16. November 2018, 22:33 Uhr

Wort zum Sonntag

Last oder Ermutigung?

16. November 2018, 22:33 Uhr

Der November ist ein Monat voller Gedenktage. In unserem Lebensgefühl und in unserer Geschichte ist er verknüpft mit Ereignissen, die Anlass geben zu Betroffenheit und Trauer. So ist es auch mit dem morgigen Volkstrauertag. Ursprünglich war dieser Tag geschaffen worden, um der Opfer der beiden Weltkriege zu gedenken und die Verbundenheit mit den Familien zu stärken, die in diesen mörderischen Kriegen Angehörige verloren hatten. Abgesehen von der Zeit des Nationalsozialismus war dieses Gedenken meist auch verbunden mit dem Aufruf, aus den schrecklichen Ereignissen der Kriege die richtigen Schlüsse zu ziehen für ein verantwortliches Handeln in Gegenwart und Zukunft. Das ist bis heute nicht anders, und zahlreiche Reden regen zu intensivem Nachdenken an.

Solche Anstöße, scheint mir, sind heute wichtiger denn je. Denn die Kriege, die Anlass zum Volkstrauertag gegeben haben, sind nicht aus dem Nichts gekommen. Sie fußen auf einer Stimmungsmache, die Minderheiten ausgrenzt, Andersgläubige verunglimpft, Menschen mit anderem Aussehen der Kriminalität verdächtigt, die mit nationalistischen Tönen die Angehörigen des eigenen Landes für die besseren Menschen erklärt, die es vor den bösen anderen zu schützen gilt. Solche Töne sind in der politischen Debatte inzwischen wieder zu hören, beschämenderweise auch von gewählten Volksvertretern im Deutschen Bundestag. Wenn dann gegen Menschen Stimmung gemacht wird, die aus ihren Heimatländern geflohen sind, weil sie zwischen den Kriegsfronten dort zerrieben werden, oder weil ihnen unter anderem durch unseren ungebremsten Ressourcenverbrauch die Lebensgrundlagen entzogen ist, dann ist der Weg zu gewaltsamen Übergriffen auf Menschen anderen Glaubens oder fremden Aussehens nicht weit.

Als Christen sind wir gefordert, aufzustehen und uns solchen Entwicklungen entgegenzustellen. Gottes Liebe gilt allen Menschen, sie ist nicht teilbar.

Nun mag sich all das anfühlen wie eine Last, vor der man sich am liebsten wegducken möchte. Aber für uns Christen gilt noch etwas anderes: Im Gleichnis vom großen Weltgericht im Matthäusevangelium lesen wir den Satz Jesu: »Was ihr einem von diesen meinen geringsten Geschwistern getan habt, das habt ihr mir getan.« Im Klartext: Wo wir Menschen in ihrer Not sehen, ernst nehmen, achten und helfen, ihre Lebensgrundlagen zu verbessern, da begegnen wir Christus und in ihm Gott selbst. Das ist viel mehr als eine Forderung, das ist eine Verheißung, die uns Mut machen will.

Pfarrer Thomas Born

Evangelische Klinikseelsorge Gießen

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