15. September 2018, 09:00 Uhr

»Mentor«

Lesen lernen mit Spaß

Mit fünf Ehrenamtlichen hat »Mentor« 2013 in Gießen begonnen, Schülern den Spaß am Buch zu vermitteln. Fünf Jahre später wird der Verein von 130 Mentoren unterstützt. Eine Erfolgsgeschichte.
15. September 2018, 09:00 Uhr
Lesen in entspannter Atmosphäre: Die Freude an der Lektüre merkt man sowohl dem Mentor als auch dem Schüler an. (Foto: pm)

Lesen ist nach wie vor die Schlüsselqualifikation für die Teilhabe an der Gesellschaft. In Deutschland kann knapp ein Fünftel der Zehnjährigen dennoch nicht so lesen, dass der Text verstanden wird. Das Ergebnis dieser IGLU-Studie (Internationale Grundschul-Lese-Untersuchung) von 2016 geht einher mit einer wenig schmeichelhaften Entwicklung im internationalen Vergleich. Demnach ist Deutschland seit 2001 von Platz fünf auf Rang 21 aller beteiligten Länder abgerutscht.

Eine traurige Bilanz, die zugleich Bestätigung für einen Gießener Verein ist, dass er mit seinen Bemühungen an der richtigen Stelle ansetzt. »Mentor – die Leselernhelfer« ist eine Initiative, die von Dr. Annika Kruse und Dr. Amelie Haas vor fünf Jahren gegründet wurde mit dem Ziel, Kindern Lust am Lesen zu vermitteln, ihnen zu zeigen, wie Bücher neue Welten eröffnen. Unterstützt wurden sie damals von fünf Helfern. Mittlerweile arbeiten rund 130 Mentoren ehrenamtlich für den Verein. Der Bedarf ist damit aber längst nicht gedeckt. »In diesem Schuljahr herrscht ein echter Mangel«, berichtet Kruse.

 

Treffen meist einmal pro Woche

»Mentor« arbeitet mit fast allen Gießener Grundschulen sowie mit einigen weiterführenden Schulen zusammen. Meistens melden sich Lehrkräfte beim Verein, wenn sie bei Schülern eine Leseschwäche registrieren oder bemerken, dass ein Kind nicht ausreichend gut Deutsch spricht. »Wir stellen den Kontakt her, der Mentor macht anschließend einen Termin aus«, beschreibt Haas das weitere Vorgehen. Leselernhelfer und Schüler lernen sich in der Schule kennen, sie treffen sich meist einmal wöchentlich in einem Raum der Grundschule. »Wichtig ist die 1:1-Betreuung in einer schönen Lernatmosphäre«, betont Kruse.

Entscheidend ist aber auch, dass die Chemie stimmt und dass die Beteiligten Themen finden, die sowohl den Kindern als auch den Mentoren Spaß machen. »Das kann ein Buch über Prinzessinnen oder über Fußball sein, wir haben aber auch nichts gegen einen Superhelden-Comic«, erläutert Kruse. Die Herausforderung für die Mentoren besteht darin, Lektüre zu finden, die die Kinder anspricht und begeistert. Dabei werden sie von der Gießener Initiative, aber auch von Sponsoren wie Thalia unterstützt.

Die meisten Kinder finden es prima, wenn sich ein Erwachsener in der Schule eine Stunde lang nur um sie kümmert. Dennoch ist es aus Sicht der beiden »Mentor«-Betreiberinnen »eine Illusion zu glauben, dass man mit Kindern 45 Minuten oder mehr in einem Buch lesen kann«. Die Stunde kann auch mit einem kurzen Gespräch über ein aktuelles Thema beginnen und sich erst später der Lektüre widmen. Dass die wöchentlichen Treffen mit den Leselernhelfern auf Dauer zu einer höheren Sprachkompetenz und zu einem größeren Wortschatz führen, »ist für alle Bereiche der Schule und des Lebens gut«, unterstreicht Haas.

 

Viele junge Mitarbeiter

Wichtige Voraussetzung für Mentoren sei der Spaß am Lesen und die Freude im Umgang mit Kindern. In Gießen ist im Vergleich zu anderen »Mentor«-Städten der Anteil junger Mitarbeiter relativ hoch. »Man merkt, dass wir eine Studentenstadt sind«, erklärt Kruse. Während studentische Helfer meist nur bis zu ihrem Abschluss als Mentoren arbeiten, bleiben ältere Menschen im Seniorenalter »bei der Stange«. Die Reaktionen seitens der Grundschulen sind positiv: »Viele Lehrer finden es super, dass es uns gibt.« Das unterstreicht auch Astrid Eibelshäuser. Die Schuldezernentin unterstützt als Schirmherrin die Arbeit des Vereins. »Die Lesementoren sind eine wichtige Ergänzung zu dem, was Schule leisten und bieten kann.«

»Mentor – die Leselernhelfer« sucht weitere Mentoren, die Kinder durch individuelle Leseförderung dabei unterstützen, Lese- und Sprachkompetenz auszubilden. Kandidaten brauchen ein polizeiliches Führungszeugnis, müssen eine Selbstverpflichtungserklärung sowie eine Datenschutzerklärung ausfüllen. Interessenten wenden sich an Dr. Annika Kruse und Dr. Amelie Haas (Tel. 0641/9718785/AB). Das Büro in der Katharinengasse 5 ist donnerstags von 10.30 bis 12.30 Uhr besetzt. E-Mail: info@mentor-giessen.de, Internet: www.mentor-giessen.de.

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