24. August 2018, 22:08 Uhr

Italienische Reise in vier Etappen

Ob er sich die »Italienische Reise« Goethes zum Vorbild genommen hat, ist nicht überliefert. Tatsache ist, dass Klaus Meineke, früher stellvertretender Leiter am LLG und nach wie vor Handball-Ikone des TV Hüttenberg, seine zweite Heimat Italien in vier Etappen komplett umrundet hat – auf dem Rad, begleitet von seinem Freund Günter Barisch.
24. August 2018, 22:08 Uhr

Klaus Meineke ist ein Wiederholungstäter. Schon als junger Lehrer von 32 Jahren zieht es ihn nach Italien. 1982 ist er mit seiner Familie nach Rom gezogen. »Am Mittwochabend haben wir noch gegen Großwallstadt gespielt, am Samstag ging unser Flug«, beschreibt der Hüttenberger das Ende seiner Karriere in der Handball-Bundesliga. Beruflich geht es damals vom Landgraf-Ludwigs-Gymnasium an die Deutsche Schule in der »ewigen Stadt«.

2014 wiederholt sich das Ganze unter anderen Vorzeichen. Mit 64 Jahren geht Klaus Meineke in den Ruhestand – als stellvertretender Schulleiter sagt er dem LLG im Sommer »Arrivederci«. Und weil alte Liebe nicht rostet, steht schnell fest: »Ich fahre nach Rom.« Doch der Trip in die italienische Hauptstadt wird keine gemütliche Urlaubsreise mit Flugzeug oder Auto. Mit dem Rad will der Pensionär die 1600 Kilometer lange Strecke bewältigen. »Ich habe schon immer Radtouren absolviert, aber noch nie in dieser Größenordnung«, zeigt der mittlerweile 68-Jährige, dass er die Aufgabe mit einem gewissen Respekt angegangen ist. Und in Begleitung: Die komplette Strecke mit ihren 15 500 Höhenmetern hat Meineke gemeinsam mit seinem Freund Günter »Muri« Barisch absolviert. Als die beiden am 21. Tag morgens um 10 auf dem Petersplatz in Rom ankommen, ist klar: Aus der Tour von Hüttenberg nach Rom soll eine italienische Rundreise werden. Der ersten Etappe über die alte Brennerstraße, vorbei am Gardasee folgen in den kommenden Jahren drei weitere Abschnitte, auf denen sich im wahrsten Sinne des Wortes der Kreis schließt.

Doch der Reihe nach: »Auf italienischen Straße zu radeln ist härter, als die Alpen zu überqueren«, seufzt Meineke, lenkt aber sofort ein. »In Italien fährt kein Radler an einem vorbei, ohne mit einem ›Bella Giornata‹ zu grüßen.« Meist sind die beiden auf abgelegenen Straßen oder Radwegen unterwegs. Am Ende jeder Tagesetappe, die meist eine Länge von 80 bis 110 Kilometer hat, wartet eine weitere Aufgabe auf die mittelhessischen Radler: Jeden Tag haben sich die beiden spontan eine Unterkunft gesucht. Das hat zum Glück auch immer geklappt, denn ein Zelt für den Notfall hatten sie erst gar nicht dabei. Meistens sind die Radler in kleinen Hotels oder Pensionen gelandet, in Pachino auf Sizilien musste einmal eine Garage als Domizil herhalten (»tagsüber hat sich dort die Oma aufgehalten, die übrigens einen sehr guten Limoncello gemacht hat, abends das Auto und wir«). Dass Italien ein Land mit vielen Gegensätzen ist, wird den beiden Radlern immer wieder vor Augen geführt. Wunderschöne Städte und Strände wechseln sich ab mit Abschnitten, die als wilde Müllhalden missbraucht werden. »Das ist schade, denn dafür ist Italien eigentlich zu schön«, sagt Meineke und nennt weitere Gegensätze: Das Land wird gebeutelt von einer hohen Jugendarbeitslosigkeit, doch die Innenstädte strahlen vor Eleganz und Sauberkeit.

