06. September 2018, 06:00 Uhr

Kunsthalle

Kostenexplosion in der Kunsthalle

Wichtigster Ausstellungsort für zeitgenössische Kunst zwischen Frankfurt und Kassel sein: Diesen Anspruch vertritt die Stadt Gießen mit der Kunsthalle im Rathaus. Das hat allerdings seinen Preis.
06. September 2018, 06:00 Uhr

Von Burkhard Möller , 4 Kommentare
Eine Einspielung bei der Ausstellung »Landscape Plays« zeigte grasende Schafe. (Foto: pm)

Einige Besucher waren eher ratlos, aber die meisten beeindruckt von dem, was sie zwischen Anfang Juni und Mitte August in der Kunsthalle erlebten: Sie betraten einen abgedunkelten und mit schwarzem Teppichboden ausgelegten Raum, in dem man auf fünf Flächen teils synchron laufende Videoarbeiten sah. Deren Tonspuren seien dermaßen stark aufeinander bezogen und miteinander verzahnt, dass das Hören auf erstaunliche Weise ins Zentrum der Wahrnehmung rücke, hieß es in der Besprechung der GAZ. »Es ist eine komplexe, als einstündiger Loop laufende Klangkomposition aus Stimmen, Geräuschen und Musik«, schrieb die Kollegin anlässlich der Eröffnung der Ausstellung »Landscape Plays« des bekannten Komponisten, Theatermachers und Hochschul-Professors Heiner Goebbels.

»Es war eine eher unübliche und sehr aufwendige Ausstellung. Einige Dinge wurden nicht einkalkuliert, und die Mittel haben dann nicht ausgereicht«, erklärt Oberbürgermeisterin und Kulturdezerntin Dietlind Grabe-Bolz auf Anfrage zu einer Vorlage, die ihre Unterschrift trägt.

Über 67 000 Euro hat der Magistrat als überplanmäßige Ausgabe für die Haushaltsstelle »Ausstellungen« genehmigt, am übernächsten Montag muss sich der parlamentarische Hauptausschuss mit der Kostensteigerung befassen. 57 000 Euro entfallen auf die »erst spät konkret bezifferbare und unvorsehbare Kostenentwicklung« bei den »Landscape Plays«, heißt es in der von Kuratorin Dr. Nadia Ismail verfassten Begründung für die überplanmäßige Ausgabe. Neben neuen technischen Anforderungen, die sich ergeben hätten, hätten eine von Goebbels angeforderte Fachfirma sowie zwei Assistenten des Künstlers bezahlt werden müssen. Die damalige Kulturamtsleiterin Simone Maiwald habe angewiesen, dass die Ausstellung »wie vom Künstler gewünscht« umgesetzt wird.

 

Sponsorengelder decken Kosten

 

Kulturdezernentin Grabe-Bolz, die als Kämmerin auch für die Stadtfinanzen verantwortlich ist, weist darauf hin, dass die Kostensteigerung weitgehend durch Sponsorengelder abgedeckt werden könne, die Kuratorin Ismail speziell für die Goebbels-Ausstellung und die Finanzierung des Katalogs eingeworben habe. Diese »Drittmittel werden in der Vorlage mit 44 500 Euro angegeben. »Letzlich legen wir 12 500 Euro drauf«, sagte Grabe-Bolz. An der Ausrichtung der Kunsthalle ändere der Vorgang nichts. »Wir wollen hier weiterhin sehr anspruchsvolle zeitgenössische Kunst von Künstlern präsentieren, die national und international einen Ruf haben«, betonte Grabe-Bolz.

Durchschnittlich finden pro Jahr vier Ausstellungen in der Kunsthalle statt, dafür stehen im Haushalt 2018 130 000 Euro zur Verfügung, nun sind es fast 200 000 Euro geworden. Da der Betrag unter 100 000 Euro liegt, muss die Ausgabe vom Stadtparlament nicht genehmigt werden.

Zusatzinfo

Raumklima beschädigt Kunst

Gut 67 000 Euro muss die Stadt für Ausstellungen in der Kunsthalle drauflegen, davon entfallen gut 10 000 Euro auf ein ernstes Problem. Bei der Ausstellung »Schwellengeschichten« der Künstlerin Mirjam Kuitenbrouwer sind zwischen November 2016 und Februar 2017 »erhebliche Schäden« an einigen Werken entstanden. Grund waren starke Temperaturschwankungen und eine zu hohe Luftfeuchtigkeit, die die Koppelung der Klimatechnik von Kunsthalle und benachbartem Konzertsaal verursacht. Ein Gutachter bezifferte den Schaden an den Kunstwerken auf über 18 000 Euro, davon sind noch 10 000 zu zahlen. Man sei dabei, das Problem zu lösen, sagte OB Grabe-Bolz. Die beschädigten Kunstwerke seien in den Fundus der Stadt übergegangen. Kuratorin Ismail spricht von »höchst problematischen« Klimaverhältnissen, die nicht dem Standard für einen Ausstellungsbetrieb entsprächen.

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