21. März 2016, 09:53 Uhr

Johanneskirche nach einem Jahr wiedereröffnet

Gießen (srs). Mit dem Osterlicht zogen die Lukas- und die Johannesgemeinde vor einem Jahr feierlich aus der Johanneskirche. Danach wurde das Gotteshaus für elf Monate zur Baustelle. Gesterng kehrte die Kerze, gehalten von Pfarrerin Bettina Friehmelt, in die rundum renovierte Kirche zurück – gefolgt von 600 Menschen, die im Rahmen eines Festgottesdiensts die Wiedereröffnung des Wahrzeichens der Stadt feierten.
21. März 2016, 09:53 Uhr
Knapp 600 Menschen besuchen den Festgottesdienst zur Wiedereröffnung der Johanneskirche, unter ihnen der hessische Ministerpräsident Volker Bouffier (2. Reihe). (Foto: Stefan Schaal)

Waren die Wände zuvor gräulich und die Bänke aus schwerem dunklem Holz, erstrahlt die Kirche jetzt in einem hellen, frischen Licht. »Ein Festtag für die ganze Region«, hob Ministerpräsident Volker Bouffier in einem Grußwort hervor.

Unter großem Geläut und Posaunenklang zogen die Gäste in die Kirche. Und staunend schauten sie sich in dem Gotteshaus um. »Sie ist es noch«, versicherte Pfarrerin Friehmelt in ihrer Predigt, dass die 1893 errichtete Johanneskirche ihre Identität nicht verloren habe. Und doch ist die Veränderung des Innenraums der Kirche gewaltig: Die Wände leuchten in heller Farbe. In Eichenholz strahlen die neuen Bänke. »Ein Platz zum Aufatmen« solle die Kirche sein«, erklärte Friehmelt, »wenn die Last der Welt zu schaffen macht.« Die in den 60er Jahren durch damalige Umbaumaßnahmen eingezogene »Nüchternheit« weiche nun einer Offenheit.

+++ Mehr Bilder aus der renovierten Johanneskirche

Verschwunden ist die Rückwand hinter dem Altar. Der Altarraum ragt nun mit einem Halbbogen in den Kirchenraum hinein. Neu gestaltet ist auch der Altar aus Muschelkalk, aus dem ein dünnes Kreuz aus Kupfer scheinbar schwebend drei Meter in die Höhe ragt. Das Kreuz sei gewöhnungsbedürftig, räumte Pfarrer Michael Paul ein. Er selbst habe es anfangs als »Ärgernis« empfunden. Doch es erlaube einen viel größeren Interpretationsspielraum für die Symbolik des Leidens und die »leichte Last Jesu« als andere Kreuze.

Welche Bedeutung die Johanneskirche für das Stadtleben hat und wie viele Gießener persönliche Erinnerungen mit der Kirche verbinden, verdeutlichten am Sonntag mehrere Grußworte nach dem Gottesdienst. Seine Tochter sei hier getauft worden, erzählte Ministerpräsident Bouffier. Das Innere der Kirche sei nun »hell, freundlich, einladend«. Vor allem hob Bouffier den Mut der Gemeinden hervor, überhaupt den Entschluss für die umfassende Renovierung zu treffen. Lobende Worte fand er zudem schmunzelnd »für eine große Baumaßnahme, die tatsächlich im Zeit- und im Kostenrahmen fertig wird.« Die Renovierung beläuft sich auf 1,67 Millionen Euro. Rund 800 000 übernimmt die Evangelische Kirche Hessen und Nassau, eine halbe Million Euro können die Johannes- und die Lukasgemeinde aus Rücklagen aufbringen. Rund 140 000 Euro sind bereits aus Spenden zusammengekommen. Wer die Renovierung unterstützen möchte, findet Informationen unter www.foerderverein-johanneskirche.de.

Oberbürgermeisterin Dietlind Grabe-Bolz erzählte, sie verbinde mit der Johanneskirche »wunderbare Konzerte« wie Aufführungen des Weihnachtsoratoriums. Darüber hinaus blickte sie auf die Trauerfeier für den verstorbenen ehemaligen Oberbürgermeister Manfred Mutz zurück. »Die Kirche konnte damals Trost und Halt geben. Eine bewegende Erinnerung, für die ich der Johanneskirche sehr dankbar bin.« Die Kirche sei eines der städtebaulichen Zentren Gießens – fast wie »ein Dom in unserer Stadt«.

Händels »Halleluja« erklang majestätisch zum Ende des Gottesdienstes und machte deutlich, dass die Johanneskirche den Besuchern nicht nur optisch, sondern auch akustisch – nach dem Motto der Renovierung – »Glanz für’s Gloria« bereiten wird. Für die musikalische Begleitung sorgten die Kantorei, der Posaunenchor sowie der Jugendchor unter Leitung von Christoph Koerber. Am Nachmittag sang außerdem der Gospelchor.

Bedauern mischte sich in die Grußworte auch darüber, dass das Pfarrerehepaar Bettina Friehmelt und Andreas Günther Gießen in Richtung Walluf verlässt, nachdem beide die Renovierung maßgeblich begleitet haben. Dekan Frank-Tilo Becher entpflichtete sie am Sonntag offiziell (Bericht folgt).

Schlagworte in diesem Artikel

  • Altäre
  • Bänke
  • Dietlind Grabe-Bolz
  • Evangelische Kirche
  • Jesus Christus
  • Michael Paul
  • Pfarrer und Pastoren
  • Volker Bouffier
  • Weihnachtsoratorien
  • Lädt

    Schlagwort zu
    Meine Themen

    Sie haben bereits 15 Themen gewählt

    Sie folgen diesem
    Thema bereits

Klicken Sie auf ein Schlagwort, um es zu „Meine Themen” hinzuzufügen oder weitere Inhalte dazu zu sehen.


0
Kommentare | Kommentieren

Bilder und Videos

Kommentare

Kommentar hinzufügen

Kommentar schreiben - Ihre Meinung zum Thema ist gefragt


Kommentare werden erst nach einer Prüfung durch die Redaktion veröffentlicht. Bitte beachten Sie die Netiquette sowie die Hinweise nach dem Absenden Ihres Beitrags.


Überschrift
Meine Meinung





Sie haben noch kein Login? Jetzt kostenlos registrieren.

Registrieren Sie sich kostenlos um Ihren Kommentar abzuschließen:

Wir garantieren Ihnen, dass alle persönlichen Daten nur beim Verlag intern verwendet werden und nicht ohne Zustimmung an Dritte weitergegeben werden.


Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:
Wieviel ist 10 / 2: 




Sie sind bereits registriert? Zurück zum Login.