27. Juni 2018, 11:01 Uhr

Leitungswasser

Leitungswasser in Flaschen für lau in Innenstadt Gießen

Wir ertrinken im Plastikmüll. In Gießen gibt es jetzt eine Kampagne, um etwas gegen die Umweltverschmutzung zu unternehmen.
27. Juni 2018, 11:01 Uhr

Von Christoph Hoffmann , 1 Kommentar
Nicht nur in Bettina Selmers Geschäft gibt es neuerdings kostenlos Wasser. (Foto: chh)

Hunderte Milliarden Plastikflaschen werden weltweit pro Jahr verkauft. In den Ozeanen gibt es »Müllinseln« so groß wie Indien, die zum Großteil aus Plastik bestehen. Und auch wir Deutschen leisten dazu unseren Beitrag: »Pro Stunde werden in Deutschland zwei Millionen Plastikflaschen verbraucht«, betont Bettina Selmer und bezieht sich damit auf eine Statistik der Deutschen Umwelthilfe. Die Chefin des auf Wohn- und Modeaccessoires spezialisierten Geschäfts »Tingal« in der Marktstraße will dabei helfen, diesen Plastik-Wahn einzudämmen. In ihrem Laden kann daher jeder Gießener seine Trinkwasserflasche kostenlos mit Leitungswasser auffüllen lassen. Zu erkennen ist das an einen tropfenförmigen blauen Aufkleber, der am Schaufenster klebt. Bettina Selmer beteiligt sich damit an einer bundesweiten Kampagne names »Refill Deutschland«, die 2017 in Hamburg ins Leben gerufen wurde.

 

Kampagne »Refill Deutschland«

Leitungswasser ist das am stärksten kontrollierte Lebensmittel in Deutschland. Laut Stiftung Warentest ist es nicht schlechter als gekauftes Mineralwasser. Das Wasser aus dem Hahn enthält sogar oft mehr Mineralstoffe und weniger ungesunde Rückstände als die Konkurrenz aus der Flasche. Obendrein kommt das Gießener Wasser aus Allendorf bzw. Grünberg, während gekauftes Mineralwasser oftmals viele Hundert Kilometer weit herangekarrt werden muss.

 

13 Geschäfte machen mit

Als Bettina Selmer das erste mal über das Refill-Projekt las, war sich gleich begeistert. »Ich bin schon immer eine kleine Öko-Tante gewesen und habe mich für die Vermeidung von Plastik eingesetzt.« Doch sie wusste, dass sie mit ihrem Laden alleine nicht viel ausrichten konnte. Also kontaktierte sie ihre Kollegen vom BID Marktquartier. Mit Erfolg. »Inzwischen haben 12 weitere Länden zugesagt«, freut sich die Gießenerin. Wenn es nach ihr geht, werden künftig noch viele weitere hinzukommen.

Vermutlich werden sich auch jetzt schon die meisten Geschäftsinhaber nicht weigern, die Trinkflaschen der Passanten aufzufüllen. Und an den Wasserhähnen auf den Gästetoiletten ging das schon immer, auch ohne Aufkleber. Bettina Selmer weiß das natürlich. »Aber durch die Kampagne ist es wahrscheinlicher, dass der Gedanke der Müllvermeidung sich in den Köpfen festsetzt.«

Das Auffüllen von Trinkwasserflaschen ist nicht das erste Projekt in Sachen Müllvermeidung. Inzwischen sind fast alle Bäckereien und Cafés in der Gießener Innenstadt bereit, Kaffee direkt aus den Automaten in Mehrweg- oder Thermotassen zu füllen. Plastiktüten gibt es in den meisten Geschäften gar nicht mehr oder lediglich gegen Gebühr. Eine Entwicklung, die auch Bettina Selmer bestärkt. »Mit ›Refill Deutschland‹ alleine werden wir das Problem nicht lösen können«, sagt sie. Aber zumindest sei es ein weiterer Schritt in die richtige Richtung.

13 Geschäfte machen mit

Hier gibt's kostenloses Wasser

Die Käseglocke, Lindenplatz 6

Pelzmoden Zawadzki, Kirchenplatz 9

Kirchenladen Gießen, Marktplatz 7

Modehaus Götz, Marktplatz 6

Möbel Hahn, Marktstraße 4

I-Wear, Marktstraße 8

Augenoptik Rau, Marktstraße 12

Yogastudio Gießen, Marktstraße 27

Tingal accessoires, Marktstraße 27

Gartenbau Koch, Marktstraße 1

Weltladen Gießen, Schulstraße 4

Fuhr Spiel-Freizeit-Hobby, Sonnenstraße 23-31

Klatschmohn Naturkost, Neuen Bäue 16

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