07. August 2012, 13:43 Uhr

Karl-Heinz Brunks Fotos in Berliner »Freigekauft«-Schau

Am Mittwoch, 8. August, startet eine Ausstellung in der Berliner Erinnerungsstätte Notaufnahmelager Marienfelde in Steglitz-Zehlendorf. Sie dokumentiert den Freikauf von politischen Häftlingen aus der DDR durch die Bundesrepublik Deutschland. Dabei werden auch mehrere Fotos zu sehen sein, die der Gießener Fotograf Karl-Heinz Brunk in den 1970er Jahren gemacht hat.
07. August 2012, 13:43 Uhr
Seit 1963 wurde zwischen beiden deutschen Staaten der Freikauf politischer Häftlinge bis kurz vor der Wende praktiziert. Am Grenzübergang Herleshausen legte sich der Gießener Fotograf Karl-Heinz Brunk 1977 auf die Lauer, um den Transport mit der Kamera zu dokumentieren. (Foto: Brunk)

Brunk wird auch am Sonntag, 12. August, um 23.45 Uhr in der Fernsehsendung »ZDF-History« zu diesem Thema befragt. Das Interview wurde kürzlich in Weimar aufgenommen.

Brunk hatte sich 1977, im Auftrag des Magazins »stern«, am damaligen Grenzübergang Herleshausen heimlich auf die Lauer gelegt und fotografiert, als Busse mit freigekauften Häftlingen den Grenzübergang von Ost nach West passierten. Seine Aufnahmen gehören zu den wenigen Bilddokumenten, die es von dieser Aktion gibt. Er begleitete den Konvoi fotografisch über die Autobahn bis ins Notaufnahmelager Gießen. Rund 20 seiner Fotos wurden bereits im Oktober vergangenen Jahres anlässlich der Feierstunde am Tag der Deutschen Einheit im Gießener Rathaus gezeigt. Nun sind sie, auf zwei bis drei Meter vergrößert, wichtige Exponate der Berliner Ausstellung »Freigekauft – Wege aus der DDR«, die in Berlin noch bis Ende März 2013 zu besichtigen ist.

Insgesamt 3,4 Milliarden DM hat die Bundesrepublik gezahlt, um politische Häftlinge aus den Gefängnissen der DDR freizukaufen. Zwischen 1963 und 1989 konnten so fast 34 000 politische Gefangene des DDR-Regimes in die Freiheit entlassen werden. Rund 27 000 solcher ehemaliger Häftlinge erreichten bis November 1989 die Stadt Gießen, wo das Notaufnahmelager, das später in Zentrale Aufnahmestelle des Landes Hessen umbenannt wurde, erste Anlaufstelle war.

Brunks Fotos zeigen nicht nur den inzwischen verstorbenen DDR-Anwalt Wolfgang Vogel und seinen Mercedes bei der Begleitung des Konvois, sondern auch das Empfangskomitee für die Busse im Gießener Notaufnahmelager. Als Brunk die Aufnahmen im Oktober vergangenen Jahres im Gießener Rathaus der Öffentlichkeit präsentierte, erinnerte er sich an die ungewöhnliche Entstehungsgeschichte dieser Aufnahmen: »Im September 1977 erhielt ich einen Anruf der Hamburger Redaktion mit dem Auftrag, am Grenzübergang Herleshausen die Häftlingsbusse zu fotografieren. Da damals meine Eltern noch in der DDR lebten, wollte ich ablehnen! Doch ich sollte nur zur Sicherheit da sein. Die Story sollte von den in der DDR akkreditierten »stern«-Journalisten erfolgen. Die wurden nach Karl-Marx-Stadt zum Gefängnis beordert. Der Stasi hat diese Journalisten mit ihrem Auto aber bemerkt, sie abgelenkt und die Busse durch einen Hinterausgang fahren lassen. Später auf der Autobahn in der DDR war 100 erlaubt, die Busse fuhren 120, begleitet von Stasi-Fahrzeugen mit Blaulicht. Die »stern«-Mitarbeiter hatten keine Chance.

Ich machte mich rechtzeitig von Gießen aus auf den Weg nach Herleshausen. Schon eine Stunde vorher habe ich das Gelände um den Grenzübergang erkundet, mein Auto abseits abgestellt und eine schmale Schneise zwischen Bäumen entdeckt, die eine ideale Sicht auf Grenze, DDR-Emblem, Grenzzaun und Grenzstrich auf der Straße bot. Dazu kletterte ich im Niemandsland auf einen hohen Baum. Der Ausschnitt für das Motiv war sehr eng, maximal zwei Aufnahmen von den fahrenden Bussen möglich. Aber auf den Stasi war ja in Sachen Pünktlichkeit Verlass. Plötzlich tauchte unter mir eine Doppelstreife des Bundesgrenzschutzes auf, die das Gelände absuchte. Sie haben mich auf dem Baum nicht entdeckt. Wenige Minuten später erschienen dann die zwei Busse, gefolgt von dem Mercedes von DDR-Rechtsanwalt Vogel. Ich hatte mein Traumbild im Kasten...

Der Straßenverlauf vor dem Grenzübergang macht von Osten eine große Schleife. So konnte ich noch aus dem Niemandsland heraus Busse und Mercedes von Vogel beim Überfahren der Grenzstation sozusagen von hinten aus fotografieren. Am Kontrollpunkt angekommen, wurde ich von unserem Bundesgrenzschutz in Empfang genommen und ›wegen der Gefahr zur Behinderung einer Amtshandlung» festgesetzt. Erst als alles vorbei war, durfte ich wieder gehen.«

Am Sonntag, 12. August, wird Karl-Heinz Brunk im Interview für »ZDF-History« erneut von seinen Erlebnissen berichten. Auch das Bundesarchiv in Koblenz habe bereits Interesse am Erwerb einiger Bilder bekundet, berichtet der Fotograf, und die »Bild«-Zeitung plane eine Buchausgabe gl

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