13. Dezember 2017, 19:41 Uhr

Kinder meiden das Schulklo

13. Dezember 2017, 19:41 Uhr

Von Armin Pfannmüller , 1 Kommentar
Baustelle Korczak-Schule: Während die Container wohl erst im kommenden Jahr bezogen werden, ist die neue Toilette (r.) seit Mittwoch geöffnet. (Foto: pd)

Eigentlich sollte das Thema Schadstoffbelastung durch Formaldehyd beim Elternabend in der Korczak-Schule im Mittelpunkt stehen. So richtig Fahrt nahm die Diskussion am Dienstagabend in der Aula des Schulzentrums Ost aber erst auf, als eine Mutter die Sprache auf die Schülertoiletten der Grundschule brachte. »Es gibt etliche Kinder, die bis 16 Uhr hier sind und in dieser Zeit nicht aufs Klo gehen«, sagte die Frau und berichtete von »maroden und schlecht gereinigten Toiletten«. Für Verwirrung bei Eltern und Kollegium sorgte zudem die Tatsache, dass die neu errichtete Toilettenanlage eine Woche nach dem vorgesehenen Termin noch immer verschlossen war. »Die neuen Toiletten sollten eigentlich schon am letzten Mittwoch eröffnet werden«, erklärte Schulleiter Dr. Matthias Fink.

Die Verzögerung konnte sich auch Uta Hinkelbein nicht erklären. »Ich war der Meinung, dass es längst passiert ist«, sagte die Leiterin des Schulverwaltungsamtes, die Lehrer und Eltern zuvor über Messungen in den Klassenräumen sowie die Einschätzungen des Gesundheitsamtes zum Thema Formaldehyd informiert hatte. Immerhin: Als diese Zeitung der Schule am Mittwoch einen Besuch abstattete, waren die neuen Toiletten geöffnet.

Viele Eltern sind allerdings grundsätzlich nicht zufrieden mit dem Zustand der Schulklos an der Korczak-Schule. »Im Moment gibt es eine Mädchen- und zwei Jungentoiletten«, berichtete einer Elternvertreterin. Das sei für eine Schule mit knapp 300 Kindern zu wenig. Auch die Reinigung lasse zu wünschen übrig. »Bei so vielen Kindern ist es zu wenig, wenn nur einmal täglich geputzt wird.« Insgesamt stehe den Reinigungskräften zu wenig Zeit zur Verfügung. »Die Putzfrauen waren durch, aber die Toiletten waren nicht geputzt«, hat eine Mutter vor längerer Zeit beobachtet. Dieses Problem sei nicht nur bei den Toiletten zu beobachten, ergänzte ein Mitglied des Personalrats und stellte fest: »Wir haben keine saubere Schule.« Ein weiteres Problem: »Wir haben an unserem Schulstandort keinen Hausmeister«, berichtete Fink. Der Hausmeister, der den Vollzug entsprechender Arbeiten kontrollieren könnte, befindet sich seit März in Elternzeit.

Entwarnung vom Gesundheitsamt

Nicht nur zufriedene Gesichter gab es auch bei der Bekanntgabe der Einschätzung des Gesundheitsamtes zu den Schadstoffmessungen an der Schule. »Sämtliche gefundenen Messwerte sind als gesundheitlich unbedenklich einzustufen«, zitierte Hinkelbein den pensionierten und vorübergehend reaktivierten Leiter des Amtes, Dr. Jörg Bremer. Nachdem im Verwaltungstrakt der zulässige Formaldehyd-Wert um das vier- bis fünffache überschritten worden war, hatte die Stadt als Schulträger auch Messungen in den Klassenräumen angeordnet. Diese seien unter »Worst case«-Bedingungen durchgeführt worden, sagte Hinkelbein. Die Ergebnisse hätten zwischen 0,047 und 0,095 Milligramm pro Kubikmeter und damit unter dem Vorsorgewert von 0,1 mg gelegen. Der Interventionswert, bei dessen Überschreitung Maßnahmen ergriffen werden müssen, liegt bei 1,0 mg Formaldehyd pro Kubikmeter Raumluft.

Ein Elternbeiratsvertreter erklärte, die Messwerte könnten im Sommer deutlich höher liegen als bei den derzeit kühlen Temperaturen. Eine Lehrerin pflichtete ihm bei und sagte, die Messungen seien unter deutlich besseren Bedingungen vonstatten gegangen als im realen Schulbetrieb. Es sei nicht immer möglich, die Räume wie empfohlen regelmäßig zu lüften.

Die Schulverwaltungsamtsleiterin erläuterte eine Reihe von Maßnahmen, die aufgrund der Schadstofffunde ergriffen würden. Die Verwaltung der Schule, die derzeit in den Räumen der Abendschule untergebracht ist, soll im neuen Jahr Container beziehen, die bereits auf dem Schulhof stehen. Bis zum Ende der Sommerferien sollen auch die Arbeiten in Haus B der Grundschule (Klassenraumgebäude) abgeschlossen sein. Dort ist eine Dachsanierung sowie die Erneuerung der Decken vorgesehen. »Wir gehen diese Sanierung an, obwohl wir es aus medizinischer Sicht gar nicht müssten«, stellte Hinkelbein klar.

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