zu verbessern. Die Ortsgruppe Burg Staufenberg-Gießen hat sich im Jahre 1992 gegründet und zählt derzeit 41 Mitglieder. An jedem vierten Montag im Monat um 19 Uhr treffen sie sich im Restaurant Heyligenstaedt (Aulweg 41). Anmeldung unter kontakt@zonta-giessen.de (Quelle: zonta-giessen.de).

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