27. März 2015, 18:03 Uhr

Maddin Schneider macht in einer Oper mit

Mit Oper hatte der Comedian Maddin Schneider bislang eigentlich nichts am Hut – und jetzt singt es sogar in einer mit.
27. März 2015, 18:03 Uhr
Comedian Maddin Schneider (l.) macht gemeinsam mit Dirigent Michael Hofstetter und Regisseur Balázs Kovalik (r.) Werbung für »Der misslungene Brautwechsel«. (Schepp)

Am Gründonnerstag, 2. April, debütiert er am Stadttheater – neben hochkarätigen Gesangssolisten – als Gelasius in der Barockoper »Der misslungene Brautwechsel«. »Ich versuche, mich an die Noten zu halten«, versprach der Komiker beim Pressegespräch, um gemeinsam mit Dirigent Michael Hofstetter, Regisseur Balázs Kovalik und Dramaturg Christian Schröder für den neuesten Coup des Stadttheaters zu werben.

Ein solcher ist auch Georg Philipp Telemann gelungen, als er die Oper »Ricardo I.« seines Freundes Georg Friedrich Händel für sein Hamburger Opernhaus umarbeitete, um die Oper mit ihrer doch eher überschaubaren Handlung humorvoller und abwechlungsreicher zu gestalten. Premiere war dort 1729.

In Gießen setzt Regisseur Kovalik – von seiner spektakulären »Agrippina«-Inszenierung noch bestens in Erinnerung – noch einen drauf. Bei ihm ist Gelasius kein Philosoph, sondern Wirt in einem von Bühnenbildnerin Angelika Höckner im Retro-Look konzipierten Diner. Skurrile Szenen, jede Menge Anspielungen und beste Unterhaltung sind garantiert. Und weil man außerdem noch ein bisschen Lokalkolorit haben wollte, wurde Maddin Schneider für die Rolle des Gelasius gewonnen. Sein manieriertes und gedehnt ausgesprochenes, eigenwillig betontes Hessisch ist sein Markenzeichen. »Aschebeschä« – mit stimmhaftem »sch«, für »Aschenbecher« – ist durch ihn zum geflügelten Wort geworden. Nun steht dieser »Aschebeschä« vielleicht sogar auf dem Tresen vor ihm. In »Der misslungene Brautwechsel« schütten Wirt Gelasius, der eng mit der Bühnenfigur des Maddin verbunden ist, nicht nur die schöne Berengera, die der legendäre König Richard Löwenherz zur Frau nehmen will, und dem von König Isacius stattdessen dessen Tochter Formosa als Auserwählte untergejubelt werden soll, ihr Herz aus. Diese Szenen sind in bester Volkstheatermanier gehalten – wie geschaffen für einen Vollblutkomiker wie Maddin Schneider. Der zeigt sich ganz beeindruckt von der barocken Musik, die »ordentlich groovt«. Das ein oder andere Rezitativ hat er sogar mit eigenen Einfällen bereichert – »das ließ sich net vermeide«, scherzt Maddin und wird den Gießener »Brautwechsel« mit seiner in Film und auf Comedy-Tour, aber eben noch nicht auf einer Stadttheaterbühne erprobten Präsenz zu einer vielbeachteten Opernfassung machen.

Weil die Oper im Original schon vier Stunden dauert, mit den diversen Gießener Änderungen ganze fünf Stunden gefüllt hätte, wurde ordentlich gestrichen. Und sogar ein neues Ende entwickelt. Ein Happy End wird es aber sicher nicht, denn Regisseur Kovalik verspricht gar eine Leiche auf offener Bühne – mehr wird aber nicht verraten.

Barock-Spezialisten als Solisten

Verraten werden soll aber die exzellente Besetzung der anspruchsvollen Gesangspartien. Das Feuerwerk an spektakulären Arien und Duetten in deutscher und italienischer Sprache mit deutschen Übertiteln brennt ein junges Ensemble von Barock-Spezialisten ab. In den beiden Primadonnen-Partien der Berengera und ihrer unfreiwilligen Nebenbuhlerin Formosa treten Naroa Intxausti vom Stadttheater und als Gäste Francesca Lombardi Mazzulli alternierend mit Alexandra Samouilidou auf. Die zwei Könige werden von Tomaš Král (Ricardus) und Yannis François verkörpert. Weitere Rollen singen die Countertenöre Magid El-Bushra und Jakub Jozef Orlinski.

Premiere hat »Der misslungene Brautwechsel oder Riccardo I.« am Gründonnerstag, 2. April, um 19.30 Uhr im Großen Haus des Stadttheaters. Weitere Vorstellungen sind am 10., 18. und 26. April, 10. und 21. Mai und 20. Juni jeweils um 19.30 Uhr. gl

Schlagworte in diesem Artikel

  • Comedians
  • Georg Friedrich
  • Georg Friedrich Händel
  • Georg Philipp
  • Georg Philipp Telemann
  • Musikverein Griedel
  • Oper
  • Regisseure
  • Richard I. König von England
  • Yanni
  • Lädt

    Schlagwort zu
    Meine Themen

    Sie haben bereits 15 Themen gewählt

    Sie folgen diesem
    Thema bereits

Klicken Sie auf ein Schlagwort, um es zu „Meine Themen” hinzuzufügen oder weitere Inhalte dazu zu sehen.


0
Kommentare | Kommentieren

Bilder und Videos

Kommentare

Kommentar hinzufügen

Kommentar schreiben - Ihre Meinung zum Thema ist gefragt


Kommentare werden erst nach einer Prüfung durch die Redaktion veröffentlicht. Bitte beachten Sie die Netiquette sowie die Hinweise nach dem Absenden Ihres Beitrags.


Überschrift
Meine Meinung





Sie haben noch kein Login? Jetzt kostenlos registrieren.

Registrieren Sie sich kostenlos um Ihren Kommentar abzuschließen:

Wir garantieren Ihnen, dass alle persönlichen Daten nur beim Verlag intern verwendet werden und nicht ohne Zustimmung an Dritte weitergegeben werden.


Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:
Wieviel ist 1 + 2: 




Sie sind bereits registriert? Zurück zum Login.