26. November 2014, 22:53 Uhr

Konzertsaal nach Musiker Hermann Levi benannt

Gießen (srs). Der vor fünf Jahren eingeweihte Konzertsaal im Rathaus trägt einen neuen Namen.
26. November 2014, 22:53 Uhr
Dieter Steil (v. l.), OB Dietlind Grabe-Bolz und Förderer Burkhard Schirmer nach der Enthüllung der Infotafel für den Hermann-Levi-Saal. (Foto: srs)

Benannt ist der Saal nun nach Hermann Levi – der »bisher bedeutendsten in Gießen geborenen oder mit Gießen verbundenen Musikerpersönlichkeit«, wie der ehemalige Geschäftsführer der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Gießen-Wetzlar, Dieter Steil, in einem Vortrag während einer Feierstunde am Dienstagabend hervorhob.

Durch die Umbenennung des Konzertsaals würdigt die Stadt den 1839 am Lindenplatz geborenen Dirigenten, Übersetzer und Musiker. Hermann Levi siedelte bereits als 13-jähriger nach dem Tod seiner Mutter sowie seiner Stiefmutter zu Verwandten nach Mannheim um. Sein Leben lang blieb er aber mit seiner oberhessischen Geburtsstadt verbunden, im Besonderen mit seinem in Gießen als Landesrabbiner tätigen Vater, Dr. Benedict Levi.

Unsterblich machte sich Hermann Levi vor allem als bedeutendster Wagner-Interpret seiner Zeit sowie als Dirigent und als Übersetzer unter anderem der italienischen Mozart-Opern »Figaros Hochzeit«, »Don Giovanni« und »Cosi fan tutte«. Auf ausdrücklichen Wunsch Richard Wagners dirigierte Levi zwischen 1882 und 1894 in Bayreuth den »Parsifal«. Eine regelrechte »Unterwerfungshaltung des sonst so selbstbewussten Künstlers« gegenüber dem Antisemiten Wagner werfe Fragen auf, räumte Steil ein. Zum eigenen Judentum sowie überhaupt zu jeglicher Religiosität habe Levi allerdings Distanz geübt, da er der Überzeugung gewesen sei, dass ein festsitzender religiöser Glaube Toleranz verhindere. Der Ansicht Levis nach konnte nur eine Macht als Grundlage für Freundschaft und »die Anerkennung des Gegenübers in seiner Eigentümlichkeit« dienen: Die Macht der Musik.

Während der Feierstunde im Hermann-Levi-Saal waren Vertonungen Levis von vier romantischen Gedichten erstmals in einer öffentlichen Aufführung in Gießen zu hören. So trugen Bariton Tomi Wendt und Evgeni Ganev am Klavier unter anderem Heines »Der Mond ist aufgegangen« vor. Darüber hinaus intonierten Herbert Gietzen und Ganev vor knapp 50 Zuhörern Levis Bearbeitung einer Komposition von Théodor Gouvy, »Hymne et marche«, bevor Oberbürgermeisterin Dietlind Grabe-Bolz vor dem Saal die neue Namenstafel enthüllte.

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