23. Juli 2008, 20:08 Uhr

JLU-Forscher spüren in Afrika die seltene Oberländerdrossel auf

Gießen (pm). Man könnte es mit der Suche nach der Nadel im Heuhaufen vergleichen. Wochenlang schlug sich eine kleine Expeditionsgruppe der Justus-Liebig-Universität durch den kaum durchdringbaren Dschungel Ugandas, um eine vor dem Aussterben bedrohte Vogelart aufzuspüren, die als Bewohner Ostafrikas skurrilerweise den deutschen Namen Oberländerdrossel trägt. »Sie ist sehr scheu und deshalb noch weitgehend unerforscht«, sagt der Leiter der sechswöchigen Expedition, Dr. Thomas Gottschalk vom Institut für Tierökologie (Prof. Volkmar Wolters). Letztlich hatte die aufwändige Suche der Fachleute Erfolg.
23. Juli 2008, 20:08 Uhr
Im dichten Urwald Ugandas fanden Dr. Thomas Gottschalk, Ralf Dittrich und Steffen Koschkar (v. l.) mit zwei heimischen Rangern die Oberländerdrossel. Den seltenen Vogel konnten sie zwar erspähen, doch für ein Foto war er dann doch zu scheu. (Foto: R. Meinel)
Mit Hilfe ugandischer Vogelexperten konnten Dr. Thomas Gottschalk, der Wissenschaftliche Mitarbeiter Ralf Dittrich und Bachelor-Student Steffen Koschkar kürzlich einige lebende Exemplare in den tief eingeschnittenen Tälern des Nationalparks Bwindi im Südosten Ugandas ausmachen. Auch ein verlassenes Nest stellten sie in einem Baum in fünf Meter Höhe sicher. Dieses hatte Gottschalk mit einer Studierendengruppe bereits bei einer Expedition im Jahr 2007 ausfindig gemacht.

Lange Zeit war noch nicht einmal sicher, ob der amselgroße orange-braune Vogel mit dem weiß-schwarzen Augenring überhaupt noch existiert. Seinen Namen verdankt er dem böhmischen Industriellen Philipp von Oberländer, der Geldgeber einer Expedition nach Ostafrika im Jahr 1914 war, bei der der Vogel entdeckt wurde.

»Nach unseren bisherigen wissenschaftlichen Erkenntnissen gehen wir davon aus, dass in ganz Uganda nur rund 15 Oberländerdrosseln leben«, so Gottschalk. Der Wissenschaftler vermutet zwar im Osten der Demokratischen Republik Kongo noch weitere Exemplare. Doch auf Grund der politischen Unruhen konnten diese Gebiete bislang noch nicht erforscht werden.

Mit Hilfe der gewonnenen Erkenntnisse soll jetzt am JLU-Institut für Tierökologie ein Artenschutzkonzept für die Oberländerdrossel erstellt werden. Dazu gehören eine systematische Bestanderfassung der Vogelart sowie die Beschreibung der Lebensraumansprüche dieses Tieres, das im Primärurwald Ostafrikas in tief eingeschnittenen dicht bewachsenen Bachtälern lebt. Ihr Lebensraum wurde in den vergangenen Jahrzehnten drastisch vermindert, da Urwaldregionen Tee- und Bananenplantagen weichen mussten.

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