07. September 2018, 22:09 Uhr

Wort zum Sonntag

Keine Sorge

07. September 2018, 22:09 Uhr

Die Ereignisse von Chemnitz erhitzen noch immer viele Gemüter. Am Montagabend versammelten sich unter dem Motto «#wir sind mehr« etwa sechzigtausend Menschen in der sächsischen Stadt, um gegen Rassismus und rechtsradikale Hetze zu demonstrieren. Damit scheinen die Mehrheiten deutlich wieder hergestellt zu sein und man könnte beruhigt wieder zum Tagesgeschäft zurückkehren. Doch die Ereignisse der vergangenen beiden Wochen haben gezeigt, dass die Grenzen dessen, was geht und was nicht geht, ins Rutschen geraten sind.

Sogenannte »besorgte Bürger« beteiligten sich an einer Demonstration, die als »Trauermarsch« angekündigt war, aus der heraus es zu rassistisch motivierten gewalttätigen Übergriffen und neonazistischen Aktionen kam. Die Bundesjustizministerin, Katarina Barley, brachte es in einem Tagesschau-Interview auf den Punkt: Was in Chemnitz passiert sei, habe nichts mit Sorgen und Ängsten zu tun, sondern mit Rechtsradikalismus, Rassismus, Menschenfeindlichkeit, Gewalt und Kriminalität. Vermische man diese beiden Dinge, gehe man den Rechten auf den Leim.

Die Sorgen um die eigene Sicherheit, um den Arbeitsplatz, vor Überfremdung sind oft eher ein dumpfes Gefühl, das sich zu bestimmten Anlässen ein Ventil sucht und dann auch leicht manipuliert werden kann.

An Gottes Fürsorge glauben

»All eure Sorge werft auf Gott, denn er sorgt für euch« heißt es in dem Bibelwort aus dem 1. Petrusbrief 5,7, das über der kommenden Woche steht. Die Sorge, so berechtigt oder unberechtigt sie auch sein mag, bekommt eine Richtung, ein Ziel. Wirf die lähmende Sorge weg auf den, dem du alles verdankst. Der Vers des Petrusbriefes trifft den Punkt: Es geht nicht darum das Sich-Sorgen zu verbieten, aber es geht um die Art, wie ich mich sorge und wie sich diese Sorge äußert. Wenn ich an Gott glaube, dann glaube ich an seine Fürsorge.

Der Glaube lehrt eine ernsthafte und frohe Gelassenheit. Mit ganzem Ernst die Welt und Gottes Gebote ernstnehmen, kritisch gelassen bleiben auch dann, wenn Personen oder Strukturen oder Umstände einen totalen Anspruch auf mein Leben beanspruchen. Auch wenn die Auseinandersetzungen härter werden, bleibe ich an Gott gebunden. Manche halten das für Unfreiheit. Das Gegenteil ist der Fall. Der Glaube an Gott, der für Himmel und Erde und für die Menschen sorgt, gibt mir die Möglichkeit als dankbarer, froher und freier Mensch zu leben. So getragen will ich mich einsetzen für eine offene, tolerante und bunte Gesellschaft.

Pfarrer Andreas Engelschalk, ev. Studierendengemeinde Gießen

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