17. Januar 2013, 17:53 Uhr

Martin Noll und Andreas Weische im Alten Schloss

Nach längerer Zeit präsentiert Museumsdirektor Dr. Friedhelm Häring wieder einmal eine Doppelausstellung im Alten Schloss. Eingeladen hat er zwei Maler, die in ihren Bildern auf unterschiedliche Weise ihren fantastischen Vorstellungen Raum geben.
17. Januar 2013, 17:53 Uhr
Der Blick in die Ausstellung zeigt zwei großformatige Bilder von Andreas Weische: hinten das »fliegende Buch«. (dkl)

Der eine farbstark, detailgenau und großformatig, der andere zurückhaltend in Farbigkeit und Details, in seiner Motivik aus den Tiefen des kulturellen Unbewussten der westeuropäischen Kunstgeschichte schöpfend. Zur Vernissage begrüßte Oberbürgermeisterin und Kulturdezernentin Dietlind Grabe-Bolz die Besucher.

Andreas Weische (geb. 1964) stammt aus dem Sauerland und hat in Hagen, in einem verwunschen wirkenden Schlösschen (Haus am Ruhreck), sein Atelier und seit einigen Jahren auch seine Kunstschule. Dorthin lädt er Gastlehrer ein, unter anderem Ben Kamili, der vor gut zwei Jahren ebenfalls in Gießen ausstellte. Weische absolvierte das Studium der Gestaltung und eine Ausbildung zum Goldschmied, dann begegnete er 1992 der Fantastik von Prof. Ernst Fuchs und wurde dessen Schüler. Seitdem bewegen sich seine Bildinhalte zwischen Vision und Wirklichkeit, schöpfen aus Übergangszuständen der Wahrnehmung und dem Innern der Seele. Schon die farbigen Untergründe – assoziative Wolken, Himmel, Landschaft und Meer –, versetzen in eine merkwürdig unbestimmte Atmosphäre. Auf diesen Untergrund malt er isolierte Objekte, die wie schwebend wirken, etwa Fische, Holzlatten und eine Schraube. Ob ein innerer Zusammenhang zwischen ihnen besteht, bleibt der Interpretation des Betrachtenden überlassen. Von Weische sind auch Grafiken zu sehen, die eine ganz andere künstlerische Sprache haben, die Linienführung beim Don Quichotte etwa ist wie befreit.

Martin Noll (geb. 1960) stammt aus Nordhessen und lebt seit Jahren in Berlin, dort studierte er Grafik und Malerei. Er hat künstlerische Drucktechniken auf besondere Weise verfeinert, kombiniert sie mit Malerei. Seine Bilder haben eine historische Anmutung, wirken in ihrer Nichtfarbigkeit wie Stein oder Pergament, auf dem sich scheinbar zufällig Schriften und Figürliches abgedruckt haben.

In Gießen ist eine Serie von Arbeiten auf Papier zu sehen, für die er den Text eines italienischen Liederbuchs aus dem 17. Jahrhundert mit Figurationen kombinierte. Wobei der Wortinhalt keine Rolle spielt, die roten Druckbuchstaben sind ebenso ästhetischen Prinzipien unterworfen wie die figurativen Elemente. Zu diesen gehören Zitate der klassischen Antike, wie die tänzelnde Kuh Europa, oder Bildmotive von italienischen Palazzi und Renaissance-Gemälden – alles berührend vertraut und doch fremd. Von beiden Malern gibt es einen Katalog.

Zu sehen ist die Ausstellung im Alten Schloss am Brandplatz bis zum 10. März, geöffnet ist sie Dienstag bis Sonntag von 10 bis 16 Uhr, geschlossen vom 10. bis 12. Februar (Fasching). Dagmar Klein

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