Zirkusgastspiel

Kuscheln mit einem Zehn-Zentner-Löwen

An den Hessenhallen steht seit Montag ein riesiges weiß-rotes Zirkuszelt. Ab Dienstag gastiert »Charles Knie« in Gießen. Die Löwen und Tiger von Alexander Lacey sind die Stars der Manege.
02. Juli 2018, 17:46 Uhr

Plötzlich kommt Bewegung in Max und Kashmir. Die beeindruckenden Großkatzen tigern im wahrsten Sinne es Wortes in ihrem Käfig herum, weil gegenüber gerade ein Büffel an den Wassertrog herangetreten ist und säuft. Auf der anderen Seite der großen Käfiganlage traben einige Zebras vorbei, der neunjährige Zehn-Zentner-Löwe Massai hebt kurz den Kopf, dann legt er sich wieder auf die Seite und blinzelt in die Sonne. »18 bis 22 Stunden verbringen die Katzen mit Schlaf«, erklärt ihr »Chef«, der weltweit bekannte Dompteur Alexander Lacey.

Am Montag haben er und seine 13 Löwen und Tiger noch frei, ab Dienstag sind sie an den Hessenhallen in der Manege zu sehen. Laceys Raubkatzen-Dressur ist der Topact von »Charles Knie«. »Wir sind natürlich froh, dass er wieder bei uns ist«, sagt Zirkussprecher Patrick Adolph.

Zirkustiger in neunter Generation

Der smarte Engländer gehört zu einer Dompteurs-Dynastie, was auch für seine Tiere gilt. Die Löwen seien in der elften Generation, die indischen Tiger in der neunten Generation bei den Laceys. Die fünf bis neunjährigen Tiere, die mit ihm derzeit in der Manege auftreten, seien bei ihm geboren worden. Mit Massai kuschelt er ein bisschen für die Presse, den über 400 Kilo schweren Tigern Max und Kashmir verschafft er mit dem Schlauch eine Abkühlung.

 

Mit 12 stand er Raubkatzen das erste Mal in einem Käfig gegenüber. »Ich hatte so eine Angst. Die Tiere sehen schon von außerhalb beeindruckend groß aus. Wenn Du ihnen direkt gegenüber stehst, dann wirken sie noch um ein Vielfaches größer«, sagt Lacey. Das Risiko seines Berufs könne er einschätzen. Wenn ein Tier schlechte Laune habe, bleibe es eben aus der Vorstellung draußen. Ob die Besucher neun, elf oder 13 Tiere sehen, sei egal. Die Kritik an Wildtierdressuren kennt der 42-Jährige natürlich, hält sie aber nicht für gerechtfertigt: »Die richtige Wildnis, die existiert doch fast gar nicht mehr.« In freier Wildbahn würden die Katzen vielleicht zwölf Jahre alt, im Zirkus führten sie einen »gesunden und aktiven Lebensstil« und könnten bis zu 25 Jahre alt werden.

Mit fast 100 Leuten auf Tour

Laceys Tag beginnt um sieben Uhr mit einem Formcheck seiner Löwen und Tiger, eineinhalb Stunden Training schließen sich an, dann fressen die Katzen und ruhen bis zur ersten von zwei Vorstellungen, die jeweils zwischen 15 und 20 Minuten dauern. Zum Tagesabschluss gibt’s einen halben Liter warme Milch mit Lachsöl. Lacey: »Das macht das Fell geschmeidig«.

Einen Unfall habe er noch nie gehabt, nur ein paar Schrammen von seiner Löwin Prinzess, die in der Manege einen Scheinangriff auf den Rudelführer führen darf. »Die Leute wollen ja auch mal einen wütenden Löwen sehen«, sagt Lacey und lacht dabei.

Mit fast 100 Artisten, Tierlehrern und -pflegern, Musikern, Tänzerinnen und Arbeitern ist »Charles Knie« seit März auf Tournee, in Gießen gastierte das Traditionsunternehmen aus der Nähe von Göttingen zuletzt 2015. »Der Vorverkauf lief trotz Schwimmbadwetter gut«, sagt Pressesprecher Adolph. »Charles Knie« biete in einem modernen Rahmen ein »klassisches Zirkusprogramm« mit Artistik, Tierdressur und Clowns. Das Chapiteau biete Platz für fast 1500 Besucher und sei belüftet. Die Zirkusleute kommen aus zwölf Nationen, »Amtssprache ist Italienisch«, erläutert Adolph. Für Gießen passt das, denn azzurro ist auch der Himmel über dem Zirkuszelt an den Hessenhallen.

Bis Donnerstag

Fünf Vorstellungen

Fünf Vorstellungen gibt »Charles Knie« in Gießen: Am Dienstag und Mittwoch jeweils um 16 und 20 Uhr, am Donnerstag um 16 Uhr. Die Premiere heute um 16 Uhr ist zugleich die Familienvorstellung mit einem Einheitspreis von zehn Euro (Loge 15 Euro) auf allen Plätzen. Ansonsten kosten die Tickets zwischen 15 und 34 Euro, ermäßigt zwischen 12 und 30 Euro. Am Dienstag und Mittwoch (zehn und 13 Uhr) sowie in den Vorstellungspausen findet eine Tierschau statt, der Eintritt kostet vier Euro. Die Kasse ist für den Vorverkauf täglich ab zehn Uhr geöffnet, Info und Reservierung unter 0171/94 62 45 6. Infos im Internet: www.zirkus-charles-knie.de

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