Überhaupt haben die beiden so einiges erlebt auf ihren vier Etappen. Die Begebenheiten reichen von skurrilen Treffen, etwa an der Amalfi-Küste, wo die beiden einen Italiener kennenlernen, »der uns seine komplette Lebensgeschichte erzählt hat« über einen Mann in Monreale (»er wollte uns seinen 30 Jahre alten Porsche verkaufen«) und eine Begegnung mit der Spitzengruppe des Giro d’Italia am Golf von Salerno oder eine Unterhaltung mit Kartenspielern vor dem Dom von Gela. Das Tandem hat in Apulien in einem der typischen Steinhäuser mit Runddach (Trullo) übernachtet, vier Tage in Rom und zwei Tage in Venedig verbracht und dabei ein Konzert von Zucchero auf dem Markusplatz erlebt. Bei aller Plackerei auf den Crossrädern (»wenn die Magnesiumdosierung nicht gestimmt hat, gab es schon mal einen Krampf«) haben sie stets darauf geachtet, dass der Genuss nicht zu kurz kommt. »Abends haben wir uns immer den Besuch einer Osteria oder Trattoria gegönnt und landestypische Speisen zu uns genommen«, berichtet Klaus Meineke. Mehr als ein Glas Wein pro Abend haben sich die Pedaleure aber nicht gegönnt.

Knapp 6000 Kilometer haben die beiden zurückgelegt, als sie Ende Juli 2018 von ihren Familien auf dem Marktplatz in Butzbach empfangen werden. Ehrensache, dass der erste Weg nach der Ankunft zum Stamm-Italiener »Da Rosetta« führt.

»Italien ist für uns ein ganz besonderes Land«, erklären Klaus Meineke und seine Frau Cornelia beim Blick zurück. Die Familie hat nicht nur sieben Jahre in Rom verbracht, Klaus Meineke war zudem von 1995 bis 2003 Studienleiter der Deutschen Schule in Mailand. Dort haben sie nicht nur so manches Mitglied des italienischen Adels kennengelernt. Auch familiäre Bande sind gewachsen. »Wir haben zwei italienische Schwiegersöhne und vier halbitalienische Enkel«, berichtet Cornelia Meineke und sagt zum Schluss: »Die Zeit in Italien hat uns sehr geprägt.«

Schlagworte in diesem Artikel

  • Fernsehen
  • Gießen
  • Handball-Bundesliga
  • Heimat
  • Johann Wolfgang von Goethe
  • Landgraf-Ludwigs-Gymnasium Gießen
  • Porsche
  • Schwiegersöhne
  • Strände
  • TV 05/07 Hüttenberg
  • Urlaubsreisen
  • Zucchero
  • Überlieferungen
  • Armin Pfannmüller
  • Lädt

    Schlagwort zu
    Meine Themen

    Sie haben bereits 15 Themen gewählt

    Sie folgen diesem
    Thema bereits

Klicken Sie auf ein Schlagwort, um es zu „Meine Themen” hinzuzufügen oder weitere Inhalte dazu zu sehen.


0
Kommentare | Kommentieren

Bilder und Videos

Kommentare

Kommentar hinzufügen

Kommentar schreiben - Ihre Meinung zum Thema ist gefragt


Kommentare werden erst nach einer Prüfung durch die Redaktion veröffentlicht. Bitte beachten Sie die Netiquette sowie die Hinweise nach dem Absenden Ihres Beitrags.


Überschrift
Meine Meinung





Sie haben noch kein Login? Jetzt kostenlos registrieren.

Registrieren Sie sich kostenlos um Ihren Kommentar abzuschließen:

Wir garantieren Ihnen, dass alle persönlichen Daten nur beim Verlag intern verwendet werden und nicht ohne Zustimmung an Dritte weitergegeben werden.


Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:
Wieviel ist 31 - 1: 




Sie sind bereits registriert? Zurück zum Login.