02. März 2017, 09:01 Uhr

Verkehrszählung

Mehr Verkehr: Kommt Tempo 100 auf dem Ring?

Das Verkehrsaufkommen auf der Stadtautobahn hat teilweise stark zugenommen. Der Politik bieten die Zahlen einen Anlass, einige alte Forderungen zu erneuern. Unter anderem: Tempo 100 auf der A 485.
02. März 2017, 09:01 Uhr

Hier rauscht und dröhnt es besonders laut, wenn schnellfahrende Pkw und die 40-Tonner in den Trog unterhalb der Rödgener Straße eintauchen. Der tiefe Geländeeinschnitt im Zuge der Autobahn 485 zählt zu den lautesten Stellen im Gießener Straßennetz. »Wir leben hier an der 70-Dezibel-Grenze«, beklagten sich bereits vor einigen Jahren Bewohner des zwischen Grünberger und Rödgener Straße sowie dem Heyerweg gelegenen Professorenecks. Die Zahlen, die HessenMobil im Rahmen der jüngsten bundesweiten Verkehrszählung für den »Gießener Ring« zwischen 2010 und 2015 erhoben hat, bestätigen die Bewohner nachträglich.

Im Abschnitt zwischen der Anschlussstelle Ursulum und der Behelfsabfahrt zur Grünberger Straße stieg die Zahl der Fahrbewegungen von 46 600 auf 50 400. Bis auf drei Abschnitte im Bereich Nordkreuz und Wettenberg war auf der Gießener Stadtautobahn vor zwei Jahren deutlich mehr los als noch vor sieben Jahren. Den höchsten Anstieg registrierte HessenMobil auf der A 485 im Zählabschnitt zwischen Licher und Grünberger Straße: 2010 wurden hier gut 49 000 Kfz gezählt, 2015 über 59 000. Mit 63 000 wurden die meisten Fahrten zwischen dem Bergwerkswald und dem Schiffenberger Tal registriert; fast 7000 mehr als 2010.


Weniger Lkw-Verkehr

Nicht gewachsen ist der Anteil des Schwerverkehrs, der sogar fast überall zurückging und auf dem »Ring« einen Anteil von teilweise deutlich unter zehn Prozent hatte. Ausnahme bleibt der Abschnitt vor dem Reiskirchener Dreieck mit über 18 Prozent Lkw-Verkehr.

Der Stadtpolitik bieten die Zahlen einen Anlass, einige alte Forderungen zu erneuern. Ganz oben auf der Liste steht die Wiedereinführung von Tempo 100 auf der A 485, das der hessische Verkehrsminister Dieter Posch (FDP) 2010 aufgehoben bzw. durch Tempo 120 ersetzt hatte. »Wir als Grüne und ich als städtische Verantwortliche sind politisch der Meinung, dass die Geschwindigkeit hier wieder auf 100 herabgesetzt werden sollte«, sagt Umweltdezernentin Gerda Weigel-Greilich. Für Tempo 100 auf der Südtangente des »Gießener Rings« wird mittlerweile nicht mehr nur mit Sicherheitsaspekten argumentiert, sondern vor allem mit dem Lärmschutz. Weigel-Greilich verweist auf Untersuchungen, die im Zuge der Lärmaktionsplanung durchgeführt wurden. Danach würde eine Rückkehr zu Tempo 100 zum Beispiel für die vom Autobahnlärm betroffenen Bewohner des Eichendorffrings eine Lärmminderung um immerhin zwei Dezibel bringen.

Um ein Tempolimit zu begründen, ist freilich eine Minderung um drei Dezibel nötig.


Rückkehr zu Tempo 100?

Dass Tempo 100 nicht längst wieder gilt, obwohl die Grünen seit 2013 den Verkehrsminister in Hessen stellen, führt Gießens Bürgermeisterin darauf zurück, dass die A 485 eine Bundesfernstraße ist. Ihr Parteifreund Tarek Al-Wazir könne »nicht so ohne Weiteres« neue Geschwindigkeiten anordnen. So habe die Stadt auch erst unter Einschaltung von Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) verhindern können, dass das Land auf Druck des Bundes die Behelfsabfahrt zur Grünberger Straße schließt.

Vergeblich wünscht sich die Stadt auch seit vielen Jahren auf der Rückseite des Gewerbeparks Grünberger Straße eine Auffahrt zum »Ring« Richtung Süden und am Leihgesterner Weg (Oberhof) eine Anschlussstelle. Aufgrund der Entwicklung im US-Depot findet Weigel-Greilich die Auffahrt an der Grünberger Straße mittlerweile »wichtiger«, um die Entlastungsfunktion der Autobahn für den Stadtverkehr zu erhöhen.

Keine endgültige Erklärung hat die Stadt dafür, dass der Verkehr zwischen Wieseck und Ursulum laut Verkehrszählung um etwa 20 000 Fahrten zugenommen haben soll; von 30 000 in 2010 auf 50 000 in 2015. Dabei müsse es sich um einen »Übertragungsfehler« handeln, meint der städtische Verkehrskoordinator Ralf Pausch und verweist darauf, dass an der Stelle 2000 bereits 44 000 Fahrten gezählt wurden. Ein Rückgang um 15 000 bis 2010 sei völlig unrealistisch.

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