Luftrettungszentrum

Lebensretter mit 2000 PS

Eine FDP-Delegation hat das Gießener Luftrettungszentrum besucht. Wegen Feinstaubs gibt es dort mittlerweile eine neue Ab- und Anflugroute.
11. Juli 2018, 19:00 Uhr

Von Burkhard Möller , 1 Kommentar

Die meisten Gießener kennen »Christoph Gießen« nur aus der Distanz, wenn der rot-weiße Lebensretter über ihnen zum nächsten Einsatz fliegt oder auf dem Uniklinikum landet. Am Montag vor einer Woche setzte der Airbus AS 365 N3 beim dramatischen Rettungseinsatz in der Krofdorfer Straße mitten in der Stadt auf der Sachsenhäuser Brücke auf.

Viele haben sich gefragt, warum das schwerverletzte Kleinkind nicht einfach mit dem Rettungswagen ins Uniklinikum gebracht wurde. »In Gießen war kein Schockraum frei. Die Leitstelle hat entschieden, das Kind mit dem Hubschrauber nach Marburg zu bringen«, berichtet Günther Lohre im Besprechungsraum des Luftrettungszentrums an der Lahnstraße.

"Christoph" im Einsatz

Zu Gast bei den Johannitern ist am Dienstagvormittag eine Delegation der heimischen FDP mit dem Bundestagsabgeordneten Hermann Otto Solms, dem Kreisvorsitzenden Dennis Pucher sowie den Landtagskandidaten Manuela Giorgis und Klaus Doll. »Christoph Gießen« ist gerade im Einsatz und bringt einen Intensivpatienten von Gießen nach Marburg, erklärt Lohre. Der Licher ist ein alter Hase und koordiniert die Luftrettung der Johanniter mittlerweile bundesweit. »Wir fliegen für das Leben« steht unter der ersten Folie, die er den Gästen zeigt.

Der Einsatz nach der Bluttat in der Weststadt in der vergangenen Woche sei speziell gewesen, weil die Hubschrauber eher selten mitten in einer größeren Stadt landen, erklärt Lohre. Dort seien die Risiken einfach höher. So hätten zum Beispiel Radfahrer die Absperrungen der Polizei ignoriert und seien nahe am Startplatz vorbeigeradelt.

Knapp 1000 Einsätze im Vorjahr

Zu fast 1000 Einsätzen hob der 2000 PS starke Helikopter, den die Johanniter gemeinsam mit dem Uniklinikum Gießen und Marburg betreiben, im vergangenen Jahr ab. Damit ist der in Gießen stationierte Intensivtransporthubschrauber (ITH) der meistbeschäftigte der Johanniter, die außer in Gießen ITH-Standorte in Reichelsheim, Bochum, Rostock und am Nürburgring betreiben. »Christoph Gießen« steht auch nachts bereit; eine »Besonderheit in der deutschen Luftrettung«, betonen die Johanniter.

Seit rund vier Jahren betreiben sie in Gießen das Luftrettungszentrum mit der markanten, zehn Meter hohen Start- und Landeplatzplattform. Nötig sei sie gewesen, weil im nördlichen Anflugkorridor ein Industrieschornstein steht, erläutert Lohre. Der laufende Betrieb wurde seitdem immer wieder nachjustiert. Lärmbeschwerden trage man mittlerweile Rechnung, indem der Heli bei »Sekundäreinsätzen« über die Lahnwiesen und dann entlang der Autobahn fliegt. Geht es indes bei »Primäreinsätzen« um Leben oder Tod, dann fliegt »Christoph Gießen« auch »quer über die Stadt«, sagt Lohre.

30.000 Liter im Tank

Und auch das Problem mit dem Feinstaub, den die Rotoren aus der benachbarten Schrottverwertung aufwirbelte, ist mittlerweile gelöst. Lohre: »Nach dem Start dreht die Maschine sofort nach hinten zum Bahnhof ab.« Man müsse sich immer wieder klarmachen, »dass da Menschen gerettet werden«, meint Solms zu den Beschwerden über Fluglärm.

Mittlerweile ist »Christoph Gießen« aus Marburg zurück, landet sicher auf der Plattform und erhält eine Kerosinspritze. 30.000 Liter fasst der Tank des Lufrettungszentrums. »Das reicht uns ein paar Tage«, sagt Pilot Ole Gehrmann und lacht dabei.

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