21. Januar 2011, 18:10 Uhr

Magier Farid ist der Meister der Illusionen

Magier Farid feierte in der Admiral Music-Lounge die Premiere seines neuen Programms. Er wird dort an den kommenden Donnerstagen erneut auftreten.
21. Januar 2011, 18:10 Uhr
Magier Farid posiert nach der Show für den Fotografen. (Foto: mlu)

»Sie schießen jetzt auf mich!« Ungläubiges Gekicher wird ob der kühnen Ansage in der Music-Lounge laut. »Sie versuchen, auf mein Gesicht zu zielen. Zielen Sie!«, ermuntert Farid den Schützen, der nun entschlossen die Paint-Ball-Waffe gegen den Magier in Anschlag bringt, die Entfernung beträgt etwa drei Meter. Justament hält das Publikum den Atem an. Denn hier hört der Spaß allmählich auf. Aber natürlich soll er schießen! Das ist der Kitzel, den der Magier Farid bei seiner Premiere im Admiral der geladenen Gesellschaft verschafft. »Bei drei schießen sie«, befiehlt er und beginnt zu zählen: »Eins. Zwei. Drei!« Der Schütze zögert, die Spannung steigt. »Schwer für Sie?«, fragt noch Farid, doch in diesem Moment fällt der Schuss. Der Zauberkünstler taumelt zurück, verschwindet kurz in der Rauchwolke, die mit dem Knall plötzlich den rechten Teil der Bühne verschleiert. Das retardierende Moment wirkt irritierend auf die Leute im Saal, womöglich auch für den Magier - ist der Trick gescheitert? Doch da taucht er wieder auf, die Augen weit geöffnet, wie erstaunt und auch erschrocken über seine eigenen übernatürlichen Fähigkeiten, denn das Geschoss klemmt zwischen seinen Zähnen. Es trägt die Signatur des Schützen, eine Verwechslung scheint also ausgeschlossen.

Farid hat ein Faible für diese Nummern, bei denen er seine Gesundheit aufs Spiel setzt, sich gar mit dem Nimbus der Unsterblichkeit geriert. An anderer Stelle verschluckt er ein Garn, dem er ein halbes Dutzend Rasierklingen folgen lässt, um sie anschließend wie eine Perlenkette aus seinem Rachen hervorzuziehen. Er spielt das ganz vorzüglich und das Publikum ist begeistert. Manche seiner Tricks wirken allerdings auch wie alberne Karnevalsnummern. Wenn er das Garn durch seinen Hals führt, um den Kehlkopf nach Kräften zu scheuern, dann wird einem klar, warum er sich nicht nur vor, sondern auch nach der Show so lange in der Garderobe konzentrieren muss. Und auch mit dem Feuerzeug, mit dem er sich die Finger verbrennt, hat es augenscheinlich eine besondere Bewandtnis, denn später am Abend sind die mutmaßlichen Wunden schon wieder verheilt.

Aber kommt es darauf an? Zwar bezeichnet sich Farid als Magier und Mentalist, doch anders als ein Oskar Lautensack zielt er nicht darauf ab, sein Publikum tatsächlich von der Existenz höherer Mächte zu überzeugen. Fingerfertig, psychologisch und rhetorisch gewieft und als ein Könner der unscheinbaren Ablenkung, will er sein Publikum verblüffen und unterhalten. Gewiss, immer wieder versichert er, dass keine Absprachen mit den Probanden getroffen, dass sämtliche Requisiten echt sind, doch das soll lediglich klarstellen, dass seine Tricks nicht jeder vollführen könnte, selbst dann nicht, wenn er in ihre Betriebsgeheimnisse eingeweiht wäre. Vielmehr sind sie das Ergebnis jahrelanger Übung in der geheimnisvollen Kunst des Illusionismus. Und die beherrscht Farid so eindrucksvoll, dass man gelegentlich dann doch geneigt ist, ihm metaphysische Fähigkeiten zu unterstellen. Denn wie kann es sein, dass sich dieses zweifellos echte 50-Cent-Stück in seinen Händen krümmt?

Und auch wie er das mit den Karten macht, ist nicht zu durchschauen. Besonderen Eindruck hinterlassen die »Experimente«, die er als Mentalist anstellt, wenn er Vorhersagen trifft oder Gedanken liest. »Visualisiere deinen Traum« bittet er die junge, etwas verschüchterte Dame, die er auf die Bühne gebeten hat. Sie soll sich ihren Traumurlaub vorstellen. Die Einbeziehung des Publikums ist ein fester Bestandteil der Show. »Stell es dir genau vor, du darfst nicht nervös sein. Wir tasten uns langsam ran. Es ist eine kalte Stimmung, ja?« Natalie, so heißt sie, nickt. »Es ist eine Aktivität, du tust es nicht allein, ja?« Wieder nickt sie. »Sehr gut, sehr gut, nichts sagen... ähm... stell es dir vor, ganz langsam, du hast einen Traum im Kopf. Ich sehe ein Wetter... ähm... es ist kalt«, etcetera, et cetera und schließlich: »ich glaube, du baust einen Schneemann.« Noch einmal nickt sie wortlos. »Dankeschön.« Applaus. Und dann spielt der Mentalist Frau Holle: indem er seine Finger reibt, sprüht künstliches Weiß aus den gefalteten Händen empor. Die Gäste des Abends fühlen sich glänzend unterhalten.

Und das Admiral? Mit dem »Inside Magic - werde Teil der Show«-Programm des TV-Magiers hofft man einen Publikumsmagneten engagiert zu haben, der Woche für Woche die Menschen nicht nur aus der unmittelbaren Region anziehen wird. Und der Auflauf prominenter Köpfe, der mit Farids Premiere einherging, dürfte den kühnen, doch mitnichten abwegigen Ambitionen der Veranstalter geschmeichelt haben. Ob es dabei bleibt? Abwarten. Eines steht indes doch fest: Die Show ist sehenswert und definitiv eine Bereicherung für Gießen. mlu

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