29. April 2015, 11:04 Uhr

»Katharinen-Karree«: Ehemaliger Kaufhof wiedereröffnet

Gießen (kw). Für das Innenstadtareal zwischen Bahnhofstraße und Katharinengasse beginnt heute eine neue Ära. 39 Jahre nach der Einweihung des Kaufhauses Horten wird das Gebäude wiedereröffnet.
29. April 2015, 11:04 Uhr
(Foto: Oliver Schepp)

Der Modepark Röther startet seinen Betrieb als erster Mieter im neuen »Katharinen-Karree«. Die Inhaber der Geschäfte rundherum atmen auf. Der dreijährige Leerstand und die »Dauerbaustellen« vor der Tür hätten ihnen das Leben sehr schwer gemacht, sagt im Gespräch mit der Gießener Allgemeinen Zeitung Rüdiger Kowalsky, Vorsitzender des Vereins BID Katharinenviertel.

»Sehr glücklich« über die Wiederbelebung äußert sich Bürgermeisterin Gerda Weigel-Greilich. »Das Katharinen-Karree ist ein ganz wichtiger Trittstein zum City-Center über den Bereich Johannette-Lein-Gasse bis hin zur Galerie Neustädter Tor«, erklärt die Stadtplanungsdezernentin auf Anfrage. Sie glaube nicht, dass das neue Einkaufszentrum den Läden im Seltersweg oder am Neustädter Tor große Umsatzverluste bringt. Ein attraktives Angebot könne insgesamt mehr Einkäufer nach Gießen ziehen. »Zum Teil werden außerdem unterschiedliche Kundenkreise angesprochen.«

Geschichte in Kürze
1967 Der Generalverkehrsplan für die Stadt Gießen sieht ein Parkhaus auf der Fläche vor, auf der noch zahlreiche kleine Wohn- und Geschäftshäuser stehen.
1973 Obwohl die Finanzierung des geplanten Parkhauses Gießen-Mitte an der Kaplansgasse durch Anteilscheine von ansässigen Kaufleuten bereits gesichert ist, ändert die Stadtverordnetenversammlung den Bebauungsplan zugunsten eines Warenhauses.
1975 Die sanierungsbedürftigen Gebäude werden abgerissen für den Bau von Horten und City-Center.
1976 Horten eröffnet seine Gießener Filiale. Die Warenhauskette ist nach Kaufhof, Hertie und Karstadt die viertgrößte in der Bundesrepublik.
1989 Das »Galeria«-Konzept wird auch in Gießen umgesetzt.
1994 Der Kaufhof-Konzern erwirbt die Mehrheit an der Horten AG.
2001 Das 25-jährige Jubiläum wird unter anderem mit Gotthilf Fischer gefeiert. Der Chorleiter bringt die Massen zum Singen.
2003 Grün ersetzt Blau an der Fassade: Die Filiale Gießen wird zur Galeria Kaufhof – als eine der letzten in Deutschland.
2011 Auf einer Pressekonferenz in Köln am 11. Juni gibt der Metro-Konzern die Schließung in Gießen zum Sommer 2012 bekannt. »Wir sehen keine Perspektive, die Filiale profitabel zu betreiben.« Eine umgehende Nachfolgenutzung sei geplant.
2012 Die Rosco-Gruppe kauft das Gebäude und kündigt eine »Revitalisierung« an. Zunächst steht es allerdings leer.
2014 Bei der Fassaden-Umgestaltung werden auch rund 2400 »Horten-Kacheln« entfernt. Entworfen um 1960 von Egon Eiermann, sind sie begehrt bei Design-Nostalgikern. In Gießen wird der Großteil als Aluschrott entsorgt.
2015 Das Katharinen-Karree eröffnet.


Wie berichtet, wird nach Röther am 7. Mai eine weitere C&A-Filiale öffnen, später soll ein Rossmann-Drogeriemarkt hinzukommen. Für die beiden kleineren Ladenlokale liefen noch Verhandlungen, heißt es bei der Firma Rosco als Eigentümerin. Und im dritten Stock richtet das Stadttheater Probebühnen sowie Büros, Schreinerei, Wäscherei und Fundus ein.

Jahrelang hatten die Kaufhof-Mitarbeiter und etliche Kunden um den Erhalt der Gießener Filiale gezittert. Als 2011 der Konzern die Schließung beschloss, »war der erste Schock relativ groß«, blickt Weigel-Greilich zurück. Doch glücklicherweise habe sich schnell herausgestellt, dass es keinen Dauerleerstand geben soll. Wegen dieser Perspektive hätten sich in der Umgebung teilweise sogar neue Geschäfte angesiedelt.

»Wenn ich weiß, im Dezember bekomme ich einen Schluck Wasser, aber es ist erst Februar, dann habe ich trotzdem Durst«, kommentiert Kowalsky diese Aussage. Die Kundenfrequenz habe stark nachgelassen. Nun hofften er und seine Kollegen, dass das Viertel wieder besser angenommen wird. Schließlich sei es – etwa wegen des Spielplatzes – sehr attraktiv gerade für Familien.

Hoffnung hegt Kowalsky auch als Vereinsvorsitzender. Der Business Improvement District im gesetzlichen Sinn wurde 2012 aufgelöst, weil mit Kaufhof der größte Geldgeber wegbrach und der neue Eigentümer Rosco erklärte, die Mitgliedschaft im BID könne den geplanten Weiterverkauf des Hauses erschweren. Seitdem vermarktet der BID sein Viertel in Form eines Vereins. »Wir werden mit den neuen Mietern des Karrees in Kontakt treten und hoffen, dass sie sich beteiligen«, so Kowalsky. Von einer Zusammenarbeit könnten alle profitieren.

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