07. September 2017, 20:38 Uhr

Kultur erleben in Taiwan

Mehr als 9000 Kilometer liegen zwischen Deutschland und Taiwan, dem Inselstaat vor Chinas Küste. Doch Andreas Walther pendelt schon im 20. Jahr regelmäßig als Künstler zwischen beiden Ländern. Nun will er in Taiwan den »Taipei Space« als Raum für interkulturellen Austausch eröffnen. Per Crowdfunding sucht er dafür Unterstützer.
07. September 2017, 20:38 Uhr
In dieser Bergsiedlung bei Taipei richtet Andreas Walther für ein Jahr den »Taipei Space« als Raum für künstlerische Arbeit und interkulturelle Begegnung ein. (Fotos: Schepp/pm)

Rund vier Millionen Menschen leben in Taipei im Norden Taiwans. In New Garden City, einer mit U-Bahn und Bus leicht zu erreichenden Bergsiedlung im Süden der Hauptstadt, wohnen zahlreiche Musiker, Regisseure oder Tänzer. Dort wird demnächst auch der Gießener Künstler Andreas Walther sein Zuhause auf Zeit beziehen – und lädt andere Kunstinteressierte und Kunstschaffende dazu ein, es ihm zumindest zeitweise gleichzutun. Per Crowdfunding sucht er noch bis zum 24. September Unterstützer für seinen »Taipei Space«, einen »Raum zur interkulturellen Begegnung«. 10 000 Euro benötigt er zur Finanzierung, rund 3000 Euro hat er bereits zusammen.

 

Drei Tage im »Taipei Space«

 

Taiwan ist aus Walthers Sicht ein höchst spannender Ort für den Kulturaustausch mit Fernost, weil hier einerseits kulturelle Inhalte aus China und Japan lebendig zusammenfließen und andererseits ein fundiertes Wissen über die Geschichte und aktuelle Entwicklungen der westlichen Kulturen lebendig ist.

Im 20. Jahr seiner künstlerischen und kuratorischen Arbeit zwischen Europa und Fernost geht es Walther vor allem um den Austausch zwischen Menschen und Künstlern unterschiedlicher Kulturen. In seinem »Taipei Space« – einer eher spartanisch möblierten Wohnung im dritten Stock eines Mehrfamilienhauses – stellt er den Raum für einen solchen Kulturaustausch zur Verfügung. »In dem Jahr, in dem für mich persönlich sehr viel passiert, will ich auch anderen die Gelegenheit geben, dort zu sein«, erläutert er. »Jeder kann für ein paar Tage kommen und sich umschauen. Interesse an Kunst sollte jedoch vorhanden sein.«

»Taipei Space« wird von Oktober 2017 bis September 2018 Atelier, Veranstaltungs- und Begegnungsstätte gleichermaßen sein. Hier können Künstler und Kunstfreunde kleine Tagesausstellungen organisieren, Gespräche führen oder Vorträge halten und hören. Gleichzeitig soll es auch Unterkunft für Interessierte aus aller Welt sein, die die fremde Kultur Taiwans abseits der üblichen Strukturen kennenlernen wollen. Sie können jeweils bis zu vier Wochen lang dort arbeiten und wohnen. Die Ergebnisse der Veranstaltungen und Begegnungen im »Taipei Space« (rechts die entsprechenden Schriftzeichen) werden in einem Blog dokumentiert, eventuell auch live auf Facebook übertragen.

Auf seiner Ende August gestarteten Crowdfunding-Plattform bietet Andreas Walther seinen Unterstützern als Gegenleistung für ihre Spende »Dankeschöns« an. Schon für zehn Euro gibt es eine von ihm gestaltete Postkarte aus Taipei. Wer zwischen 100 und 1300 Euro spendet, kann sich für kleinere limitierte Arbeiten Walthers entscheiden. Unter den »Dankeschöns« ist aber auch ein ganz ungewöhnliches Angebot: Für 350 Euro kann man einen dreitägigen Kurzaufenthalt im »Taipei Space« buchen und sich auf Wunsch auch vom Gastgeber durch die Stadt führen lassen. Walther will mit seinem Angebot Leute ansprechen, »die Interesse am Thema haben«, aber auch Kontakte vermitteln.

Er selbst wird während seines Aufenthaltes in Taiwan gleich drei Einzelausstellungen mit seinen künstlerischen Arbeiten bestreiten. Die erste ist schon im Oktober im Jinglü Art Space in Taipei zu sehen. Im Januar nächsten Jahres folgt, unterstützt vom Goethe-Institut Taipei und der deutschen Botschaft, eine Ausstellung zum Thema »Atmosphäre« in der »101 Gallery«. Diese befindet sich im legendären Wolkenkratzer »Taipei 101«, dem derzeit siebthöchsten Gebäude der Welt. Im August 2018 zeigt das MOCA, das Museum für zeitgenössische Kunst in Taipei, eine Retrospektive mit früheren Videoarbeiten und fotografischen Arbeiten Walthers zwischen 1997 und 2018.

 

Drei Ausstellungen in Taiwan

 

Andreas Walther, 1971 in Gießen geboren, studierte Medienkunst in Köln und von 2003 bis 2004 chinesische Sprache in Taipei. In dieser Zeit begann er auch seine künstlerische Arbeit zwischen den Kulturen Europas und des fernen Ostens. Seine Hauptthemen sind Medientheorie, Wahrnehmungsphilosophie und Daoismus. Er will Sehgewohnheiten aufbrechen und den Unterschied zwischen dem Empfinden in der Kunst und dem Abbilden in der Fotografie herausarbeiten. Anfang des Jahres war der Künstler, der sein Atelier in Heuchelheim hat und Mitglied des Neuen Kunstvereins Gießen ist, einer der Kuratoren der Ausstellung »Natur(en)« im Gießener KiZ, in der Künstler aus Ost und West den Naturbegriff untersucht haben. Das Gießener Kulturamt hatte ihm im März dieses Jahres den dritten Band seiner »Gießener Kunstreihe« gewidmet. Ende September wird Walther gemeinsam mit Thomas Vinson in der Kanzlei Advotec ausstellen.

Crowdfunding

Unterstützer gesucht>

Wer Andreas Walther und seinen »Taipei Space« unterstützen will, kann dies tun auf www.startnext.com/de/taipeispace/. Wer mehr über den Künstler und seine Arbeiten erfahren will, schaue einfach nach auf www.andreaswalther.de.

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